Montag, 20. November 2017

Wichtiger Schritt in Richtung Gemeinschaftsschule

Schillerschule erhält Genehmigung als Ganztagsschule

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Hemsbach/Laudenbach/Sulzbach, 28. Mai 2014. (red/pm) Ein weiterer großer Schritt in Richtung Gemeinschaftsschule ist geschafft: Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg hat jetzt dem Ganztagesbetrieb der Friedrich-Schiller-Werkrealschule zugestimmt.

Information der Stadt Hemsbach

„Wir gelten damit als anerkannte Ganztagsschule. Das ist ein ganz wichtiges Signal nach außen und motiviert uns, unseren Weg konsequent weiterzugehen“, freut sich Schulleiterin Christin Hoffmann.

Der Ganztagesbetrieb an der Schillerschule läuft bereits seit diesem Schuljahr, und zwar in offener Form. Das bedeutet, ein Besuch des sogenannten Mittagsbandes ist freiwillig. „Wir wollten zunächst einmal testen, wie das Angebot angenommen wird“, erklärt Hoffmann. Die Resonanz war positiv: Das Nachmittagsangebot wird von sämtlichen Fünftklässlern genutzt. Mit der Genehmigung als Ganztagsschule kann die Schillerschule im kommenden Schuljahr 2015/16 das Angebot nun auch für die sechsten Klassen bereitstellen.

Das setzt auch eine neue Rhythmisierung voraus. Seit diesem Schuljahr gibt es an der Schillerschule vormittags zwei große bewegte Pausen mit der Möglichkeit, viele verschiedene Spiel- und Sportgeräte aus der schuleigenen „Spielekiste“, die von den Zehntklässlern verwaltet wird, zu nutzen. Die einstündige Mittagspause inklusive warmem Mittagessen erstreckt sich von 13:00 bis 14:00 Uhr, das Nachmittagsband reicht von 14:00 bis 15:30 Uhr und ist montags und dienstags Pflicht; mittwochs und donnerstags wird es als offenes Angebot gestaltet.

Kontaktaufnahme erwünscht!

Unverzichtbarer Baustein ist hier die Kooperation mit außerschulischen Partnern, wie beispielsweise Vereinen. „Wir möchten das Angebot so vielfältig wie möglich gestalten und würden uns freuen, wenn Vereine aus Hemsbach und Laudenbach mit uns Kontakt aufnehmen“, wünscht sich Christin Hoffmann viele weitere Kooperationen in den Bereichen Sport, Kultur und Kunst – oder anderen.

Ideen sind gefragt. Zu den bereits fest „installierten“ Angeboten gehört beispielsweise ein „Schulgarten“, den Hilde Dugimont mit initiiert hat. Auch ein von einer pädagogischen Assistentin betreutes Förderangebot für Schüler mit Lese-Rechtschreib-Schwäche und eine Musik-AG stehen zur Verfügung. Mit der Anerkennung als Ganztagsschule erhält die Schillerschule übrigens auch vier Lehrerstunden mehr – „ein Plus, mit dem man gut arbeiten kann, um das Nachmittagsangebot auszuweiten“, freut sich die Schulleiterin.

Darüber hinaus hat sich die Schillerschule für das Jugendbegleiter-Programm beworben: Sollte hier eine positive Entscheidung fallen, bekäme die Schule ein zusätzliches Budget, aus dem ein Obolus für Jugendliche aus Vereinen entrichtet werden könnte, die sich nachmittags mit den Schulkindern beschäftigen.

„Raum der Stille“

Viele weitere Elemente der Gemeinschaftsschule hat die Schillerschule ebenfalls bereits umgesetzt, so das individuelle Lerncoaching oder die sogenannte „Auszeit“ für Schüler: In Einzelgesprächen mit der pädagogischen Assistentin wird hier versucht, Verhaltensprobleme von Schülern gemeinsam anzugehen und zu überwinden. Ebenfalls zum Konzept der Gemeinschaftsschule gehört das sogenannte Lernatelier – in der Schillerschule heißt es „Raum der Stille“.

