Mittwoch, 27. Juni 2018

Interessante Details zu den Europawahlen - teils deutliche Unterschiede

Europawahl: Unsere Gemeinden im Vergleich

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Heidelberg/Mannheim/Rhein-Neckar, 26. M├Ąrz 2014. (red/pro) Aktualisiert. Bei der Europawahl lassen sich klare Aussagen treffen: SPD und AfD sind die Gewinner. Die FDP hat teils dramatische Verluste erlitten. Schaut man sich die Ergebnisse in den Gemeinden des Landtagswahlkreises Weinheim und im Rhein-Neckar-Kreis genauer an, gibt es interessante Details – beispielsweise ist die Wahlbeteiligung dieser Gemeinden besser als im Kreis insgesamt und die SPD gewinnt sogar ├╝ber den kreisweiten Vergleich. Wir haben f├╝r Sie die Zahlen mit teils ├╝berraschenden Zusammenh├Ąngen zusammengestellt.

Anm. d. Red.: Wir hatten zun├Ąchst f├╝r kurze Zeit eine Fassung ver├Âffentlicht, bei der die Zahlen f├╝r Heidelberg nicht korrekt waren, wie wir selbst festgestellt haben. Daher mussten auch textliche Anpassungen vorgenommen werden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Von Hardy Prothmann

Wer sich gerne mit Zahlen befasst, kann sich viel Zeit f├╝r das Ergebnis der Europawahl nehmen. Datenbasis sind die beh├Ârdlichen Zahlen┬áStand heute, 19:00 Uhr.

 

Wahlergebnisse Gemeinden

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Gewinner SPD

Klarer Sieger┬áder etablierten Parteien ist die SPD. In fast allen Gemeinden, zu denen wir berichten, gewinnt sie, oft ├╝ber dem Bundestrend von plus f├╝nf Prozentpunkten – nur in Viernheim verlieren die Genossen. Dabei liegt die SPD fast ├╝berall im Bundesdurchschnitt von f├╝nf Prozentpunkten Zugewinn┬áoder sogar deutlich dar├╝ber – nur Mannheim bleibt┬ádeutlich dahinter zur├╝ck. Insbesondere in Hemsbach holt sie mit 8,66 Prozentpunkten mehr den insgesamt h├Âchsten Stand von 30,95 Prozent. Auch in Hirschberg (6,09 Prozentpunkte) ┬áund Schwetzingen (7,10 Prozentpunkte) legt sie am deutlichsten┬ázu. Am schlechtesten schneidet sie in Heidelberg ab: 17,26 Prozent sind „ern├╝chternd“. Insgesamt liegt sie um 28 Prozent, mehrfach kann sie sogar die 30 Prozent ├╝berspringen. Die SPD scheint sich bei Gr├╝nen und CDU Stimmen┬ágeholt zu haben – in Mannheim aber nur von den Gr├╝nen.

Wahlsieger ist der Verlierer CDU

Die CDU verliert┬áin Heidelberg 1,2┬áProzentpunkte – sonst verlieren die Christdemokraten fast durch die Bank mehr. Am meisten in Laudenbach, wo sie 4,63 Prozentpunkte abgeben m├╝ssen, aber trotzdem mit 39,05 das beste Ergebnis holen. Im Wahlkreis Weinheim verlieren sie in Schriesheim mit minus┬á0,67 Prozentpunkte am glimpflichsten, sonst betr├Ągt das Minus zwischen rund 2,5┬áProzentpunkte, in Mannheim sogar 3 Prozentpunkte. In Heidelberg bleibt sie knapp st├Ąrkste Partei, wenngleich auf niedrigem Niveau – in Mannheim hingegen muss sie den Platz an die SPD abgeben. Die Law-and-Order-Kampagne hat der CDU in Mannheim nichts genutzt, die Partei verliert hier klar ├╝berdurchschnittlich. Trotz massiver St├╝tzung durch den Mannheimer Morgen muss die Partei den┬áVerlust hinnehmen.

Gewinner AfD

Die AfD ist ├╝berall durchgestartet und gewinnt┬áaus dem Stand durchschnittlich rund┬á9 Prozent ┬á– zwei Prozentpunkte mehr als bundesweit. Nur in Heidelberg schneidet sie schlechter ab: 6,80┬áProzent. Am besten steht sie in Ilvesheim mit 10,64 Prozent da. So wie es aussieht, hat die AfD in Nordbaden eine feste Basis. Nach den Zahlen hat sie vor allem bei der FDP gewildert zu haben und in gro├čen Teilen bei der CDU. In Mannheim f├Ąhrt die AfD mit 9,7 Prozent eines der besten Ergebnisse ein. Rechtsextreme Parteien wie die NPD bleiben schwach und W├Ąhlerwanderungen sind definitiv nicht ausschlaggebend f├╝r das Ergebnis der AfD. Auch von Die Linke und Gr├╝nen kommen keine Stimmen, ebensowenig gelingt es, Neu- oder Protestw├Ąhler umfangreich zu motivieren – die AfD holt sich in Nordbaden ihre W├Ąhler/innen direkt bei CDU und FDP, also aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft.

