Donnerstag, 23. November 2017

Viele Waffen, kaum Kontrollen: Drei Tote in Dossenheim, zwei in Eberbach, drei in Sinsheim und ein ├╝berfordertes Landratsamt

T├Âdliches Risiko – SWR-Film kritisiert zu lasche Waffenkontrollen

Mannheim/Stuttgart/Rhein-Neckar, 23, Juli 2013. (red) Der Amoklauf in Dossenheim, das Beziehungsdrama in Eberbach, drei Tote in Sinsheim ÔÇô alle Taten wurden mit legalen Schusswaffen ausge├╝bt. Insbesondere die Gr├╝nen kritisierten zu lasche Kontrollen, sind jetzt aber selbst am Ruder und die Kontrollen bleiben lasch. Der SWR-Autor Claus Hanischd├Ârfer zeigt eine ├╝berforderte Beh├Ârde, traumatisierte Opfer und stellt viele Fragen, auf die es wenn, dann oft nur unzureichende oder fassungslos machende Antworten gibt. Klar ist: Waffen sind nicht nur Sport-, sondern auch T├Âtungsger├Ąte. Bessere Kontrollen k├Ânnten mehr Schutz bieten – bis dahin bleibt ein t├Âdliches Risiko. Filmtipp heute Abend, 20:15 Uhr, SWR-Fernsehen. [Weiterlesen…]

Mit dem sch├Ânen Wetter beginnt die Motorrad-Saison - schwere Unf├Ąlle am Wochenende

Erst Hirn einschalten, dann Gas geben

Rhein-Neckar, 31. M├Ąrz 2014. (red). Ein Toter. Ein Schwerverletzter. Einer hatte Gl├╝ck. Mit Beginn der Motorradsaison gab es drei schwere Unf├Ąlle im Rhein-Neckar-Kreis. Die Polizei r├Ąt zur Vorsicht, denn in den allermeisten F├Ąllen sind die Motorradfahrer selbst schuld. Und wer st├╝rzt, muss viel Gl├╝ck haben, um nicht schwer oder sogar t├Âdlich verletzt zu werden. [Weiterlesen…]

Gr├╝ne rufen zur freiwilligen Abgabe von Waffen auf

Rhein-Neckar, 12. M├Ąrz 2014. (red/pm) Der Mord in Birkenau ist noch kein Jahr her. Gut ein Jahr ist der Doppelmord von Eberbach her. In Dossenheim gab es im vergangenen Sommer drei Tote bei einer Schie├čerei. Damit sich Bluttaten, wie auch der Amoklauf in Winnenden nicht wiederholen, rufen die Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Sckerl und Charlotte Schneidewind-Hartnagel (B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen) zur freiwilligen Abgabe von Waffen auf. [Weiterlesen…]

Gesuchter zuletzt in Hemsbach gesehen

13-j├Ąhriger Junge wird vermisst

Eberbach/Rhein-Neckar, 07. Juni 2013. (red/pol) Bereits seit dem 23. Mai wird der 13-j├Ąhriger Paul S.vermisst. Er ist von einer Jugendeinrichtung in der Berliner Stra├če abg├Ąngig. Nun bittet die Polizei die Bev├Âlkerung um Mitfahndung. [Weiterlesen…]

Durchbruch in Wittenberg

2.200 Menschen eingeschlossen

Rhein-Neckar, 07. Juni 2013. (red/pm) Heute um 01:00 Uhr morgens wurden insgesamt 22 Helfer des DLRG-Wasserrettungszug zum Katastropheneinsatz nach Wittenberg geschickt. Offensichtlich sind dort 2.200 Menschen nach einem Durchbruch eingeschlossen. [Weiterlesen…]

Doppelmord in Eberbach: „Das sind zwei Tote zuviel“

Rhein-Neckar/Eberbach, 08. Januar 2013. (red/pro) Der gr├╝ne Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl zeigt sich wie alle Menschen tief betroffen vom Doppelmord in Eberbach, bei dem ein Lehrer und Stadtrat sowie seine Ehefrau, eine Kinder├Ąrztin am vergangenen Freitag erschossen im Wohnhaus aufgefunden worden sind. Der innenpolitische Sprecher der Fraktion B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen im Stuttgarter Landtag ├Ąu├čert sich im Exklusiv-Interview angesichts der Bluttat kritisch gegen├╝ber dem deutschen Waffenrecht und dem Besitz von Waffen.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Sckerl, zwei Menschen sind kaltbl├╝tig im beschaulichen Eberbach umgebracht worden. Die beschauliche Stadt im Odenwald trauert um die Eheleute, zwei engagierte, beliebte und friedliche Mitb├╝rger, die, wie nun feststeht, bereits in der Nacht zum 2. Januar gezielt vom Ex-Freund der Frau erschossen worden sind. Der zweij├Ąhrige Enkel ├╝berlebte vermutlich nur durch Zufall. Wie haben Sie das aufgenommen?

