Dienstag, 21. November 2017

Zwei Monate lang vermessen Spezialfahrzeuge den Untergrund

Die Erdölsuche hat begonnen

Ein Messzug im Einsatz. In den kommenden Monaten wird die Umgebung durchgerüttelt. Immer rund zehn Sekunden – als wäre es eine Fußmassage.

 

Heddesheim, 07. September 2012. (red/la) Holzpflöcke mit gelben und roten Bändern säumen viele Straßen in und um Heddesheim. Ebenso wie die Aufbauten darüber und Kabel auf dem Boden gehören sie der Rhein Petroleum, die seit Anfang September mit der Vermessung des Untergrunds begonnen hat. Der erste Teil der Erdölsuche soll in zwei Monaten abgeschlossen sein. Der erste Bohrturm hingegen wird erst im Frühling 2014 zu sehen sein – wenn überhaupt.

Von Reinhard Lask

Rund 100 Mitarbeiter haben seit Anfang der Woche wie angekündigt mit der Suche nach Erdöl begonnen. Bis Ende Oktober wird auch in Viernheim, Weinheim, Hirschberg, Laudenbach und Hemsbach der Untergrund seismisch vermessen.

Michael Suana hat ins Informationszentrum in Viernheim geladen. Der Geschäftsführer von Rhein Petroleum steht in einer kargen Lagerhalle in der Alfred-Nobel-Straße. An ein Erdölunternehmen erinnert hier nichts.

Die Umgebung wird gepflöckt

Allerdings lagern hier die tausende Holzpflöcke und Geophone sowie die Verbindungskabel. Zwei Mitarbeiter prüfen die Erdmikrofone. Suana erklärt das Vorgehen: Erst fragt man die Besitzer der Grundstücke, ob Rhein Petroleum dieses für die Vermessungsarbeit betreten darf. Dann kommen Mitarbeiter mit tragbaren GPS-Geräten, die aussehen wie große Tornister und stecken „Pflöcke“ in den Boden. Dann werden die Geophone ausgelegt und zuletzt kommen die Spezialfahrzeuge und messen.

Ortstermin in Heddesheim. Die mobile Messstation befindet sich am Donnerstag beim Tennisklub. Es ist ein kastenförmiger Lkw. Wenn die Messtrupps alles in der Nähe vermessen haben, fährt auch die Messstation weiter.

Flackern, Daten, Tiefe

Das Innere des Lkw ist vollgestopft mit Technik. Ein Experte sitzt vor einer Monitorfront. Auf einem sind flimmernde Linien zu sehen. Die „Aufnahmepegel“ der Geophone. 20.000 werden insgesamt ausgelegt und von insgesamt 100 Kilometern Kabeln miteinander verbunden. Noch sind es nur Hintergrundgeräusche der vorbeifahrenden Autos. Wenn die nächste Messung beginnt, wird es etwas mehr flackern. „Mit unserer Methode können wir bis zu 4.500 Meter tief in die Erde schauen“, sagt Suana.

Die Messstation hält Funkkontakt zu den drei Messzügen, die derzeit unterwegs sind und die Messpunkte anfahren. Diese sind mit Holzpflöcken gekennzeichnet, an denen ein rotes Bändchen hängt. Wenn es ein gelbes Bändchen ist, liegt hier ein Geophon.

Ein Messzug besteht aus drei Spezialfahrzeugen. 23 Tonnen wiegt so ein geländefähiger LKW. In der Mitte des Fahrzeugs befindet sich eine absenkbare Bodenplatte, die die Schallwellen in den Boden abgibt.

Anregende Fußsohlenmassage

Als die Fahrzeuge in Position sind, erhalten sie per Funk zugleich das Signal zur „Anregung“. „Die Schallwellen haben Frequenzen zwischen 12 und 96 Hertz“, sagt Suana. Für das menschliche Ohr sind sie nicht zu hören. Allerdings zu spüren. Wenige Meter entfernt sind die Vibrationen deutlich spürbar. „Das ist ein Gefühl wie eine Fußsohlenmassage“, sagt Marcus Gernsbeck, der für die Pressearbeit zuständig ist.

Die Schallwellen werden nun von den unterschiedlichen Erd- und Gesteinsschichten reflektiert und von den  kilometerlangen Kabellinien der Geofone aufgefangen. Die Daten senden die Mikrofone zur Messstation. Rund zehn Sekunden wird gerüttelt. Dann brummen die Diesel wieder normal. Die Seismikfahrzeuge fahren zum nächsten „Pflock“.

