Sonntag, 08. April 2018

Landkreis stellt 10.000 Euro fĂŒr Pflegemaßnahmen zur VerfĂŒgung

Alteberg und Geiersberg: Seltene Flora und Fauna

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Hemsbach, 05. Dezember 2014. (red/pm) Am Hemsbacher Alteberg wachsen sehr seltene Pflanzen, die zum Teil vom Aussterben bedroht sind. Der Rhein-Neckar-Kreis stellt Fördermittel zum Schutz seltenster Pflanzen- und Tierarten zur VerfĂŒgung.

Information der Stadt Hemsbach:

Bocks-Riemenzunge, ElsĂ€sser und Bitterkraut- Sommerwurz, Ohrentrost: Das sind keine Waldgeister, sondern extrem seltene Pflanzen, die hoch oben auf der Roten Liste gefĂ€hrdeter Pflanzenarten stehen. Anzutreffen sind diese – wie viele andere bedrohte Arten – am Hemsbacher Alteberg. FĂŒr die Pflanzenfamilie der Sommerwurz-Arten stellt der Alteberg sogar bundesweit einen so genannten „Hot Spot“ dar, denn sage und schreibe zehn dieser 18 in Mitteleuropa ĂŒberhaupt vorkommenden ausgesprochen seltenen Pflanzen wachsen dort. Zwei dieser Arten kommen in ganz Baden-WĂŒrttemberg sogar fast ausschließlich in diesem Bereich des Hemsbacher Vorgebirges vor.

Schutz des Artenreichtums

Gute GrĂŒnde also fĂŒr die Untere Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises, Fördermittel in Höhe von rund 10.000 Euro fĂŒr Pflegemaßnahmen in diesem Bereich mit „ungewöhnlich hohem ökologischem Potenzial“ bereitzustellen – ein weiterer Baustein in der Erfolgsgeschichte der ISEK-Projektgruppe „Landschaft & Vorgebirge“. ISEK steht fĂŒr das Integrierte StĂ€dtebauliche Entwicklungskonzept, das im vergangenen Jahr mit breiter BĂŒrgerbeteiligung erarbeitet wurde und unmittelbar danach mit verschiedenen Pilotmaßnahmen in seine Umsetzungsphase gestartet ist.

Eine dieser Pilotmaßnahmen ist die Wiederherstellung der offenen Kulturlandschaft und der damit verbundene Erhalt des Artenreichtums des Vorgebirges. Dies droht stellenweise wegen Nutzungsaufgabe zu verwildern, bis hin zur RĂŒckeroberung durch den Wald. Dass jedoch vielerorts in Hemsbach die berĂŒhmte „BlĂŒhende Bergstraße“ wieder zum Vorschein kommen wird, ist eben jener rĂŒhrigen Projektgruppe zu verdanken.

Im Bereich Alteberg haben sich Projektgruppe und Stadt Hemsbach erstmals einen grĂ¶ĂŸeren zusammenhĂ€ngenden Abschnitt vorgenommen, der zunehmend verbuscht, was nicht nur der AttraktivitĂ€t, sondern vor allem auch der Artenvielfalt abtrĂ€glich ist. In Abstimmung mit dem Landschaftserhaltungsverband (LEV) und der Unteren Naturschutzbehörde wurden Erstpflegemaßnahmen und ein anschließendes Beweidungskonzept ausgearbeitet.

Die Arbeiten sind in vollem Gange.

Die Arbeiten sind in vollem Gange. Foto: Stadt Hemsbach / Gerhard Röhner

Seltene Flora und Fauna

Eine beauftragte Fremdfirma hat inzwischen – nach Zustimmung der EigentĂŒmer – die maschinelle Erstpflege bereits abgeschlossen. Es wurde ein etwa 4.200 Quadratmeter großer Bereich freigerĂ€umt. Praktisch sieht dies so aus: Die GrundstĂŒcke werden vom Wildwuchs wie Brombeeren, Robinien, aber auch untypischen Gehölzen wie NadelbĂ€umen befreit; ObstbĂ€ume und andere wertvolle Gehölze wie beispielsweise Heckenrosen werden geschont. Im Anschluss wird das Gebiet vom Ober-Laudenbacher WanderschĂ€fer beweidet.