Der Jurist Hans-Ulrich Sckerl ist Landtagsabgeordneter f├╝r den Wahlkreis 39 Weinheim und innenpolitischer Sprecher von B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen. Er fordert seit Jahren mehr Kontrollen und ein sch├Ąrferes Waffengesetz. Fot0: privat

Hans-Ulrich Sckerl: Mit Entsetzen wie wohl alle Menschen im Land. Das ist einfach furchtbar. Ich hoffe vor allem f├╝r die Tochter, das Enkelkind und die gesamte Familie, dass sie dieses traumatische Erlebnis irgendwie verarbeiten k├Ânnen.

Sie haben bereits vor drei Jahren in einem Interview mit unserer Redaktion eine verst├Ąrkte Waffenkontrolle gefordert – jetzt sind die Gr├╝nen an der Macht. Wann kommen die st├Ąrkeren Kontrollen?

Sckerl: Die sind bereits auf den Weg gebracht, aber es muss noch besser werden. Das Innenministerium hat seit 2011 die Kontrolldichte erh├Âht und es gibt vermehrt unangemeldete Kontrollen, ob Waffen legal besessen werden und sachgerecht aufbewahrt werden. Aber die unteren Waffenbeh├Ârden sind personell zu schwach besetzt und die Kontrollen sind nur ein Teil der L├Âsung auf dem Weg zu weniger Waffen. Noch wichtiger w├Ąre, das Waffengesetz zu versch├Ąrfen. Doch das ist nicht L├Ąnder- sondern Bundessache.

„Waffen sollten ├╝berhaupt nicht privat aufbewahrt werden d├╝rfen“

Was sollte da ge├Ąndert werden?

Sckerl: Grunds├Ątzlich sind wir gegen den privaten Besitz gro├čkalibriger Waffen. In jedem Fall muss die Aufbewahrung bei allen privaten Waffen neu geregelt werden. Mir w├Ąre am liebsten, dass Waffen ├╝berhaupt nicht privat aufbewahrt werden d├╝rfen, aber das ist sehr schwierig umzusetzen. Auf jeden Fall aber sollten Waffen und Munition getrennt aufbewahrt werden, damit der unmittelbare Zugang deutlich erschwert wird.

Was ist daran schwierig?

Sckerl: Ein Beispiel sind J├Ąger, das habe ich lernen m├╝ssen. Wenn die einem verletzten Unfalltier den Gnadenschuss geben, h├Ąufig nachts, irgendwo im Wald, brauchen die eine Waffe und Munition daf├╝r. Bei einem Sportsch├╝tzen kann ich aber keinen einzigen Grund erkennen, warum Waffen und Munition nicht getrennt aufbewahrt werden sollten.

Das wird die Sportsch├╝tzen nicht freuen.

Sckerl: Ich habe ├╝berhaupt nichts gegen Sportsch├╝tzen und will auch nicht, dass sie diesen Sport nicht mehr betreiben k├Ânnen. Aber es gibt zu viele F├Ąlle, bei denen Menschen durch Waffen von Sportsch├╝tzen umgekommen sind, Erfurt und Winnenden sind besonders dramatische Beispiele.

Die Menschen in Eberbach waren fassungslos. Zun├Ąchst wusste niemand, warum der Lehrer und die Kinder├Ąrztin sterben mussten. Die Ermittlungsbeh├Ârden fanden heraus, dass der Exfreund der ├ärztin vermutlich aus verzweifelten Motiven handelte. Als Sportsch├╝tze hatte er gro├čkalibrige Waffen, die auch das Milit├Ąr benutzt. Mit einer Pistole erschoss der ge├╝bte Sch├╝tze das Ehepaar kaltbl├╝tig. Beide traf er ins Herz, bei der Frau setzte er einen Nachschuss in den Kopf an.

