Samstag, 25. November 2017

Besinnliche Weihnacht. Zeit, sich zu besinnen: Was war, was ist und was sein soll

Auch Jesus war ein Flüchtling

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Dieser Bub spielt unter Aufsicht seines Vaters im neuen „Garten auf Zeit“ – im Hintergrund sieht man Blumen, die er gerade gepflanzt hat. Die Aufnahme entstand im August 2013 in Ladenburg. Ab Mitte Januar 2014 wird die Familie aus der Alten Martinsschule ausgezogen sein und in Container in Schweztingen umgesetzt.

 

Rhein-Neckar, 24. Dezember 2013. (red/Rose) Rund 700 neu eingetroffene Asylsuchende hat der Rhein-Neckar-Kreis dieses Jahr aufnehmen müssen – auch die kreisfreien Städte in unserer Region werden hunderte Menschen aufnehmen. Und es werden mehr werden, denn in Syrien tobt ein grausamer Bürgerkrieg, die Menschen fliehen aus Afghanistan, aus dem Irak, aus dem Sudan. Hinter den Zahlen stehen Schicksale. Menschen. Und die brauchen Hilfe.

Von Rose Beyer

So umstritten die Institution Kirche in der Öffentlichkeit manchmal auch sein mag, dass Menschen Zuflucht vor Krieg und Verfolgung finden, ist nicht zuletzt den Kirchenvertreter zu verdanken. Sie handeln in langer Tradition: Auch Jesus war Flüchtling.

Vertreibung und Flucht gab es schon immer

Vielleicht mag es vermessen klingen, die heutigen Asylbewerber mit niemand geringerem wie Jesus Christus zu vergleichen. Zum heutigen Tag – dem Heiligen Abend und damit dem Geburtstag von Jesus – passt es aber in meinen Augen.

Jesus war ein Mensch ohne Heimat. Er wurde in einem stinkenden Stall geboren – und nicht in einer deutschen Pfefferkuchen-Idylle, auf einem Christkindlmarkt oder einem mit Elektrowaren oder Plastikspielzeug vollgestopften Schaufenster.

Für arme Leute, die kein „Bestechungsgeld“ bezahlen konnten, gab es damals keine Unterkunft. Jesus und seinen Eltern gelang die Flucht, als sie erfuren, dass Herodes ihren neugeborenen Sohn töten wollte. Von da an war Jesus ein politisches Flüchtlingskind, ein “Asylant”. Wie Maria und Josef die Familie durchbrachten, ist nicht bekannt. Vielleicht als schlecht bezahlte, illegale Tellerwäscher oder schwarzarbeitende Putzhilfe – irgendwie schafften sie es, zu überleben und ihren Sohn im Glauben zu erziehen. Und vielleicht war nicht alles legal, was sie getan haben.

Gejagt, gefasst, zu Tode gefoltert

Von seiner Rückkehr nach Jerusalem an war Jesus ständig auf Achse. Doch sein ständiger Ortswechsel und seine Reden zu den Menschen machten ihn bei den Oberen alles andere als beliebt. Der Rest der Geschichte ist bekannt: er wurde gejagt, gefasst, gefoltert, zum Tode verurteilt und öffentlich hingerichtet.

Zum Glück haben sich die Zeiten bei uns geändert. Doch Krieg und Vertreibung gibt es immer irgendwo auf der Welt. Die Älteren werden sich noch daran erinnern können, an die Zeiten, als am eigenen Mittagstisch oder an dem des Nachbarn Flüchtlinge saßen, als der Zweite Weltkrieg keine andere Möglichkeit ließ oder man selbst zum Flüchtling geworden war.

Asyl muss auch heute gewährt werden: Wäre bei uns Krieg – wir würden alles dafür tun, uns und unsere Kinder zu retten. Hier vor Ort kümmern sich Soziale Dienste, Flüchtlingsvereine und Kirchenvertreter um die Aufnahme dieser Menschen in Not. Und manchen fällt nichts besseres ein, diese Menschen zu kriminaliseren oder sich um den Wert ihrer Häuser Gedanken zu machen. Erbarmen und Erbärmlichkeit haben die selbe Wurzel.

Einige der Asylsuchenden wünschen sich, im sicheren Deutschland bleiben zu können. Viele wollen lieber in eine Heimat zurückkehren, in der kein Krieg mehr herrscht und ein sicheres Leben möglich ist. Vielleicht denkt gerade heute, beim Heimweg von der Mette, der eine oder andere an die Geschichte von Vertreibung und Asyl dieses Jesus, der später ein Christus geworden ist.

Weihnachten ist nicht nur das Fest der Geschenke, sondern der Tag, sich zu erinnern, an einen Menschen, der sein Leben auf der Flucht vor Folter und Tod verbrachte. Bis ihn jemand verraten hat und er hingerichtet worden ist.

Auch Jesus war ein Flüchtling. Einer, der die Verfolgung nicht überlebt hat.

Anm. d. Red.: Rose Beyer ist Autorin unseres Partnerblogs TegernseerStimme.de. Lesen Sie auch den offenen Brief an Journalistenkollegen des Spiegel-Reporters Christoph Reuter zur Situation in Syrien auf dem Rheinneckarblog.de.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.