Das wiederholt sich in den kommenden zwei Monaten zwischen Heddesheim und Weinheim täglich etliche Male von morgens bis abends. Auf den Festplatten der Messstation werden auf diese Weise bis Ende Oktober etliche Terabyte an Daten gespeichert werden.

Schwarze Flecke sind noch kein Öl

Nach Ende der Messungen werden die Daten dann in einem speziellen Rechenzentrum ausgewertet. Heraus kommen ebenso spezielle 3D-Karten des Untergrunds. Die werden jedoch keinen „schwarzen Fleck“ besitzen, die eine Erdölblase zeigen. „Die Karten zeigen uns die Übergänge einer Gesteinsschicht zur anderen“, erklärt Suana.

Auf dieser Datenbasis werden nun Geologen analysieren, wo Erdöl liegen könnte. Die Betonung liegt auf „könnte“. „Man kann da nicht genug im Konjunktiv reden“, sagt Suana. Erst wenn ein Bohrer tatsächlich auf Öl stößt, ist der Fund sicher. Bis dahin geht es nur um Wahrscheinlichkeiten. Bis zur „sprudelnden Ölquelle“ ist die Suche ein unternehmerisches Risiko. Es gibt keine Garantie, ob sich der ganze Aufwand lohnt.

Ab 2013 werden bei Rhein Petroleum die Experten die 3D-Karten analysieren. Es wird viel diskutiert werden. Es wird um viele Fragenzeichen gehen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass an Punkt X Öl liegt? Selbst wenn es danach aussieht, könnte es wieder weg sein – in eine andere Erdschicht weiterdiffundiert.

Spekulatives Geschäft – sicherer als Börsenzocken

Wenn eine vielversprechende Stelle gefunden wurde, geht es ans Eingemachte. Die Frage: Lohnt sich eine Bohrung? „Je nachdem wie leicht oder schwer wir an ein vermutliches Lager herankommen, kostet eine Bohrung zwischen drei bis fünf Millionen Euro“, sagt Suana.

Bis dahin wird es jedoch noch eine Weile dauern. „Eine Bohranlage wird frühestens im Frühling 2014 zu sehen sein.“ Wenn das Öl dann sprudelt, wird Rhein Petroleum das schwarze Gold in Karlsruhe verarbeiten lassen und das Benzin an einen anderen Konzern weiterverkaufen. Sprich: Rhein-Petroleum-Tankstellen wird es definitiv nicht geben. „Sie werden zwar Benzin von Rhein Petroleum tanken können, aber es nicht wissen“, sagt Suana.

Der größtanzunehmende Unfall für das Unternehmen wäre, wenn es zu mehreren Millionen Euro teuren Bohrungen kommt und man gar nichts findet. Doch Suana gibt sich da gelassen. Dieses Geschäft sei sicherer, als sein Geld an der Börse anzulegen. „Wenn sie sich die Börsen heute so anschauen – da suche ich lieber nach Öl“, sagt er und lacht herzlich.

Unsere Fotostrecke finden Sie im Heddesheimblog.

Am Samstag werden die ersten Geophone ausgelegt

Rhein Petroleum startet seismische Messungen

Ausgelegte Erdmikrofone mit Verkabelung, Fotos: Rhein Petroleum

 

Rhein-Neckar, 30. August 2012. (red/pm) Die Firma Rhein Petroleum startet Mitte nächster Woche (KW 36) mit den angekündigten seismischen Messungen in ihrem Lizenzgebiet „Weinheim“, um zu erkunden, ob möglicherweise Erdöl im Untergrund vorhanden ist. Begonnen wird in Straßenheim bei Mannheim ehe es kurz darauf weiter nach Heddesheim und dann zur Feldgemarkung Leutershausen bei Hirschberg geht. Nach etwa einer Woche werden die Arbeiten voraussichtlich Großsachsen erreichen.

Information der Rhein Petroleum:

In Vorbereitung dieser Messungen werden ab dem 1. September Erdmikrofone, so genannte Geophone, mitsamt den zugehörigen stromlosen Kabeln per Hand ausgelegt. Zuerst geschieht dies auf den Gemarkungen von Straßenheim, Heddesheim und Hirschberg, anschließend in Viernheim und Weinheim.