Dort können Schüler an einem festen, selbst eingerichteten Arbeitsplatz für sich in aller Ruhe zu individuellen Lernzeiten ihre Lernpakete bearbeiten, und das in „Flüstertonatmosphäre“. Auch dieses Angebot werde sehr gut angenommen, berichtet Hoffmann: „Die Schüler suchen von sich aus Ruhe und halten sich uneingeschränkt an die Regeln.“ Im nächsten Schuljahr wird auch ein neu gestalteter Aufenthaltsraum mit Leseecke, Möglichkeit zum Plauschen oder Spielen zur Verfügung stehen.

All dies zusammengenommen macht die Schillerschule zu einer Schule als Lebensraum, in welchem auf die Bedürfnisse eines jeden Schülers eingegangen wird – Schule als reine Lehranstalt kann heute nicht mehr funktionieren: „Die Ansprüche haben sich gewandelt, die Kinder haben sich verändert. Es gibt heute ganz andere Förderbedarfe als früher, und nach meiner Erfahrung rufen die Eltern förmlich nach einer neuen, modernen Pädagogik.

Schulform der Zukunft

Das System, wie wir es heute kennen, ist nicht mehr zeitgemäß“, sieht Hoffmann in der Gemeinschaftsschule die Schulform der Zukunft. Gemeinschaftsschule bedeute einen „Bildungsmehrwert für die individuelle Entwicklung eines jeden Kindes und Jugendlichen“ und fördere ebenso soziale Kompetenzen – jene heute so wichtigen Soft Skills. Zwar brauche der Wandlungsprozess Zeit, „aber wir werden durch unser Konzept und unsere Arbeit überzeugen.“

Die Schulleiterin ist zuversichtlich, dass die Schillerschule zum Schuljahr 2015/16 als Gemeinschaftsschule an den Start gehen kann. Ein entsprechender Antrag, der bis zum 1. Juni 2014 vorliegen muss, ist bereits gestellt. Einer endgültigen Entscheidung geht dann zunächst noch eine Visitation durch Vertreter des Schulamts und des Regierungspräsidiums voraus. „Bisher sind die Signale vielversprechend. Wir sind von dieser Schulform überzeugt und gehen den Weg dahin klar und engagiert.“

Und das offensichtlich mit positiver Außenwirkung: Die Anmeldezahlen für die Schillerschule zum kommenden Schuljahr verzeichnen mit insgesamt 19 „Neulingen“ zwei mehr als dieses Jahr. Vor dem Hintergrund abnehmender Schülerzahlen insgesamt und dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung eine beeindruckende Resonanz. Auch kommen inzwischen Anfragen aus Orten außerhalb des Schulverbands Nördliche Badische Bergstraße, sogar aus dem hessischen Birkenau.

Erstellung eines Raumkonzepts

Auch in baulicher Hinsicht hat sich der Schulverband Nördliche Badische Bergstraße auf den Weg gemacht, denn bekanntlich soll die Gemeinschaftsschule auf dem Gelände des Bildungszentrums untergebracht werden. Derzeit wird ein Raumkonzept erstellt.

Wer sich über den Schulentwicklungsprozess und das Ganztagesangebot der Schillerschule informieren möchte, kann gerne über das Sekretariat, Tel. 06201/71414, einen Termin vereinbaren. Auch auf der schuleigenen Website www.schillerschule-hemsbach.de sind die wichtigsten Informationen eingestellt.

Übrigens: Am 18. Oktober feiert die Schillerschule ihren 50. Geburtstag. Am Motto wird noch gebastelt, doch eines steht schon fest: Es wird auf jeden Fall etwas zu tun haben mit „Jetzt geht’s richtig los!“

Über Alina Eisenhardt

Alina Eisenhardt (23) ist seit 2012 freie Mitarbeiterin bei uns, macht Redaktion, schreibt Texte und ist für "Unsere Metropolregion - Newsletter" verantwortlich. Sie studiert Psychologie.