Donnerstag, 21. September 2017

Vierk├Âpfige Familie in Ladenburg zahlt 17,22 Euro - in Schriesheim 39,65 Euro im Monat

Teils drastische Preisunterschiede beim Wasser in der Region

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Rhein-Neckar, 18. Oktober 2014. (red/ld) Wer in Ladenburg lebt, kann sich am Ende des Jahres ├╝ber die Rechnung f├╝r den Wasserverbrauch freuen. Denn dort┬áist Trinkwasser am billigsten. Wer in Schriesheim wohnt, bezahlt dagegen mehr als doppelt so viel, wenn er die gleiche Menge Wasser verbraucht hat. Dabei beziehen beide St├Ądte ihr Trinkwasser gr├Â├čtenteils aus demselben Brunnen. Eigentlich sollte man erwarten, dass die Preise dann in beiden Kommunen doch etwa gleich sind – doch weit gefehlt.

 

Trinkwasser aus dem Hahn ist zwar viel g├╝nstiger als Mineralwasser. Trotzdem gibt es krasse Unterschiede in der Region.

Trinkwasser aus dem Hahn ist zwar viel g├╝nstiger als Mineralwasser. Trotzdem gibt es krasse Unterschiede in der Region.

 

Von Lydia Dartsch

Eine Person in Baden-W├╝rttemberg verbraucht am Tag im Schnitt 115 Liter Leitungswasser hat das Landesamt f├╝r Statistik errechnet. Auf eine vierk├Âpfige Familie hochgerechnet macht das 460 Liter am Tag. Auf das Jahr gerechnet flie├čen so 168.015 Liter oder 168 Kubikmeter durch den Wasserhahn. Die Rechnung daf├╝r bezahlen die Verbraucher in monatlichen Abschl├Ągen.

Im Durchschnitt kommt eine Familie in der Region so auf eine Trinkwasserrechnung von 28,26 Euro pro Monat. In Hirschberg, Hemsbach, Laudenbach, Edingen-Neckarhausen und Heddesheim beispielsweise liegt man unter diesem Durchschnittspreis. Weinheim, Ilvesheim, Mannheim, Heidelberg und vor allem Schriesheim liegen hingegen preislich darüber.

Das Wasser flie├čt aus vielen Brunnen

Das Wasser, das in unserem Berichtsgebiet aus den Leitungen flie├čt, wird aus verschiedenen Brunnen gepumpt: Das Wasserwerk in Hemsbach zum Beispiel versorgt Hemsbach, Laudenbach und Weinheim mit seinen Stadtteilen bis ins Gorxheimer Tal. In Hirschberg und Heddesheim flie├čt das Wasser, das die Gruppenwasserversorgung Obere Bergstra├če aus ihrem Brunnen auf Ladenburger Gemarkung f├Ârdert und dem eigenen Brunnenwasser zumischt, denn das ist mit zu hohen Nitratwerten belastet.

Derweil versorgen das Wasserwerk K├Ąfertal und das Wasserwerk Mannheim-Rheinau die gesamte┬áQuadratestadt. Von der Rheinau werden dazu noch Br├╝hl, Ilvesheim und Viernheim mit Wasser beliefert, wie Dirk Pohlmann von der MVV Energie AG auf Anfrage mitteilt. In Heidelberg kommt das Wasser aus den Wasserwerken Schlierbach, Entensee und Rauschen sowie aus dem Wasserwerk Schwetzingen Hardt, das wiederum Schwetzingen, Oftersheim und Plankstadt versorgt.

 


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In Ladenburg und Schriesheim h├Ątte man ├Ąhnlich hohe Wassergeb├╝hren erwarten sollen: Beide Gemeinden beziehen ihr Wasser aus dem Wassergewinnungsverband Lobdengau: Gleicher Verband, gleiche Preise? Weit gefehlt. W├Ąhrend eine vierk├Âpfige Familie in Ladenburg mit einer Wasserrechnung von nur 17,22 Euro in Monat am wenigsten ausgibt, bezahlt eine Familie in Schriesheim 39,65 Euro im Monat – und hat damit die h├Âchste Wasserrechnung in unserem Berichtsgebiet. Die Schriesheimer Preise liegen sogar deutlich ├╝ber dem Landesdurchschnitt von 31,35 Euro f├╝r die angenommene Menge Wasser. Eine vierk├Âpfige Familie in Schriesheim zahlt pro Jahr 269,16 Euro mehr f├╝r`s Wasser im Vergleich mit einer Ladenburger Familie.

