Freitag, 22. September 2017

Landkreis stellt 10.000 Euro f├╝r Pflegema├čnahmen zur Verf├╝gung

Alteberg und Geiersberg: Seltene Flora und Fauna

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Hemsbach, 05. Dezember 2014. (red/pm) Am Hemsbacher Alteberg wachsen sehr seltene Pflanzen, die zum Teil vom Aussterben bedroht sind. Der Rhein-Neckar-Kreis stellt┬áF├Ârdermittel┬ázum Schutz seltenster Pflanzen- und Tierarten┬ázur Verf├╝gung.

Information der Stadt Hemsbach:

Bocks-Riemenzunge, Els├Ąsser und Bitterkraut- Sommerwurz, Ohrentrost: Das sind keine Waldgeister, sondern extrem seltene Pflanzen, die hoch oben auf der Roten Liste gef├Ąhrdeter Pflanzenarten stehen. Anzutreffen sind diese ÔÇô wie viele andere bedrohte Arten ÔÇô am Hemsbacher Alteberg. F├╝r die Pflanzenfamilie der Sommerwurz-Arten stellt der Alteberg sogar bundesweit einen so genannten ÔÇ×Hot SpotÔÇť dar, denn sage und schreibe zehn dieser 18 in Mitteleuropa ├╝berhaupt vorkommenden ausgesprochen seltenen Pflanzen wachsen dort. Zwei dieser Arten kommen in ganz Baden-W├╝rttemberg sogar fast ausschlie├člich in diesem Bereich des Hemsbacher Vorgebirges vor.

Schutz des Artenreichtums

Gute Gr├╝nde also f├╝r die Untere Naturschutzbeh├Ârde des Rhein-Neckar-Kreises, F├Ârdermittel in H├Âhe von rund 10.000 Euro f├╝r Pflegema├čnahmen in diesem Bereich mit ÔÇ×ungew├Âhnlich hohem ├Âkologischem PotenzialÔÇť bereitzustellen ÔÇô ein weiterer Baustein in der Erfolgsgeschichte der ISEK-Projektgruppe ÔÇ×Landschaft & VorgebirgeÔÇť. ISEK steht f├╝r das Integrierte St├Ądtebauliche Entwicklungskonzept, das im vergangenen Jahr mit breiter B├╝rgerbeteiligung erarbeitet wurde und unmittelbar danach mit verschiedenen Pilotma├čnahmen in seine Umsetzungsphase gestartet ist.

Eine dieser Pilotma├čnahmen ist die Wiederherstellung der offenen Kulturlandschaft und der damit verbundene Erhalt des Artenreichtums des Vorgebirges. Dies droht stellenweise wegen Nutzungsaufgabe zu verwildern, bis hin zur R├╝ckeroberung durch den Wald. Dass jedoch vielerorts in Hemsbach die ber├╝hmte ÔÇ×Bl├╝hende Bergstra├čeÔÇť wieder zum Vorschein kommen wird, ist eben jener r├╝hrigen Projektgruppe zu verdanken.

Im Bereich Alteberg haben sich Projektgruppe und Stadt Hemsbach erstmals einen gr├Â├čeren zusammenh├Ąngenden Abschnitt vorgenommen, der zunehmend verbuscht, was nicht nur der Attraktivit├Ąt, sondern vor allem auch der Artenvielfalt abtr├Ąglich ist. In Abstimmung mit dem Landschaftserhaltungsverband (LEV) und der Unteren Naturschutzbeh├Ârde wurden Erstpflegema├čnahmen und ein anschlie├čendes Beweidungskonzept ausgearbeitet.

Die Arbeiten sind in vollem Gange.

Die Arbeiten sind in vollem Gange. Foto: Stadt Hemsbach / Gerhard R├Âhner

Seltene Flora und Fauna

Eine beauftragte Fremdfirma hat inzwischen ÔÇô nach Zustimmung der Eigent├╝mer ÔÇô die maschinelle Erstpflege bereits abgeschlossen. Es wurde ein etwa 4.200 Quadratmeter gro├čer Bereich freiger├Ąumt. Praktisch sieht dies so aus: Die Grundst├╝cke werden vom Wildwuchs wie Brombeeren, Robinien, aber auch untypischen Geh├Âlzen wie Nadelb├Ąumen befreit; Obstb├Ąume und andere wertvolle Geh├Âlze wie beispielsweise Heckenrosen werden geschont. Im Anschluss wird das Gebiet vom Ober-Laudenbacher Wandersch├Ąfer beweidet.

