Dienstag, 18. September 2018

Franziska Brantner ist Europaabgeordnete und Mutter.

Organisation ist alles

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Die Europaabgeordnete Franziska Brantner ist Mutter und Politikerin.

Die Europaabgeordnete Franziska Brantner ist Mutter und Politikerin. Den Arbeitsalltag zwischen Br├╝ssel, Stra├čburg und Heidelberg meistert sie mit Organisation und Effizienz.

 

Stra├čburg/Rhein-Neckar, 07. Juni 2013. (red/ld) Wenn ihre Tochter sie braucht, ist Franziska Brantner Mutter. Wenn die EU-Politik sie braucht, ist sie Abgeordnete. Die Gr├╝nen-Politikerin arbeitet im Europ├Ąischen Parlament an einer L├Âsung f├╝r die Finanzkrise oder an der Durchsetzung von Frauenrechten. Im September will die 33-J├Ąhrige in den Bundestag gew├Ąhlt werden.

Von Lydia Dartsch

Franziska Brantner l├Ąchelt in ihr Telefon. Auf Ihrem Scho├č liegt eine ge├Âffnete Aktenmappe:

Die Kleine hat beschlossen, dass jetzt Fr├╝hling ist? Und sie keine Strumpfhose mehr anziehen braucht? Und was hast Du gemacht?

Am Telefon ist ihre Mutter und erz├Ąhlt von der dreij├Ąhrigen Tochter. Franziska schaut aus dem verregneten Fenster. Die Landschaft zieht vorbei. Sie sitzt in einem schwarzen Mercedes des Fahrdienstes des Europ├Ąischen Parlaments. Gestern um 06:00 morgens hat sie ihre Wohnung in Br├╝ssel verlassen und ist nach Stra├čburg gefahren, nach Edingen-Neckarhausen und nach Heidelberg. Erst ├╝bermorgen wird sie ihre Tochter wiedersehen.

Per Telefon h├Ąlt die Abgeordnete Kontakt. Sie erf├Ąhrt, dass die Tochter dann doch noch die Strumpfhose angezogen hat und ist beruhigt. Dann legt sie auf.

Das iPhone klingelt erneut. Es ist ihr B├╝roleiter:

Hallo Jonas. Wer ist denn alles bei dem Zehn-Uhr-Termin dabei? Hast Du den Plan gerade vor Dir?

Franziska Brantner h├Ârt zu, macht Notizen, stellt Fragen.

Die Unterlagen f├╝r einen Arbeitstag am Europ├Ąischen Parlament ist morgens schon vorbereitet.

Die Unterlagen f├╝r einen Arbeitstag am Europ├Ąischen Parlament. Vorbereitung ist alles.

 

Dann erledigt sie erste B├╝roarbeit, liest Texte in ihren Unterlagen, schreibt Anmerkungen dazu und greift wieder zu ihrem iPhone, das sie verflucht:

Ich hatte immer Handys mit Tasten. Mit dem hier kann ich nicht richtig arbeiten.

Ein neuer Blackberry ist schon bestellt. Das Handy ist das mobile B├╝ro der 33-j├Ąhrigen Gr├╝nen-Politikerin. Damit schreibt sie emails, Whatsapp-Nachrichten und SMS, redigiert Texte, gibt Interviews und telefoniert mit Mitarbeitern, Kollegen und ihrer Familie; meistens sitzt sie dabei nicht am Schreibtisch, sondern im Zug, im Auto oder im Parlament. Wieder ein Anruf:

Ja, schick mir das gleich. Ich habe jetzt noch eine halbe Stunde mit dem Auto, in der ich den Text ├╝berarbeiten kann.

Ihr Blick geht zum R├╝ckspiegel, der Fahrer schaut zur├╝ck und nickt. Sie werden p├╝nktlich ankommen, was nicht immer selbstverst├Ąndlich ist. Vor allem, wenn sie Bahn f├Ąhrt, was sie meistens tut.

Wie ein geschmeidiges Getriebe

Die zierliche Frau ist effizient. Strukturiert. Auf Schminke legt sie keinen Wert. Ihr Ehering ist der einzige Schmuck, den sie tr├Ągt. Und die gro├če grelle Nerd-Brille: altmodisch braune Hornoptik vorne. An den Seiten neon-gr├╝n. Die Brille zieht den Blick auf ihre Augen und die schauen aufmerksam in und auf die Welt.

Alles um sie herum ist organisiert, l├Ąuft wie ein geschmeidiges Getriebe, auf das sie sich verl├Ąsst.

Weil sie wegen der vielen Termine ihre kleine Tochter nicht mit nach Stra├čburg nehmen kann, ist Franziska Brantners Mutter aus Freiburg nach Br├╝ssel gefahren, um sich um diese zu k├╝mmern, wenn die Mutter auf Tour ist.