Konkret werden die Mittel fĂŒr die Entwicklung von Magerrasen und die Sicherung des Vorkommens einer außergewöhnlich hohen Zahl seltener bis seltenster Pflanzen- und Tierarten eingesetzt. Bei den Tierarten sind vor allem Wildbienen, Heuschrecken und Schmetterlinge im Fokus. Ihre große Artenvielfalt wirkt sich dann wiederum positiv auf die Vogel- und Fledermauspopulation aus. Die an diesen Bereich sĂŒdlich zum Talgrund hin angrenzende, etwa 3.000 Quadratmeter große FlĂ€che wird gleich mitgepflegt; die Kosten hierfĂŒr ĂŒbernimmt die Stadt Hemsbach.

Damit war es fĂŒr das ablaufende Jahr noch nicht genug: Auch im Bereich Geiersberg sollen nochmals Vierbeiner – ebenfalls in Absprache mit den GrundstĂŒckseigentĂŒmern – nach einer maschinellen Erstpflege auf einer etwa 900 Quadratmeter großen FlĂ€che – zum Einsatz kommen. Diese Maßnahme wird komplett zunĂ€chst fĂŒr zehn Jahre von der Unteren Naturschutzbehörde gefördert.

Purpur-Sommerwurz. Foto: Stadt Hemsbach / Gerhard Röhner

Purpur-Sommerwurz. Foto: Stadt Hemsbach / Gerhard Röhner

Besonderheit Trockenmauern

Eine Besonderheit hier sind die noch erhaltenen Trockenmauern, die im Zuge der Pflegemaßnahme freigestellt werden sollen. An Trockenmauern wachsen unter anderem seltene Mauerfarne. Zu diesen gehört beispielsweise der Milzfarn, der in Hemsbach nur in wenigen Exemplaren am Alteberg und im Naturschutzgebiet „Schafhof“ vorkommt. Daneben sind Trockenmauern bevorzugter Lebensraum von Zauneidechsen und Schlingnattern.

Beide Arten sind in den letzten Jahren im Schwinden begriffen, weil sich ihr Lebensraum verĂ€ndert hat – durch fortschreitenden Bewuchs und zunehmende Verschattung. Die Pflegemaßnahmen am Geiersberg haben ĂŒbrigens noch ein Gutes: Es entsteht ein etwa 9.000 Quadratmeter großer Bereich entlang des neuen „BlĂŒtenwegs“, der sich bald wieder sehen lassen kann – ein großer Schritt also sowohl fĂŒr das Hemsbacher ISEK als auch fĂŒr die im Integrierten LĂ€ndlichen Entwicklungskonzept (ILEK) definierten Entwicklungsziele fĂŒr eine „BlĂŒhende Badische Bergstraße“ zwischen Laudenbach und Dossenheim.

Im Rahmen des ISEK gibt es noch viel zu tun, nicht nur im Vorgebirge, sondern bei vielen weiteren Projekten. Alle BĂŒrger sind herzlich eingeladen, aktiv mitzuwirken. Informationen gibt es bei der ISEK-Koordinatorin Juliane Rösler, Tel. 06201/707-29, E-Mail: juliane.roesler@hemsbach.de, oder bei Thomas Wetzel vom Bauamt, Tel. 06201/707-67, E-Mail: thomas.wetzel@hemsbach.de, sowie auf der Homepage unter www.hemsbach.de.

FĂŒr alle Fragen rund um das ILEKProjekt steht ILEK-Manager Bernhard Ullrich zur VerfĂŒgung. Tel.: 06201/2595890, E-Mail: ILEK-bergstraße@bhmp.de, Internet: www.ilek-bergstrasse.de.