Die Wasserpreise legen die Kommunen selbst fest: Jedes Jahr verabschiedet der Gemeinderat eine Geb├╝hrenkalkulation f├╝r das kommende Jahr. Je nach Einnahmen und Ausgaben der Wasserversorgung ergibt sich ein neuer Wasserpreis oder es bleibt beim Alten. Der Wasserpreis ist dabei von vielen Faktoren abh├Ąngig.

 

abschlag wasser sauele

So hoch ist die monatliche Wasserrechnung bei einer vierk├Âpfigen Familie im Durchschnitt. Zum Vergr├Â├čern bitte auf die Grafik klicken.

 

„Einfach zu erkl├Ąren ist das nicht“, sagt der Ladenburger Stadtk├Ąmmerer Claus Hessenthaler auf Anfrage nach den Gr├╝nden f├╝r die niedrigen Wassergeb├╝hren. Ihn wunderten die hohen Geb├╝hren in Schriesheim nicht. In Ladenburg seien die Geb├╝hren aber schon immer sehr g├╝nstig gewesen, sagt er.

Ein Grund k├Ânnte die topografische Lage sein. Ladenburg liegt in der Ebene. Schriesheim dagegen am Hang. In Ladenburg lasse sich das Wasser relativ gut aus den Brunnen pumpen und k├Ânne ohne gro├čen Aufwand in die Haushalte verteilt werden, sagt Herr Hessenthaler. In Schriesheim dagegen m├╝sse das Wasser den Hang nach oben gepumpt werden. Daf├╝r ben├Âtige die Stadt Pumpwerke und Strom, das erzeugt zus├Ątzliche Kosten.

Komplizierte Wassergeb├╝hrenkalkulation

Wasserleitungen sind ein weiterer Kostenfaktor. Diese m├╝ssen regelm├Ą├čig gewartet und erneuert werden. „Die niedrigen Geb├╝hren liegen aber nicht daran, dass wir nicht an den Leitungen arbeiten w├╝rden“, sagt der Ladenburger K├Ąmmerer. Im Gegenteil: Beispielsweise werden┬ámit jeder Vergabe von Stra├čensanierungen auch die alten Rohre ausgetauscht, wie derzeit in der Nagelschmiedgasse oder in der Hauptstra├če im vergangenen Jahr. Vor allem in der Altstadt sei das n├Âtig, sagt Gregor V├Âlker vom Tiefbauamt der Stadt: „Manche Leitungen dort sind schon rund 100 Jahre alt.“

Doch w├Ąhrend man in Ladenburg einfach nur den Boden aufbaggern braucht, muss man im Fall von Schriesheim die Leitungen in Fels legen. Auch dies k├Ânnte zu den hohen Kosten beitragen, sagt Herr Hessenthaler. Zu den Bau- und Wartungskosten sind auf seiner Kalkulation f├╝r dieses Jahr noch Personalkosten, Strombezug, Materialaufwand und die Unterhaltung der Wassermesser aufgef├╝hrt. Weitere Ausgaben gibt es f├╝r EDV und Computer, Versicherungen, den Verwaltungskostenbeitrag an die Stadt und Konzessionsabgaben an die Stadt.

 

abschlag wasser

Diese Wassergeb├╝hren gelten in unserem Berichtsgebiet. Rechts der errechnete monatliche Brutto-Abschlag f├╝r eine vierk├Âpfige Familie.

 

Insgesamt entstehen in Ladenburg dieses Jahr Wasserkosten von 822.600 Euro,┬ávon denen Einnahmen von anderer Seite┬áin H├Âhe von 45.400 Euro abgezogen werden. Die verbleibenden┬á777.200 Euro werden auf die Wasserverbraucher umgelegt. Geteilt durch den gesch├Ątzten Jahresverbrauch von 673.300 Kubikmetern, kommt man so auf eine Verbrauchsgeb├╝hr von 1,15 Euro pro Kubikmeter beziehungsweise 1,23 Euro mit Mehrwertsteuer. Der Verbrauch wird dabei aus dem durchschnittlichen Verbrauch der vergangenen f├╝nf Jahre gesch├Ątzt.

Interessant bei dieser Rechnung: Wenn mehr Wasser verbraucht wird, sinken die Wassergeb├╝hren. Aber erst dann, wenn die Wasserwirtschaft einen Mindesthandelsgewinn von 18.000 Euro ├╝bersteigt: „Ab diesem Betrag muss der Gewinn versteuert werden. Wir geben das aber lieber an unsere B├╝rger weiter“, sagt der Ladenburger K├Ąmmerer. Die n├Ąchste Geb├╝hrenkalkulation wird in Ladenburg im Dezember vorgelegt. Aktuell hat Edingen-Neckarhausen den Trinkwasserpreis um fast zehn Prozent erh├Âht.

├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.