Der Gutenachtkuss f├╝r die Tochter

Die Familie sieht sich nicht oft, aber Zeit f├╝r ihre Tochter ist in ihrem Kalender genauso fest eingeplant, wie die Sitzungen mit der Fraktion oder die Meetings mit anderen Abgeordneten.

Heute ist der Zeitplan wie so oft wieder mal straff. Sie kommt p├╝nktlich um 09:00 Uhr an, f├Ąhrt mit dem Aufzug in den f├╝nften Stock zu ihrem B├╝ro. Ihr B├╝roleiter hat bereits alle Unterlagen vorbereitet, die sie heute brauchen wird.

Ist das meine Mappe? Ohje!

Das Entsetzen ist nicht wirklich echt, sondern scherzhaft gemeint. Denn die Mappen sind immer dick.

Einer wie Franziska Brantner macht das nichts aus. Sie ist leistungsorientiert. Das war sie schon als Sch├╝lerin: In Freiburg ging sie aufs Deutsch-Franz├Âsische Gymnasium und war dort an der Gr├╝ndung des Jugendgemeinderats beteiligt. In Paris war sie Mitgr├╝nderin einer gr├╝nen Hochschulgruppe.

Viel erreicht, viel vor sich

Mit 17 Jahren trat sie der Gr├╝nen-Jugend bei, wurde noch im selben Jahr in den Landesvorstand gew├Ąhlt. Im Jahr darauf in den Bundesvorstand. F├╝r die parteinahe Heinrich-B├Âll-Stiftung arbeitete sie nach dem Abitur in New York und in Tel Aviv. Sie spricht Englisch, Franz├Âsisch und Spanisch flie├čend. Sogar etwas hebr├Ąisch.

Politikwissenschaft und Volkswirtschaft studierte sie in Paris an der „Science Po“ und in New York an der Columbia University. In Mannheim promovierte sie ├╝ber die Reformf├Ąhigkeit der Vereinten Nationen.

Die Liste ihrer Projekte ist lang: Frauenrechte, die L├Âsung der Finanzkrise und Friedensvermittlung. In der n├Ąchsten Woche soll eine Konferenz dazu stattfinden, die sie organisiert, bei der sie aber wegen anderer Termine nicht anwesend sein kann. Es wird um die Frage gehen, wie geeignet die EU als Friedensvermittler ist. Daf├╝r m├╝ssen noch G├Ąste zusagen. Sie telefoniert mit ihrem B├╝ro in Br├╝ssel und fragt nach der Lage, bittet ihre Mitarbeiter, nochmal nachzufragen.

Wieder geht ihr Blick auf den Stapel mit den Unterlagen:

Ich muss mir das kurz durchlesen. Wann ist das Treffen?

fragt sie Jonas Paul.

Um 09:30 Uhr trifft sie den slowakischen Abgeordneten Eduard Kukan an der Members‘ Bar. Um 10:00 Uhr ein Treffen mit den Schattenberichterstattern (siehe Bericht) im Winston-Churchill-Geb├Ąude. Um 11:00 Uhr trifft sie im H├ęmicycle eine Besuchergruppe und geht um 12:00 Uhr zu den Abstimmungen ins Plenum.

Es folgen Gruppentreffen mit Fraktionskollegen aus dem ausw├Ąrtigen Ausschuss, dessen Mitglied sie ist, eine weitere Besuchergruppe und noch ein Meeting in der Members‘ Bar, bevor die Fraktionssitzung beginnt. Um 21:00 Uhr ist heute das Terminprogramm zu Ende.

Die Fraktionssitzung der europ├Ąischen Gr├╝nen ist der letzte Termin des Tages. Aufmerksam h├Ârt die Abgeordnete Franziska Brantner zu.

Die Fraktionssitzung der europ├Ąischen Gr├╝nen ist der letzte Termin des Tages. Aufmerksam h├Ârt die Abgeordnete Franziska Brantner zu.

 

Am n├Ąchsten Morgen geht es um 08:00 Uhr mit einem Termin beim Zahnarzt los. Dann das ├╝bliche Programm. Dann f├Ąhrt sie nach Ladenburg, in den den Wahlkreis, f├╝r den sie im Herbst bei der Bundestagswahl antritt. Sie will von den B├╝rgermeistern wissen, welche Probleme es vor Ort gibt.

Die Wahrscheinlichkeit, in den Bundestag gew├Ąhlt zu werden, ist gro├č. Sie tritt auf Platz 09 der Landesliste an. Von den Gr├╝nen-Abgeordneten kommen elf aus Baden-W├╝rttemberg.

Ihr Schwerpunkt wird die Europ├Ąische Finanzkrise sein. Sie freut sich auf den Wechsel von Br├╝ssel nach Berlin:

Ich werde die internationale Atmosph├Ąre hier vermissen. Aber wenn es um die L├Âsung der Finanzkrise geht, kann ich in Berlin mehr erreichen. Deutschland spielt darin gerade die gr├Â├čte Rolle.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.