Donnerstag, 23. November 2017

Nach Brandversuchen im Saukopftunnel bleiben Ergebnisse offen

Ernstfall geprobt – und jetzt?

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Der Rauch wurde aus dem Tunnel geblasen – das L├╝ftungssystem saugte ihn wieder an. Ist das im Sinne des Erfinders?

 

Weinheim/Rhein-Neckar, 21. Dezember 2012. (red/aw) Vor fast genau einem Monat wurde es hei├č im Saukopftunnel. Um die Funktionst├╝chtigkeit der Sicherheitseinrichtungen und der Rettungsstollenl├╝ftung im Brandfall zu pr├╝fen, wurde der Ernstfall geprobt. Die Brandversuche wurden durch das Institut f├╝r Industrie├Ąrodynamik aus Aachen (IFI) durchgef├╝hrt. Das Regierungspr├Ąsidium Kalrsruhe hat bisher keine Ergebnisse der Pr├╝fung ver├Âffentlicht. Ein nicht ganz einwandfreier Rauchabzug vor Ort lie├č aber auf ein Problem mit der L├╝ftungsanlage schlie├čen. Der Pressestelle vom Regierungspr├Ąsidium ist davon allerdings nichts bekannt.

Fotos: Ralph Urbach
Text: Alexandra Weichbrodt

Es qualmte, dampfte und rauchte: Die Brandversuche im Saukopftunnel am 24. November 2012 boten beeindruckende Bilder. Doch welche Erkenntnisse gewonnen wurden, ist bisher nicht bekannt. Im Vorfeld hie├č es von Seiten des Regierungspr├Ąsiduiums, dass der Test dazu diene, den Saukopftunnel auch k├╝nftig den aktuellen Sicherheitsvorschriftne anzupassen.

Die Feuwerwehr und weitere Einsatzkr├Ąfte sowie Betriebspersonal sollten mit dieser ├ťbung auf die Gegebenheiten w├Ąhrend eines Brandes vorbereitet werden, um in Zukunft bestm├Âglich auf diese Situation reagieren zu k├Ânnen.

Durchgef├╝hrt wurden vier Brandeversuche an zwei Stellen des 2715 Meter langen Tunnels. Hitze und Rauch wurde mitttels regelbaren Propangasbrennern und Rauchmaschinen, die ungiftiges medizinisches Wei├č├Âl verdampften, erzeugt. Diese l├Âsten die Brandmelder im Tunnel aus und simulierten den Ernstfall. Durch die Brandrauchentl├╝ftung sollte der – bei diesem Test ungiftige – Rauch aus dem Tunnel abgesaugt und hinaus gef├╝hrt werden. Allerdings saugten die L├╝ftungssch├Ąchte den ausgetretenen Rauch direkt wieder an und f├╝hrten ihn als vermeintliche „Frischluft“ wieder dem Tunnel zu.

Ein Test ohne Ergebnisse?

Ein Problem, dass im Ernstfall katastrophale Folgen h├Ątte. Unser Fotograf vor Ort wurde Zeuge des ungeschickten L├╝ftungssystems. Doch bei den Verantwortlichen ist das Problem entweder nicht wahrgenommen worden oder aber es wurde nicht kommunziert. Denn der Pressestelle des Regierungspr├Ąsidiums war bis heute nicht bekannt, dass bei den Brandversuchen technische Probleme aufgetreten w├Ąren.

Vielleicht will man die gewonnen Erkenntnisse derzeit auch einfach nicht teilen, da der Saukopfttunnel in der Vergangenheit schon f├╝r viele schlechte Nachrichten sorgte. Vermehrte Vollsperrungen in den letzten Monaten strapazierten die Nerven der Autofahrer sehr. Es ist nahezu ein „Never-Ending-├ärger“ mit dem Saukopftunnel. (Anm. d. Red.: Wir berichteten.)

Sicherheitsnachr├╝stungen in H├Âhe von 37 Millionen Euro

Aber Sicherheit muss sein. Denn Tunnelunf├Ąlle haben in der Vergangenheit immer wieder zahlreiche Opfer gefordert. Seit den 90er Jahren wurden die Sicherheitsvorschriften daher massiv versch├Ąrft. Der Saukopftunnel musste bereits im Jahr 2008 ein vom Bund verordnetes Nachr├╝stungsprogramm durchf├╝hren, um die Sicherheitsstandards zu erf├╝llen. So wurde u.a. das gesamte L├╝ftungssystem konzeptionell erneutert und Brandklassen in der Zwischndecke installiert. Diese sollten sich im Brandfall ├Âffnen und den Rauch gezielt absaugen. Kosten hierf├╝r: ca. 11.6 Millionen Euro.

Weitere Verbesserungen der Sicherheitsvorkehrungen folgten. Seit 2009 wird ein Fluchstollen gebaut. F├╝r den kompletten Fluchtstollen werden voraussichtlich Kosten in einer Gr├Â├čenordnung von rund 26 Millionen Euro f├Ąllig, von denen allein 23 Millionen Euro f├╝r den Rohbau angefallen sind. Die Kosten f├╝r die betriebstechnische Einrichtung werden sich dann noch einmal auf etwa 3 Millionen Euro belaufen.

Die Gesamtkosten der Nachr├╝stungen des Hauptstollen sowie der Bau des Fluchtstollen liegen also bei etwa 37 Millionen Euro. Sicherheit ist teuer. Daher bleibt zu hoffen, dass diese dann auch zuverl├Ąssig gew├Ąhrleistet ist.

Ein Fahrzeugbrand wurde bei dem Test der Sicherheitseinschrichtungen Ende November simuliert.

 

Weitere Bilder der Brandversuche im Saukopftunnel finden Sie in einer Bildergalerie auf weinheimblog.de.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.