Konkret werden die Mittel f├╝r die Entwicklung von Magerrasen und die Sicherung des Vorkommens einer au├čergew├Âhnlich hohen Zahl seltener bis seltenster Pflanzen- und Tierarten eingesetzt. Bei den Tierarten sind vor allem Wildbienen, Heuschrecken und Schmetterlinge im Fokus. Ihre gro├če Artenvielfalt wirkt sich dann wiederum positiv auf die Vogel- und Fledermauspopulation aus. Die an diesen Bereich s├╝dlich zum Talgrund hin angrenzende, etwa 3.000 Quadratmeter gro├če Fl├Ąche wird gleich mitgepflegt; die Kosten hierf├╝r ├╝bernimmt die Stadt Hemsbach.

Damit war es f├╝r das ablaufende Jahr noch nicht genug: Auch im Bereich Geiersberg sollen nochmals Vierbeiner ÔÇô ebenfalls in Absprache mit den Grundst├╝ckseigent├╝mern ÔÇô nach einer maschinellen Erstpflege auf einer etwa 900 Quadratmeter gro├čen Fl├Ąche ÔÇô zum Einsatz kommen. Diese Ma├čnahme wird komplett zun├Ąchst f├╝r zehn Jahre von der Unteren Naturschutzbeh├Ârde gef├Ârdert.

Purpur-Sommerwurz. Foto: Stadt Hemsbach / Gerhard R├Âhner

Purpur-Sommerwurz. Foto: Stadt Hemsbach / Gerhard R├Âhner

Besonderheit Trockenmauern

Eine Besonderheit hier sind die noch erhaltenen Trockenmauern, die im Zuge der Pflegema├čnahme freigestellt werden sollen. An Trockenmauern wachsen unter anderem seltene Mauerfarne. Zu diesen geh├Ârt beispielsweise der Milzfarn, der in Hemsbach nur in wenigen Exemplaren am Alteberg und im Naturschutzgebiet ÔÇ×SchafhofÔÇť vorkommt. Daneben sind Trockenmauern bevorzugter Lebensraum von Zauneidechsen und Schlingnattern.

Beide Arten sind in den letzten Jahren im Schwinden begriffen, weil sich ihr Lebensraum ver├Ąndert hat ÔÇô durch fortschreitenden Bewuchs und zunehmende Verschattung. Die Pflegema├čnahmen am Geiersberg haben ├╝brigens noch ein Gutes: Es entsteht ein etwa 9.000 Quadratmeter gro├čer Bereich entlang des neuen ÔÇ×Bl├╝tenwegsÔÇť, der sich bald wieder sehen lassen kann ÔÇô ein gro├čer Schritt also sowohl f├╝r das Hemsbacher ISEK als auch f├╝r die im Integrierten L├Ąndlichen Entwicklungskonzept (ILEK) definierten Entwicklungsziele f├╝r eine ÔÇ×Bl├╝hende Badische Bergstra├čeÔÇť zwischen Laudenbach und Dossenheim.

Im Rahmen des ISEK gibt es noch viel zu tun, nicht nur im Vorgebirge, sondern bei vielen weiteren Projekten. Alle B├╝rger sind herzlich eingeladen, aktiv mitzuwirken. Informationen gibt es bei der ISEK-Koordinatorin Juliane R├Âsler, Tel. 06201/707-29, E-Mail: juliane.roesler@hemsbach.de, oder bei Thomas Wetzel vom Bauamt, Tel. 06201/707-67, E-Mail: thomas.wetzel@hemsbach.de, sowie auf der Homepage unter www.hemsbach.de.

F├╝r alle Fragen rund um das ILEKProjekt steht ILEK-Manager Bernhard Ullrich zur Verf├╝gung. Tel.: 06201/2595890, E-Mail: ILEK-bergstra├če@bhmp.de, Internet: www.ilek-bergstrasse.de.