Donnerstag, 21. September 2017

Hemsbach treibt Breitbandausbau voran

Schnelles Internet für knapp 6 Millionen Euro

Print Friendly, PDF & Email

Hemsbach, 21. Oktober 2014. (red/ms) Für Kosten von knapp sechs Millionen Euro wird Hemsbach innerhalb der Stadt den Breitbandausbau vorantreiben – das beschloss der Gemeinderat nach einer hitzigen Diskussion mehrheitlich. Insbesondere Michaela Zimmer von der CDU hält das für falsch: In Ihren Augen ist die Investition überflüssig. Und Windows 98 sei als Betriebssystem noch zeitgemäß.

Von Minh Schredle

Für Gesamtkosten von etwa einer viertel Milliarde Euro plant der Rhein-Neckar-Kreis gerade ein Großprojekt: Den flächendeckenden Ausbau von Breitbandverbindungen in der Metropolregion. Die 54 Gemeinden und Kommunen des Kreises können dem Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar beitreten, der bis 2030 allen Anschlüssen im Rhein-Neckar-Kreis Zugang zu Glasfaserkabeln ermöglichen will – dem derzeit schnellsten und modernsten Medium überhaupt.

 

Ein abgemanteltes Kabel mit vier Glasfasern. Foto: Kabel Deutschland

Ein abgemanteltes Kabel mit vier Fasern. Unter Idealbedingungen lassen sich damit Übertragungsraten von mehreren Terrabit pro Sekunde erreichen. Foto: Kabel Deutschland

 

Der Eintritt in den Zweckverband kostet pro Einwohner einen Euro. Für Hemsbach sind das also knapp 12.000 Euro. Doch das ist nur ein Bruchteil der Gesamtkosten: Das Projekt wird zwar kräftig bezuschusst, trotzdem muss damit gerechnet werden, dass die Stadt etwa ein Drittel der Gesamtkosten als Eigenkapital aufbringen muss – und das entspricht nach den aktuellen Schätzungen knapp 6 Millionen Euro.

Teure Leitungen

Was das Projekt so teuer macht sind nicht die Glasfaserkabel an sich, sondern die nötigen Tiefbauarbeiten, um diese zu verlegen: Die Kabel verlaufen unter der Erde, daher müssen die Straßen aufgerissen und Leerrohre verlegt werden. Diese Arbeiten können mit ohnehin anstehenden Sanierungen verbunden werden, wodurch sich laut Verwaltung in Einzelfällen bis zu 80 Prozent der Kosten einsparen lassen können.

Die aktuelle Versorgungssituation in Hemsbach ist überdurchschnittlich gut. Lohnt es sich also eine Investition im Millionenbereich vorzunehmen, obwohl kein dringlicher Handlungsbedarf besteht? Michaela Zimmer von der CDU findet nicht. Sie sagt, dass „eher die Hölle zufrieren würde, als dass sie dem Beschluss zustimmen würde“ – sie bezeichnet sich selbst allerdings auch als „technologiefeindlich“ und benutzt nach eigener Aussage noch Windows 98.

Seit der Geburtsstunde des Internets ist der Bedarf an schnellem Datenverkehr kontinuierlich gestiegen – und ein Ende ist nicht abzusehen: Der durchschnittliche Bedarf von Unternehmen wird derzeit auf etwa 54 Mbit/sec geschätzt. Allerdings soll sich dieser Bedarf bereits bis 2018 auf 169 MBit/sec erhöhen.

Rasanter Fortschritt

Was heute also gut ist, kann morgen nur noch Mittelmaß sein. Übermorgen ist es veraltet und nicht mehr konkurrenzfähig. Für viele Unternehmen ist die Internetversorgung als Standortfaktor mittlerweile ebenso bedeutsam wie gute Straßen oder Gewerbeflächen. Auch auf junge Familien wirkt eine mangelhalfte Internetanbindung abschreckend. Insofern muss irgendwann ein Ausbau erfolgen, um als Gemeinde weiterhin attraktiv und konkurrenzfähig zu bleiben – zumal fast der gesamte Rhein-Neckar-Kreis ebenfalls ausbaut.

Nach einer angeregten Diskussion stimmte der Gemeinderat mehrheitlich für den Beitritt – bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Der Ausbau soll bis 2030 abgeschlossen werden. In den kommenden zehn Jahren wird man sich vornehmlich um die Gewerbegebiete kümmern, da die Wohngebiete als „gut versorgt“ beurteilt werden.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.