Samstag, 25. November 2017

Mediennutzung und Medienkompetenz bei Jugendlichen

Internet ist Leitmedium bei Jugendlichen

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Stuttgart/Rhein-Neckar, 20. Juni 2014. (red/ld) Kommunikations- und Unterhaltungsmedium, Informationsquelle oder Statussymbol: Das Internet ist f├╝r Jugendliche das Medium Nummer eins und liegt damit noch vor dem Fernsehen und dem Radio. Weniger nutzen dagegen Printmedien wie Zeitung oder B├╝cher. Das ist das Ergebnis einer Studie des medienp├Ądagogischen Forschungsverbunds S├╝dwest.

Das Internet ist bei Jugendlichen die Informationsquelle Nummer eins. Direkt vor ├Âffentlich-rechtlichen Fernsehsendern und den Eltern.

Das Internet ist bei Jugendlichen die Informationsquelle Nummer eins. Direkt vor ├Âffentlich-rechtlichen Fernsehsendern und den Eltern.

Von Lydia Dartsch

Wie nutzen Jugendliche Medien? Welches am meisten und mit wem sprechen sie dar├╝ber? Und wie kompetent sch├Ątzen sie sich im Umgang mit Medien ein? Fragen wie diesen ging der medienp├Ądagogische Forschungsverbund S├╝dwest in einer aktuellen Studie ├╝ber die Mediennutzung und die Medienkompetenz bei Jugendlichen nach.

Darin wurden zwischen August und September vergangenen Jahres 2001 deutschsprachige Personen mit Internetzgang im Alter zwischen 14 und 29 Jahren nach deren Mediennutzung in einer standartisierten Online-Erhebung befragt. Bei den Ergebnissen wurde sowohl zwischen m├Ąnnlichen und weiblichen Studienteilnehmer unterschieden, wie auch zwischen deren Bildungsstand und den jeweilgen sozialen und kulturellen Milieus, in denen sie sich bewegen.

81 Prozent gehen t├Ąglich online

Auch f├╝r die Schule nutzen Jugendliche das Internet, beispielsweise mit der Lernplattform "Moodle".

Auch f├╝r die Schule nutzen Jugendliche das Internet, beispielsweise mit der Lernplattform „Moodle„.

Auch wenn das Internet als das von den Jugendlichen meistgenutzte Medium f├╝r Informationen und Unterhaltung ist: So etwas wie „die Jugendlichen“ gibt es nicht. Statt einer homogenen Bev├Âlkerungsgruppe, zeigten sich in der Studie erhebliche Unterschiede in der Nutzung der Medien, in der Selbsteinsch├Ątzung zur Kompetenz und in der Bewertung der Glaubw├╝rdigkeit von Medien: Je nach Geschlecht, Bildungsstand oder Soziokulturellem Hintergrund.

Fast alle Befragten nutzen das Internet an mehreren Tagen in der Woche. ├ťber vier F├╝nftel von ihnen sogar t├Ąglich. Nur vier Prozent nutzen es seltener. Deutlich weniger (62 Prozent) schauen t├Ąglich fern oder h├Âren Radio (38 Prozent). Tageszeitungen dagegen sind bei Jugendlichen allgemein „out“: Nur 9 Prozent der Befragten liest sie t├Ąglich. Insgesamt liegt deren Nutzung bei 65 Prozent. Deren┬áOnline-Angebote werden sogar noch seltener genutzt, n├Ąmlich von insgesamt 61 Prozent – 11 Prozent lesen sie t├Ąglich.

Internet: Informationsquelle Nummer Eins

Die Jugendlichen kennen sich aus mit dem Internet. Rund 80 Prozent beurteilten die eigenen F├Ąhigkeiten als „gut“. ├ťber 68 Prozent der Befragten werden zumindest gelegentlich von anderen um Rat oder nach Tipps zur Internetnutzung gefragt. Dabei nutzen Jungen und M├Ądchen das Internet sehr unterschiedlich: W├Ąhrend sich die meisten Jungs vor allem f├╝r Computerspiele, Computer, Autos, Sport oder das Thema „Internet“ interessieren, suchen M├Ądchen und junge Frauen vor allem an Sch├Ânheits-, Gesundheits-, Mode- und Familienthemen. An regionalen und ├╝berregionalen Nachrichten sind beide fast gleich stark interessiert – die Jungen und jungen M├Ąnner etwas st├Ąrker.