 

„Hier steht Gesch├Ąft gegen ein Recht auf Sicherheit der B├╝rger.“

Warum versch├Ąrft die Bundesregierung das Waffengesetz Ihrer Meinung nach nicht?

Sckerl: Da ist eine m├Ąchtige Lobby am Werk, der es um’s Gesch├Ąft geht. Mit Waffen l├Ąsst sich eben nicht nur in Amerika viel Geld verdienen ÔÇô letztlich auf Kosten der Sicherheit der Bev├Âlkerung. Die Menschen haben ein Recht auf Sicherheit und das wird durch das aktuelle Waffengesetz, eine vielerorts zu lasche Handhabung und durch viele Vollzugsdefizite verletzt.

Was k├Ânnen Sie unternehmen?

Sckerl: Mit dem Innenminister herrscht Einigkeit dar├╝ber, dass wir eine Bundesratsinitiative zur Eind├Ąmmung des privaten Waffenbesitzes einbringen wollen. Aber daf├╝r brauchen wir Verb├╝ndete, damit das zum Tragen kommt. Das ist harte ├ťberzeugungsarbeit gefragt, damit wir an den aktuellen Zust├Ąnden was ├Ąndern k├Ânnen.

Was sollte ein neues Waffengesetz regeln?

Sckerl: Wie gesagt, halte ich eine Trennung von Waffen und Munition f├╝r wichtig. Wie man das regelt, muss halt verhandelt werden. Weiter w├╝nsche ich mir eine regelm├Ą├čigere und strengere Eignungspr├╝fung, ob der Betreffende zum Waffenbesitz auch f├Ąhig ist. Da viele Menschen zahlreiche Waffen und hohe Mengen an Munition zu Hause lagern, muss der Bedarf sehr kritisch auf den Pr├╝fstand. Bei jemandem, der nicht ernsthaft und pflichtbewusst seinem Sport nachgeht, muss angeordnet werden k├Ânnen, dass er die Waffen abzugeben hat.

„Der Doppemord zeigt alarmierend, dass hier Handlungsbedarf besteht.“

Der Doppelm├Ârder von Eberbach ist 2004 Mitglied in einem Sch├╝tzenverein geworden und ist regelm├Ą├čig zum Schie├čtraining gegangen.

Sckerl: Das zeigt, dass auch die psychologische Verfassung eines Menschen einen einmal erteilten legalen Waffenbesitz sehr problematisch machen kann. Hier wird zu untersuchen sein, welche ├ťberpr├╝fungen des Waffenbesitzes es seit 2004 gab, ob eine ├ťberpr├╝fung der Eignung stattgefunden hat. Im aktuellen Eberbacher Fall war der T├Ąter wohl in einer psychisch sehr labilen Verfassung. Gleichzeitig war er ein trainierter Leistungssch├╝tze. So jemand darf aber gar keine Waffe besitzen.

Der Sportsch├╝tze verwendete f├╝r seinen Doppelmord ein deutsches Fabrikat, eine SIG Sauer 9 Millimeter. Die Pistole ist selbstladend und wird vor allem vom Milit├Ąr eingesetzt. Abbildung ├Ąhnlich. Quelle: Wikipedia, Rama, CC BY-SA 2.0 FR

Er hatte sieben Waffen und eintausend Schuss Munition sowie Jagd- und Kampfmesser.

Sckerl: Das zeigt doch in alarmierendem Umfang, dass hier dringend Handlungsbedarf besteht. Wenn jemand so viele Waffen und diese riesige Menge Munition besitzt, dann hat das nach meiner Erfahrung nur noch wenig mit ÔÇ×harmlosem SportÔÇť, aber viel mit einem Waffennarr zu tun.

Der T├Ąter hatte eine weitere Waffe und weitere Munition bei sich. H├Ątte es noch schlimmer k├Ânnen, wenn beispielsweise eine Polizeistreife ihn angehalten h├Ątte?

Sckerl: Dar├╝ber mag ich ├╝berhaupt nicht spekulieren. Fest steht, zwei Menschen sind umgebracht worden. Die Familien trauern wie auch die gesamte Eberbacher B├╝rgerschaft um den Verlust dieser ehrbaren Menschen, die in ihrer Heimatstadt ├Ąu├čerst beliebt waren. Angesichts dieser f├╝rchterlichen Trag├Âdie will ich mich weiter daf├╝r einsetzen, dass die Menschen ihr Recht auf Sicherheit bekommen. Das Recht auf Waffen geh├Ârt nicht dazu.