Donnerstag, 23. November 2017

Die Polizeidirektion Heidelberg nutzt die Social Media jetzt dauerhaft

„Facebook ersetzt keinen Notruf“

Print Friendly, PDF & Email
Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

 

Heidelberg/Rhein-Neckar, 10. Mai 2013. (red/ld) Die Facebook-Seite der Polizeidirektion Heidelberg hat sich bew├Ąhrt. Seit Montag betreut die Pressestelle den Social Media-Auftritt dauerhaft. Im Februar war die Seite gestartet worden, um besondere Polizeieins├Ątze wie Fu├čballspiele oder Abschlussfeiern von Sch├╝lern zu begleiten. Die Beamten wollen Facebook ab sofort zur Vorbeugung gegen Straftaten und zur Zeugensuche nutzen. Den Notruf 110 oder die pers├Ânliche Anzeigenerstattung ersetzt die Seite aber nicht.

Von Lydia Dartsch

Angefangen hat alles mit einem Post zum Polizeieinsatz beim Fu├čballspiel TSG 1899 Hoffenheim gegen den FC Bayern in der Rhein-Neckar-Arena. Das war im Februar. Im April begleitete die Polizei das Spiel des SV Sandhausen gegen den FC Kaiserslautern, postete dort Hinweise auf den Shuttleservice vom Bahnhof St. Ilgen und machten auf das Anti-Konfliktteam aufmerksam. Nach den Abschlussfeiern der Heidelberger Abiturienten postete sie Fotos von den Hinterlassenschaften, und baten bei den Abschlussfeiern der Realsch├╝ler darum, friedlich zu feiern, R├╝cksicht auf Anwohner zu nehmen und den M├╝ll nicht auf der Stra├če liegen zu lassen.

Wir haben 99 Prozent positive R├╝ckmeldungen,

sagt Pressesprecher Norbert Sch├Ątzle.

Polizei informiert Fu├čballfans

Mit dem permanenten Auftritt, der seit Montag l├Ąuft, werde die Polizei ausgew├Ąhlte Pressemitteilungen ver├Âffentlichen, Zeugenaufrufe, Nachwuchswerbung posten sowie Posts zur Pr├Ąvention von Straftaten ver├Âffentlichen.

Dadurch erreichen wir viel mehr Menschen, als wenn wir ausschlie├člich Pressemitteilungen an Redaktionen schicken,

sagt Herr Sch├Ątzle:

Immerhin haben wir mittlerweile rund 2.460 „Fans“, denen unsere Facebookseite gef├Ąllt. Mehrere tausend Menschen klicken unsere Posts an. In Fall der Abifeiern sind es bis heute sogar ├╝ber 360.000 Menschen.

Trotzdem erspart der Facebookauftritt die Streife nicht, beispielsweise beim Jugendschutz:

Die feiernden Sch├╝ler auf der Neckarwiese k├Ânnen sich darauf einstellen, dass wir wie in jedem Jahr zum Schuljahresabschluss auch vor Ort ┬áJugendschutzkontrollen zusammen mit dem Jugendreferat der Stadt Heidelberg durchf├╝hren werden.

Bei dem entsprechenden Post zu den Abschlussfeiern der Realsch├╝ler gab es auch den Hinweis auf die ├Âffentlichen Toiletten an den Neckarwiesen. Auch das eine Form von „Pr├Ąvention“.

Die Kommunikation funktioniert auch in die andere Richtung. Beispielsweise fragten Fu├čballfans an, ob sie ihre Fanutensilien der gegnerischen Mannschaft mit in den Fanblock nehmen d├╝rften. Auch Anfragen f├╝r die Zust├Ąndigkeit kommen bei Herrn Sch├Ątzle und seinen Kollegen an:

Wir beantworten diese Anfragen dann mit einer pers├Ânlichen Nachricht an den Fragesteller, nicht auf den Kommentar,

sagt er.

Der Notruff bleibt die 110

Trotzdem ist die Facebookseite kein Ersatz f├╝r die Notrufnummer 110 und die Polizeidienststellen.

Wir als Pressestelle k├Ânnen keine Anzeigen aufnehmen und keine Notrufe entgegennehmen. Das k├Ânnten wir personell nicht leisten,

sagt Norbert Sch├Ątzle. F├╝r Notrufe muss man also weiterhin die 110 w├Ąhlen und f├╝r Anzeigen bleiben die Polizeidienststellen zust├Ąndig.

Innenministerium muss ├╝ber Facebookfahndung noch entscheiden

Auch Fahndungen laufen vorerst nicht ├╝ber Facebook. Das habe einen datenschutzrechtlichen Grund, sagt Norbert Sch├Ątzle:

Es ist kein deutsches Medium und unterliegt damit nicht ausschlie├člich deutschem Recht. Wenn wir Fahndungsfotos oder Bilder von Vermissten auf der Homepage der
Polizei ver├Âffentlichen, k├Ânnen wir das Foto nach der Fahndung wieder l├Âschen. Die Handhabe bei Facebook ist viel schwieriger, da wissen wir nicht, was danach mit den Fotos passiert und ob sie wieder gel├Âscht werden k├Ânnen. Das muss aber m├Âglich sein.

Derzeit arbeite eine Bund-L├Ąnder-Kommission am Ausbau von Facebookaktivit├Ąten sowie an allgemeinen Richtlinien f├╝r die Facebookauftritte der Polizeipr├Ąsidien in Deutschland.

Man k├Ânnte noch viel mehr machen,

sagt Herr Sch├Ątzle.

Dauerhafte Facebookauftritte der baden-w├╝rttembergischen Polizei gibt es derzeit f├╝r Stuttgart und Heidelberg.┬á Weitere Facebook-Seiten bieten Mecklenburg-Vorpommern, M├Ânchengladbach, Osnabr├╝ck, K├Âln, Nordrhein-Westphalen, Dortmund und┬á Bremen an.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.