Das Internet wird dabei als das geeignetste Informationsquelle angesehen – ganz gleich, ob es um das politische Geschehen oder um pers├Ânliche Interessen geht. ├ľffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio dagegen sind bei den pers├Ânlichen Interessen weniger geeignet eingesch├Ątzt. Gemeinsam mit den Eltern geh├Âren diese drei Medienarten zu den Allroundern.

 

Die Studie untersuchte auch wie Jugendliche verschiedener Milieus die Medien nutzen.

Die Studie untersuchte auch wie Jugendliche verschiedener Milieus die Medien nutzen.

 

Allerdings unterscheiden sich die Jugendlichen durch ihren sozio-kulturellen Hintergrund untereinander stark in der Nutzung der verschiedenen Medien. W├Ąhrend traditionsbewusste, konservativ-b├╝rgerlich eingestellte Jugendliche vor allem den lokalen Tageszeitungen und ├Âffentlich-rechtlichen Medien die h├Âchste Glaubw├╝rdigkeit zuschreiben, misst die Gruppe der konsum- und markenorientierten „materialistischen Hedonisten“ besonders Nachrichtenseiten im Internet eine besonders hohe Glaubw├╝rdigkeit zu. Facebook und anderen sozialen Communities wird dagegen nur selten eine besonders hohe Glaubw├╝rdigkeit zugemessen.

Informationen f├╝r „Chancenlose“ uninteressant

Auff├Ąllig an den Ergebnissen der Studie ist die Mediennutzung, der als „prek├Ąr“ eingestuften Jugendlichen. Diese Jugendlichen haben meist eine geringe Bildung, einen Hauptschulabschluss oder gehen noch zur Schule. 21 Prozent von ihnen haben Abitur oder Fachabitur. Ein Viertel hat eine mittlere Reife. Abgesehen vom Bildungsniveau zeichnen sich diese Jugendlichen vor allem durch ein unsicheres Lebensgef├╝hl aus. Sie haben bereits fr├╝h erste Br├╝che erlebt – beispielsweise in der Familie, die ihnen zudem sehr wichtig ist und die sie besonders idealisieren. Sie w├╝nschen sich dazuzugeh├Âren und wollen „auch mal etwas richtig gut schaffen“, wie es in der Studie hei├čt. Ihre Lebensumwelt nehmen diese Jugendlichen vor allem als unfair wahr. Ihre eigene Leistung werde sich nicht auszahlen, denken sie. Dementsprechend sch├Ątzen sie ihre gesellschaftlichen Aufstiegschancen als sehr gering ein.

Zwar nutzt auch diese Gruppe der Jugendlichen mit 80 Prozent das Internet am h├Ąufigsten. Im Vergleich zu den anderen untersuchten Gruppen nutzen sie Tageszeitungen, Zeitschriften und deren Angebote im Internet auff├Ąllig selten. Die dort angebotenen Informationen w├╝rden schlichtweg als „uninteressant“ eingestuft, hei├čt es als Begr├╝ndung in der Studie. Diese Gruppe Jugendliche gab in der Studie am seltensten an, sich ├╝ber das tagespolitische Geschehen gut informiert zu f├╝hlen. Die starke Mediennutzung des Internets und des Fernsehens lasse dagegen darauf schlie├čen, dass sich diese Jugendlichen vor allem nach Unterhaltung als nach Informationen suchen. Dabei nutzen nur 65 Prozent von ihnen das Internet t├Ąglich. Entsprechend gering ist auch ihre Medienkompetenz auf diesem Gebiet. Sicherheitsvorkehrungen nutzen die wenigsten von ihnen. Dieser Wert ist bei den anderen Milieus deutlich h├Âher.

Mitarbeit: Chiara Dell’Anna

├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.