Donnerstag, 23. November 2017

Kinder mit besonderem Erziehungsbedarf werden in ihrer Schule unterstützt

Inklusive Außenstelle des Pilgerhauses

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Hemsbach, 29. Oktober 2013. (red/pm)Mit dem Schuljahresbeginn wurde die Inklusive Außenstelle der Peter-Koch-Schule für Erziehungshilfe in Hemsbach eröffnet. So können Kinder mit besonderem Erziehungsbedarf in ihrer Schule unterstützt werden.

Information der Stadt Hemsbach:

„Verschieden ist normal, jeder Mensch besonders: zwei Kerngedanken der Inklusion. Wertschätzung und Anerkennung von Vielfalt in Bildung und Erziehung sind die Prinzipien inklusiver Pädagogik. Die Stadt Hemsbach gehört in dieser Hinsicht zu den Pionieren unter den Bergstraßenkommunen, denn seit mehr als zwei Jahren nehmen Kinder mit Behinderung ganz regulär am Unterricht in der Hebel-Grundschule teil.

Jetzt begibt sich Hemsbach abermals in eine Vorreiterrolle: Mit Schuljahresbeginn wurde die erste „Inklusive Außenstelle der Peter-Koch-Schule für Erziehungshilfe“ mit Stützpunkt im ehemaligen Hausmeisterpavillon der Schiller-Werkrealschule eröffnet.

Kinder bleiben in ihrer Klasse

Dort laufen sozusagen die organisatorischen Fäden des Modellprojekts „Gruppenbezogenes inklusives Bildungsangebot“ zusammen. Dieses ermöglicht es derzeit insgesamt sieben Kindern und Jugendlichen mit einem festgestellten besonderen Erziehungsbedarf, in ihrer Schule und ihrem angestammten Klassenverband zu bleiben und nicht externe Förderschulen oder spezielle Schulen für Erziehungshilfe besuchen zu müssen.

Stattdessen nehmen die Schüler vor Ort in der Uhland-Grundschule und der Friedrich-Schiller-Werkrealschule am Unterricht teil und werden in Absprache mit der Schulleitung und dem Kollegium zusätzlich von zwei Sonderpädagogen unterstützt.

Ein zweiter Pfeiler ist die soziale Gruppenarbeit mit nachmittäglicher Betreuung durch zwei weitere Fachkräfte, welche die Schüler bei den Hausaufgaben begleiten und beispielsweise auch kreativ mit ihnen arbeiten. Dabei gehen sie auf individuelle Ansprüche ein – die betroffenen Kinder und Jugendlichen besuchen die Klassen 1 bis 9.

„Die Schüler bleiben in ihrer gewohnten Umgebung, in ihrer Schule, bei ihren Freunden“, erläuterte Uwe Gerbich-Demmer die Vorteile dieses Angebots. Der Vorstand des Pilgerhauses, Träger der Peter-Koch-Schule, stellte mit Vertretern der weiteren beteiligten Institutionen – die Stadtverwaltung Hemsbach und das Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises – das Pilotprojekt jetzt vor.

Zahl verhaltensauffälliger Kinder steigt

Dieses wurde zugegebenermaßen wenigstens zu einem kleinen Teil auch aus der Not geboren, denn das ausschließlich sonderpädagogische Bildungsangebot kann mit der steigenden Zahl von Kindern mit sozialen Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsschwierigkeiten und emotionalen Problemen immer weniger Schritt halten. Ulla Möll, für Sonderpädagogik zuständige Schulrätin beim Schulamt Mannheim, zeigte sich daher sehr erfreut über dieses „sinnvolle Angebot“.

„Immer mehr Kinder haben Probleme im zwischenmenschlichen Miteinander und daher einen besonderen Erziehungsbedarf“, bestätigt dies der für Kindergärten und Schulen zuständige Rathausmitarbeiter Tobias Schork. Auch die Eltern der betroffenen Kinder werden in die Maßnahmen miteinbezogen – ein weiterer zukunftsweisender Aspekt.

Arbeit im Netzwerk

Stefanie Jansen, Leiterin des Jugendamts des Rhein-Neckar-Kreises, betont den Netzwerk-Gedanken des Projekts: „Die Frage, wie wir Schule und Jugendhilfe effektiv zusammenbringen, um jungen Menschen gute Startvoraussetzungen zu bieten, wird uns noch eine Weile begleiten.

Hier in Hemsbach ist ein sehr guter Schritt gemacht worden.“ Die Ergebnisse werde man prüfen und sich genau anschauen, wie sich diese frühzeitige Unterstützung auswirkt, vor allem hinsichtlich der Prävention. Der Rhein-Neckar-Kreis finanziert dieses Projekt. Die Kosten betragen etwa 1500 Euro pro Platz und Monat. Insgesamt zwölf Plätze stehen in Hemsbach zur Verfügung.

Erste Erfahrungen positiv

Befragt nach den ersten Erfahrungen konnten Uhlandschul-Rektorin Heike Walter und Irmtraud Buhl, stellvertretende Leiterin der Schillerschule, nur Positives berichten: „Kinder gehen ganz natürlich damit um, dass jeder anders, dass jeder besonders ist. Sie leben den Toleranzgedanken. Die Kinder sind mit offenen Armen aufgenommen worden und haben ihren Platz bei uns wie jedes Kind gefunden“, erklärt Walter. Es profitierten alle, so Buhl: die betroffenen Schüler, die Mitschüler und die Lehrerschaft.

„Optimale Voraussetzungen“ in Hemsbach

Bleibt die Frage, warum ausgerechnet Hemsbach zum Standort eines solchen Modellprojekts ausgewählt wurde. Bürgermeister Jürgen Kirchner führt vor allem die „optimalen Voraussetzungen“ vor Ort ins Feld: „Die Zusammenarbeit zwischen der Uhland- und der Peter-Koch-Schule besteht schon länger. Insofern hat sich hier eine engere Vernetzung angebahnt, zumal unsere Schulleitungen sehr engagiert und offen für das Thema Inklusion sind.

Dazu kommt, dass wir eine sehr gut ausgebaute Kernzeitbetreuung haben, in die sich inklusive Angebote gut integrieren lassen. Und schließlich ist es im Sinne der Netzwerkarbeit von Vorteil, dass in der Räumlichkeit, in der die Inklusive Außenstelle untergebracht ist, auch unsere Schulsozialarbeiter bei Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.“

Über Alina Eisenhardt

Alina Eisenhardt (23) ist seit 2012 freie Mitarbeiterin bei uns, macht Redaktion, schreibt Texte und ist für "Unsere Metropolregion - Newsletter" verantwortlich. Sie studiert Psychologie.