Mittwoch, 18. Oktober 2017

1. Existenzgr√ľndertag Weinheim informiert zum Thema Selbstst√§ndigkeit

Mit Know-How zum Erfolg

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Weinheim, 14. November 2012. (red/aw) Im Rahmen der regionalen Gr√ľnderwoche der Metropolregion Rhein-Neckar veranstaltete auch Weinheim eine Veranstaltung f√ľr Existenzgr√ľnder und Jungunternehmer. Der F√∂rderkreis Selbstst√§ndigkeit lud gemeinsam mit der Wirtschaftsf√∂rderung Weinheim zu einem Vortrags- und Informationsabend in das alte Rathaus und gab zahlreiche Tipps¬†f√ľr einen erfolgreichen Start in die Selbstst√§ndigkeit.

Die Referenten und Organisatoren des ersten Existenzgr√ľndertag in Weinheim (v.l.n.r.): Manfred M√ľller-Jehle, Dieter G. Rauch, Uta Walkhoff, Manfred Hornung, Albert Dornick, Claus-G. Firchow, Dr. Dietmar May, Arthur Frank-Wetzel.

Von Alexandra Weichbrodt

Wer sich heutzutage selbstst√§ndig machen will, braucht Mut. Daneben¬†sollten aber auch eine gute Vorbereitung und das n√∂tige Know-How nicht fehlen. Der F√∂rderkreis Selbstst√§ndigkeit unterst√ľtzt seit Mitte diesen Jahres ehrenamtlich Jungunternehmer und jene, die es werden wollen¬†auf ihrem Weg.

Der Schl√ľssel zum Erfolg¬†sind nicht Informationen. Das sind Menschen.

So lautet das Motto der sechs Mitwirkenden des Förderkreises. Allesamt Experten aus den Bereichen Strategie, Konzeption, Kommunikation, Marketing und Vertrieb, Finanzplanung und Controlling. Man habe sich zusammengetan, um Wissens- und Erfahrungsreichtum weiterzugeben, so Claus-G. Firchow, der Marketing-Experte im Förderkreis Selbstständigkeit:

Wir wollen Menschen beraten und ihnen auch in kritischen Situationen beistehen.

Uta Walkhoff will Existenzgr√ľndern mit ihren Erfahrungen helfen.

Seit ihrem Zusammenschluss im Juni 2012 hat das Beraterteam 15 Existenzgr√ľndern zur Seite gestanden und ihnen ein wenig Starthilfe geleistet. Keine finanzielle, nur informelle und menschliche. Denn der Schritt in die Selbstst√§ndigkeit will gut √ľberlegt sein.

„Gute Vorbereitung ist Gold wert“

Wei√ü auch das neueste Mitglied im F√∂rderkreis Selbstst√§ndigkeit Uta Walkhoff. Sie berichtete √ľber ihren ganz pers√∂nlichen Weg in die Selbstst√§ndigkeit. Die 47-j√§hrige Diplom-Wirtschaftsingenieurin wagte den Sprung von einer sicheren Festanstellung in die Unabh√§ngigkeit:

Das ist eine lebensverändernde Entscheidung.

Die Ausf√ľhrungen¬†ihrer¬†Vorbereitungen auf das eigene Unternehmen,¬†ist¬†ein Musterbeispiel¬†der¬†Existenzgr√ľndung. Dazu geh√∂rte die Orientierungsphase, in der man sich vielen verschiedenen Punkten widmen muss: Einer genauen Marktanalyse, der Auseinandersetzung mit m√∂glichen Rechtsformen, der Buchhaltung und Versicherungen sowie der Erstellung des Business Plans:

Der Business Plan ist meine Basis. An ihm orientiere ich mich heute noch.

Und dabei schade es nicht, sich fachkundige Beratung zu holen. Denn nicht selten hat man vielleicht eine gute Gesch√§ftsidee, bricht dann aber schnell unter den ganzen Anforderungen einer Existenzgr√ľndung zusammen. Uta Walkhoff war geduldig. Sie baute ihre¬†Unternehmensberatung nebenberuflich auf und durchlief eine Testphase von ca. einem Jahr, bevor sie tats√§chlich den sicheren Job an den Nagel hing:

Das war ein gro√üer Moment. Da ist es mir kalt den R√ľcken¬†runtergelaufen.

Seit Anfang des Jahres ist sie nun Unternehmerin. Doch auch nach erfolgreichem Start d√ľrfe man die Gesch√§ftswelt nicht untersch√§tzen.¬†Die¬†Auftr√§ge k√§men nicht von alleine, man m√ľsse vor allem selbst aktiv¬†sein. Die Gesch√§ftsentwicklung¬†sollte immer im Auge behalten werden. Stichworte wie „Vorsicht und Weitsicht, Pri√∂rit√§ten setzen und Selbstdisziplin“ fallen.

