Sonntag, 24. September 2017

In eigener Sache: Freiwillige Selbstkontrolle

Unsere Blogs werden Mitglied im Deutschen Presserat

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presseratRhein-Neckar, 04. November 2013. (red) Der Deutsche Presserat ist die freiwillige Selbstkontrolle der Presse in Deutschland. Bis 2009 nur fĂŒr die Printpresse, seitdem öffnet sich der Verein auch fĂŒr sogenannte „Telemedien“ unter die unsere Angebote fallen. Aktuell wurden wir eingeladen, dem Deutschen Presserat als Mitglied beizutreten, was wir fĂŒr ein Probejahr machen.

Von Hardy Prothmann

Sie vertreten hochwertige, journalistische Produkte. Sie haben den Anspruch, guten, kritischen Journalismus fĂŒr ihre Leser zu bieten. Ein Merkmal von QualitĂ€tsjournalismus ist die Einhaltung des Pressekodex, den Journalisten und Verleger, die im Deutschen Presserat organisiert sind, gemeinsam entwickelt haben und stetig fortschreiben. (
) Als zukunftsorientes Online-Medium mit hohem journalistischem Anspruch möchte ich Sie gern fĂŒr diese Selbstkontrolle gewinnen.

Ein Brief, der so anfĂ€ngt, wird natĂŒrlich gerne gelesen. Verfasser ist Lutz Tillmanns, der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Presserats. Mit dem Beitrag zu diesem Kontrollorgan unterwerfen wir uns freiwillig dem sogenannten Pressekodex.

Freiwillige Selbstkontrolle

In dieser Richtliniensammlung sind Regeln enthalten, denen sich die Mitglieder verpflichtet fĂŒhlen. Sofern Mitglieder gegen diese Regeln verstoßen, kann man Beschwerde beim Deutschen Presserat einreichen. Als Mitglied verpflichtet man sich, auf Grund von Beschwerden ausgesprochene RĂŒgen zu veröffentlichen.

Der Pressekodex ist ein insgesamt praxisbezogener Leitfaden, an dem sich journalistische QualitĂ€tsangebote orientieren können. Aber: Er ist fĂŒr Printprodukte entworfen und erfasst leider nicht die “neue digitale” Publikationswelt umfassend und zutreffend. Ein Beispiel ist der Umgang mit Leserbriefen – die online Kommentare heißen. In der Richtline 2.6 – Leserbriefe, Absatz 3 heißt es:

Bestehen Zweifel an der IdentitÀt des Absenders, soll auf den Abdruck verzichtet werden.

Selbst solche kleinen SĂ€tze haben es in sich. Um tatsĂ€chlich nicht nur die Printpresse zu reprĂ€sentieren, sondern auch Telemedien, mĂŒsste das Wort “Abdruck” durch “Veröffentlichung” ersetzt werden, weil online eben nicht Druck ist. Entscheidender aber ist der Umgang mit anonymen Kommentaren – die werden von den allermeisten Telemedien erlaubt. Entscheidend ist nach Auffassung der neuen Angebote nicht ein “identifizierbarer Absender”, sondern der Inhalt.

Redaktionen, die auf diese PrĂŒfung der “IdentitĂ€t des Absenders” verzichten, verstoßen somit gegen diese Richtlinie des Pressekodex. Je nach Thema und Zahl der Kommentare kann das schnell sogar ein dutzendfacher Verstoß werden. Wie geht man damit um? Sollte es hier zu RĂŒgen kommen, wĂŒrde wir beispielsweise die Haltung einnehmen, dass diese Richtlinie unsinnig ist und wir uns nicht gebunden fĂŒhlen. Und schon stellt sich die Frage, ob eine Mitgliedschaft sinnvoll sein kann, wenn man gewisse Richtlinien und Ziffern nicht akzeptiert. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Anpassungen sind also notwendig und mĂŒssen von den Mitgliedern im TrĂ€gerverein akzeptiert und zĂŒgig umgesetzt werden.

Partizipation erforderlich

Um die publizistischen RealitĂ€ten der Telemedien praxistauglich im Sinne der Selbstkontrolle anwendbar zu machen, wird es einige VerĂ€nderungen am Pressekodex geben mĂŒssen. Hier folgt das nĂ€chste Problem: Mitglieder des TrĂ€gervereins des Presserats sind der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, der Verband der Zeitschriftenverleger, verdi und DJV. Die neuen Telemedien sitzen in den entscheidenden Gremien nicht am Tisch und haben keine Stimme.

Wenn der Presserat sich fĂŒr Telemedien öffnen möchte, dann muss er auch Partizipation auf organisatorischer Ebene zulassen und ermöglichen. Sicher – alles auf einmal ist vielleicht zu viel verlangt, aber mittelfristig muss dies in den kommenden Jahren erfolgen.

Bis dahin ist anzuerkennen, dass Herr Tillmanns sich interessiert zeigt und zum GesprĂ€ch einlĂ€dt. In dieser Woche gibt es in Berlin ein Treffen zwischen Tillmanns und Referenten des Presserats mit Vertretern von Telemedien. Christopher Zeuch von Altona.info wird daran teilnehmen, ebenso wie die Philipp Schwörbel von den Prenzlauerberg-Nachrichten.de und Steffen Greschner fĂŒr die TegernseerStimme.de – zwei Angebote, die wie wir Mitglied auch Mitglied bei im Lokalzeitungsnetzwerk istlokal.de sind.

Ziel muss QualitÀtsförderung sein

Hier werden erste GesprĂ€che gefĂŒhrt und Informationen ausgetauscht. Partiziptation heißt auch aktive Teilnahme. Deswegen ist der erste Schritt die Mitgliedschaft beim Presserat, was auch imagemĂ€ĂŸig unsere Angebote stĂ€rker macht, da der Presserat die qualitativ hochwertige Ausrichtung unserer Angebote bestĂ€tigt. Und dann folgt die Arbeitsphase: Wir Istlokaler und andere Telemedien mĂŒssen den Pressekodex intensiv prĂŒfen und auf notwendige VerĂ€nderungen drĂ€ngen. Ganz klar mit dem Ziel, QualitĂ€tsmaßstĂ€be zu definieren und sich diesen freiwillig zu unterwerfen.

Man darf gespannt sein, wie sich diese Zusammenarbeit entwickelt – entscheidend wird sein, ob sich die Telemedien in “angemessener Form” einbringen können und deren Positionen auch öffentlich thematisiert werden. Wenn dem so ist, ist eine Mitgliedschaft sinnvoll und zielfĂŒhrend. Wenn nicht, kann man wie das Netzwerk Recherche einen eigenen Kodex entwerfen, der die notwendigen QualitĂ€tsanforderungen definiert.

Im GesprĂ€ch sagte uns Herr Tillmanns ĂŒbrigens, dass es in der Vergangenheit schon ein paar Beschwerden vor allem gegen Berichte beim Heddesheimblog.de gegeben habe – weil man nicht zustĂ€ndig war, hat man dies den BeschwerdefĂŒhrern so mitgeteilt. Was kritisiert worden ist, haben wir nicht erfahren.

Auch in Zukunft gilt – Sie haben einen direkten Draht in die Redaktion. Sie können uns per Kommentar oder email kritisieren, das GesprĂ€ch am Telefon suchen, einen Termin mit uns machen oder aber kĂŒnftig sich direkt beim Presserat beschweren, falls Sie das fĂŒr notwendig erachten.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.