Klarer Verlierer FDP

Klarer Verlierer ist die FDP mit im Schnitt 8,5 bis fast 10 Prozentpunkten┬áVerlust. In Schriesheim verliert sie dramatische┬á10,32 Prozentpunkte. Angesichts der deutlichen Zahlen scheint es klar zu sein, dass┬ádie FDP zusammen mit der CDU an die AfD verloren hat. Zwar braucht es keine f├╝nf Prozent mehr – doch nur in vier Gemeinden kommt die Partei ├╝berhaupt ├╝ber diese Grenze. Am besten steht sie noch in Hirschberg da: 6,15 Prozent.

Verlierer B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen

Die Gr├╝nen haben keinen Grund zur Freude. Im Landtagswahlkreis Weinheim holen sie nur in┬áLaudenbach magere 1,2 Prozentpunkte mehr, sonst geht es zwischen zwei und drei Prozentpunkten Verlust bergab. Auch in Heidelberg verlieren die Gr├╝nen 4,7 Prozentpunkte. Obwohl man auch in Dossenheim ganze 3,43 Prozentpunkte verliert, bleibt Dossenheim mit 19,85 Prozent die st├Ąrkste Gemeinde. In Hemsbach m├╝ssen sie die gr├Â├čte Niederlage hinnehmen – minus 4,63 Prozentpunkte und damit nur noch einstellige 9,76 Prozent. Das ist noch schlechter als Viernheim, wo die Gr├╝nen leicht auf 9,9 Prozent zulegen. In Mannheim verlieren die Gr├╝nen zwei Prozentpunkte – trotz eines engagierten Wahlkampfs. Den Gr├╝nen gelingt es nicht, Europakompetenz zu vermitteln.

Stabile Linke auf niedrigem Niveau

Die Linke h├Ąlt┬ásich zwischen drei und vier Prozent stabil. Beste Gemeinden sind┬áDossenheim mit 4,15 Prozent und Mannheim mit 5,90┬áProzent. Bis auf Laudenbach (-0,50 Prozentpunkte) legt man ├╝berall leicht zu. In Heidelberg gewinnt man 1,9┬áProzent – Rekord bei unserer Betrachtung.

Wahlbeteiligung – Dossenheim mit stolzen 66,08 Prozent – Mannheim mit entt├Ąuschenden 44,1 Prozent

Nur Heddesheim und Hemsbach bleiben unter der Kreis-Wahlbeteiligung von 53,93 Prozent und den im Landtagswahlkreis deutlicheren 57,41 Prozent. Sonst liegen die Gemeinden im Wahlkreis Weinheim deutlich dr├╝ber – f├╝hrend ist Dossenheim mit stolzen 66,08 Prozent, gefolgt von Hirschberg (63,23 Prozent) und Ladenburg (61,38 Prozent). Unsere Orte sind offensichtlich politisch insgesamt doch sehr politisch interessiert und motiviert. Dramatisch sieht es in Mannheim aus: nur 44,1┬áProzent. Das ist zwar eine Steigerung von rund┬ádrei┬áProzentpunkten gegen├╝ber 2009, doch┬ákann Mannheim mit einem so schwachen Wert den Versuch, sich zur „Europ├Ąischen Kulturhauptstadt“ zu machen, fluchs begraben. Bei so wenig Zustimmung┬áder W├Ąhler/innen┬ábei┬áeiner Europawahl ist das tats├Ąchlich mehr als peinlich – insbesondere vor dem Hintergrund einer bundesweit gestiegenen Wahlbeteiligung und mit starken Wahlbteiligungen um Mannheim herum. Auch Viernheim scheint es mit Europa nicht so zu haben (37,8 Prozent).

Wahlkreis Weinheim im Vergleich zum Rhein-Neckar-Kreis

Auch hier ist die SPD klarer Sieger. Sowie die AfD, die im Schnitt auf 9,11 Prozent kommt (Kreis 8,75 Prozent). Die CDU liegt gut zwei Prozentpunkte hinter dem Kreis zur├╝ck und verliert auch fast doppelt so hoch. Die Gr├╝nen verlieren deutlich ├╝ber dem Kreisschnitt, bleiben aber prozentual fast 1,5 Prozentpunkte besser. Obwohl die FDP der gr├Â├čte Verlierer ist, h├Ąlt sich die Partei ein wenig besser als im Kreis. Die Linke ist leicht schlechter als im Vergleich zum Kreis. Die Wahlbeteiligung ist deutlich besser.

Stadt-Land-Vergleich

In den St├Ądten haben die Menschen deutlich weniger an der Europawahl teilgenommen, insbesondere in Mannheim, Schwetzingen und Viernheim. Aber auch die gro├če Kreisstadt Weinheim bildet das Schlusslicht unter den Kreisgemeinden und bleibt sowohl hinter dem Kreisschnitt als auch im Vergleich zu den anderen Gemeinden im Wahlkreis Weinheim mit 50,05 Prozent weit zur├╝ck. Und auch hier ist die AfD stark – das Bild ist zwar nicht einheitlich, aber tendenziell ist die AfD in den St├Ądten scheinbar st├Ąrker bis auf den Ausrei├čer Heidelberg mit dem schw├Ąchsten Ergebnis. Hier profitieren alle von einer starken Wahlbeteiligung – insbesondere SPD und die Linke, die offenbar nicht nur bei den Gr├╝nen, sondern auch bei der FDP Stimmen holen konnten. Die AfD kann sich nur bei der FDP Stimmen holen. Heidelberg ist damit entweder ganz anders als andere St├Ądte oder zeigt einen Trend vor, den man bundesweit beobachten kann: Die etablierten Parteien verlieren zunehmend.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.