Selbstständigkeit = Nur man selbst und das ständig

„Ungeheuren Respekt vor dem Schritt in die Selbstst√§ndigkeit“ hat auch¬†Seniorberater f√ľr Gesch√§ftskunden der Deutschen Bank Arthur Frank-Wetzel. Seit vielen Jahren betreut und ber√§t er Existenzgr√ľnder, die Kredite von der Bank brauchen. Er referierte dar√ľber, wie die Kreditvergabe an Unternehmensgr√ľnder abl√§uft und welche Anforderungen erf√ľllt werden m√ľssen. Was genau interessiert die Bank bei der Entscheidung √ľber Bewilligung oder Ablehnung einer Unternehmensfinanzierung?

Das ist vor allem¬†Ihre Pr√§sentation der Existenzgr√ľnderunterlagen,

verr√§t er. Dazu geh√∂re¬†allem voran der Business Plan. Dieser m√ľsse nat√ľrlich vollst√§ndig¬†ausgearbeitet,¬†plausibel belegt und¬†thematisch sortiert¬†sein. „Und so wenig wie m√∂glich Recherche von Seiten der Bank ben√∂tigen.“

Aber auch so genannte Fokusunterlagen geh√∂ren dazu: Lebenlauf, Qualifikationen, Zeugnisse, eine ausf√ľhrliche Vorhabensentscheidung, Ergebnis- und Liquidit√§tsplanung sowie Standortbeschreibung und Wettbewerbssituation.

Arthur Franz-Wetzel gibt n√ľtzliche Tipps f√ľr eine erfolgreiche Unternehmensfinanzierung.

 

Sind all diese Unterlagen in guter Ausf√ľhrung vorliegend,¬†beeinflussen aber noch einige andere Kriterien die Kreditvergabeentscheidung von Seiten der Bank. Dazu geh√∂rt¬†die pers√∂nliche Qualifikation des¬†Unternehmensgr√ľnders ebenso wie¬†eine positive Branchenaussicht. Auch die Schufa muss einwandfrei sein:

Haben Sie es sich einmal mit der Schufa versaut, dann ist die Kreditw√ľrdigkeit f√ľr¬†immer dahin.

Aber auch eine plausible Darstellung der Mittelverwendung m√∂chte die Bank in der Regel sehen. Es sei nachvollziehbar, dass ein Unternehmensgr√ľnder Geld f√ľr bestimmte Anschaffungen wie zum Beispiel Maschinen brauche, aber ein Vertreter, der als Gesch√§fstwagen gerne Ferrari fahren w√ľrde, sei nicht angebracht.

Sie werden nicht glauben, was ich da schon alles gehört und gelesen habe.

Dem Finanzierungsinstitut geht¬†es aber nat√ľrlich auch immer¬†um die R√ľckzahlung des Kredites. Wie risikobehaftet ist der Business Plan? Da spielen¬†Kapitaldienstf√§higkeit und eine verh√§ltnism√§√üige Besicherung eine Rolle. „Wie viel Eigenkapital k√∂nnen Sie¬†einbringen, welche Sicherheiten¬†haben Sie?“

Nur die Idee, reicht schon lange nicht mehr

Mit einer guten Gesch√§ftsidee, realistischen Kalkulationen und positiven Marktaussichten k√∂nne man aber auch durchaus mit wenig bis gar keinem Eigenkapital zum Unternehmer werden. Besonders f√ľr frischgebackene Uni-Absolventen oder Arbeitslose sei diese Option oftmals wichtig.

Ja, die Krux mit den Finanzen kriegt der Existenzgr√ľnder schnell zu sp√ľren. Auch in Sachen Steuern. Das wei√ü Dr. Dietmar May, Steuerexperte und Wirtschaftspr√ľfer aus Weinheim. Er will den Anwesenden

die Angst vor dem Steuerrecht nehmen.

Dr. May f√ľhrt die unterschiedlichen Steuerformen f√ľr Gewerbetreibende und Selbstst√§ndige auf. Auch in Sachen Umsatz- und¬†Einkommensteuer¬†gilt es viele Punkte zu beachten und nicht bereits im Vorfeld die falschen¬†„Kreuzchen“ beim Fragebogen des Finanzamtes zu machen. Seine Tipps¬†klingen einfach:

Geben¬†Sie nicht¬†nur Geld aus, um Steuern zu sparen. Legen Sie 15 bis 16 Prozent des Umsatzes f√ľr die Steuerschuld zur√ľck.¬†Bei Gesch√§ften im Ausland gilt besondere Vorsicht.

Bei der Umsetzung¬†hapert es allerdings oft. All seine Ausf√ľhrungen bietet der Experte auf seiner Homepage kostenlos zur Ansicht¬†(PDF) an und¬†r√§t zu einem gewissenhaften Umgang¬†mit dem Finanzamt. Steuern nicht zahlen zu k√∂nnen, sei nicht immer schlimm. Steuern nicht zu erkl√§ren, hingegen schon.

Da versteht das Finanzamt keinen Spaß.

Doch was tun, wenn all diese H√ľrden bereits genommen¬†wurden? Der Unternehmensgr√ľnder hat¬†einen guten Business Plan entwickelt, die Finanzierung gesichert und¬†die n√∂tigen Angaben beim Finanzamt gemacht.¬†Sein Unternehmen ist am Start. Doch noch wei√ü niemand davon. Woher kommen jetzt die Kunden?

„Let’s go local“

Dar√ľber referierte zum Abschluss des Abends der Verkaufs-Experte des F√∂rderkreis Selbstst√§ndigkeit Dieter G. Rauch und machte gleich zu Beginn seines Vortrags klar:

Die Gelben Seiten sind Out. Google ist In.

Fast 80 Prozent aller Deutschen seien mittlerweile im Internet unterwegs. Google habe täglich rund 180 Millionen Suchanfragen. Davon suchen rund 70 Millionen nach Informationen aus dem direkten, lokalen Umfeld. Daher sei es enorm wichtig, sich und sein Unternehmen dort möglichst präsent zu platzieren.

Dank Google Places kann heute jeder sein Unternehmen kostenlos bei Google ver√∂ffentlichen. Wichtig sei es, sich aktiv um die Pr√§senz und Inhalte dieser Eintr√§ge zu k√ľmmern. Mit der Funktion AdWords habe man zus√§tzlich die M√∂glichkeit die beliebtesten Suchbegriffe herauszufinden und damit die Auffindbarkeit des eigenen Eintrags zu optimieren.

Denn wenn Google Sie nicht kennt, kennt Sie niemand.

Dieter G. Rauch informiert Existenzgr√ľnder gerne zu dem Thema „Kundengewinnung durch das Internet“.

Doch auch die Nutzung der mobilen Endger√§te¬†ist heute durchaus zu beachten. Das Problem: Nur 10 Prozent aller Websites¬†sind¬†„mobil-freundlich“.

Bevor¬†man also¬†mit einer neuen Homepage online gehe, sollte man darauf achten, dass diese auch auf¬†Smartphones benutzergerecht angezeigt werde. Die Gr√∂√üendarstellung, Men√ľ-F√ľhrung und besonders das Nutzen von Flash-Elementen k√∂nnten den potenziellen Kunden schnell¬†abschrecken.

Wichtig sei es, anders als am heimischen PC, dem¬†Suchenden¬†√ľbersichtlich wichtige Informationen zu pr√§sentieren. Dazu geh√∂ren vor allem Telefonnummer, Andresse und Anfahrt sowie besondere Angebote oder je nach Branche bspw. eine Speisekarte.

Diese M√∂glichkeit¬†nicht zu nutzen sei „hochgradig¬†fahrl√§ssig“ findet Dieter¬†G. Rauch.¬†Existenzgr√ľnder sollten sich von Beginn an, mit diesen technischen Gegebenheiten auseinandersetzen.

Und wenn Sie sich fragen: Warum jetzt? Dann bleibt nur die Antwort: Weil Ihre Kunden es schon lange getan haben.

Der F√∂rderkreis Selbstst√§ndigkeit unterst√ľtzt Sie gerne¬†dabei. Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat bieten¬†die Experten im Rathaus – nach¬†Vereinbarung – Sprechstunden an.¬†Anmeldungen nimmt die Weinheimer Wirtschaftsf√∂rderung entgegen. Kontakt: Telefon 06201-82417 oder per E-Mail wirtschaftsfoerderung@weinheim.de.

Nach den Vorträgen hatten die Interessierten genug Gelegenheit sich mit den Referenten und Experten noch einmal persönlich auszutauschen.

 

Anm. d. Red.: Die Gesch√§ftsf√ľhrung der Rheinneckarblogs ber√§t Unternehmen gerne in Sachen Online-Pr√§sentation und Online-Werbung. Nehmen Sie einfach und unverbindlich Kontakt auf: anzeigen (at) rheinneckarblog.de.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.