Die Kabel und Mikrofone werden in Ost-West-Richtung auf einer Länge von zehn Kilometern ausgelegt. Im Gelände zu sehen sind elf bis 15 dieser Kabellinien mit Abständen von jeweils 400 Metern. Je nach Messfortschritt werden die Kabel dann rund drei Wochen im Gelände ausliegen. So entsteht ein Messaufbau, der von den Vibroseis-Fahrzeugen abschnittsweise im Zick-Zack-Kurs von Süden nach Norden fortschreitend abgearbeitet wird.

Sind Dreiviertel eines Abschnitts durchmessen, werden die jeweils südlichsten Kabelauslagen abgebaut und am nördlichsten Teil wieder ausgelegt. Die Experten sprechen von einem „rollenden“ Messaufbau. Innerhalb eines Messabschnitts nehmen gleichzeitig mehr als 20.000 Erdmikrofone die von den Gesteinsschichten reflektierten Schallwellen auf.

Wie laufen die seismischen Messungen ab? Hierzu fahren geländegängige, LKW-ähnliche Spezialfahrzeuge mit Straßenzulassung (siehe Foto rechts) die zuvor vorbereitete Messstrecke ab und messen an den markierten Punkten. Durch das hydraulische Absenken einer Bodenplatte werden für etwa zwölf bis 16 Sekunden leichte Schallwellen in den Untergrund gesendet, die von den jeweiligen Gesteinsschichten reflektiert werden und so wieder an die Erdoberfläche zurück gelangen. Die Reflexion dieser nicht hörbaren Schallwellen wird von den Erdmikrofonen aufgezeichnet und direkt an einen Messwagen geleitet.

Beim Aussenden der Schallwellen ist unmittelbar neben den Fahrzeugen ein leichtes Vibrieren zu spüren. Darüber hinaus werden die Messungen und das Einhalten behördlich vorgegebener Richtlinien permanent überwacht. Diese speziell auch für bewohnte Gegenden entwickelte, sehr schonende 3-D-Seismik ermöglicht eine Darstellung (dreidimensionale Karte) des Untergrunds bis in Tiefen von mehreren Kilometern. Experten können daraus Hinweise ableiten, ob möglicherweise Erdöl im Untergrund vorhanden ist.

Um ein möglichst aussagekräftiges Bild zu bekommen, macht der Messtrupp etwa alle 40 Meter Halt, so dass der Zug pro Tag eine Strecke von etwa drei bis vier Kilometern zurücklegt – je nach örtlicher Gegebenheit.

Dabei bewegen sich die Fahrzeuge ausschließlich auf von den jeweiligen Eigentümern oder genehmigenden Behörden sowie Städten und Gemeinden freigegebenen Straßen, Wegen und Flächen.

Um der Bevölkerung die Vorgehensweise bei den seismischen Untersuchungen bestmöglich zu erklären und zu demonstrieren, lädt Rhein Petroleum alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ein, sich im Rahmen einer Vorführung in Viernheim über die geplanten seismischen Messungen zu informieren: Am Samstag, 1. September, 14 Uhr, werden auf dem Ochsenbrunnenparkplatz am Waldstadion Viernheim Spezialisten von Rhein Petroleum die Technik der 3-D-Seismik erläutern. Auch ein Vibroseis-Fahrzeug wird vor Ort sein und das Verfahren vorführen. Außerdem werden die zum Einsatz kommenden Kabel und Erdmikrofone gezeigt.

Insgesamt wird ein rund 75 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Hirschberg, Heddesheim, Hemsbach, Weinheim in Baden-Württemberg bis zur A67 bei Viernheim in Hessen auf diese Weise bis etwa Mitte November untersucht werden.

Weitere Informationen erhalten interessierte Bürgerinnen und Bürger im Projekt- und Informationsbüro (zwischen 8 und 18 Uhr) in der Alfred-Nobel-Straße 14 in Viernheim, Telefon: 0151-40002416 oder 0160-2310164.“

Bergfreie Bodenschätze

Wem gehört das Erdöl?

Stehen in Nordbaden bald solche schweren Bohrtürme? Quelle: Wikipedia, Markus Stahmann, CC BY-SA 3.0

 

Rhein-Neckar, 02. August 2012. (red/la) Ab September sucht die Firma Rhein Petroleum in Nordbaden nach Erdöl. Doch was passiert, wenn sie Erfolg hat? Wem gehören die Bodenschätze? Dem Staat oder dem Grundstücksbesitzer? Müssen bald Häuser den Bohrtürmen weichen? Wir haben nachgefragt – und können schon mal Entwarnung geben.

Von Reinhard Lask

Wer unter seinem Haus Erdöl findet und glaubt, nun Ölmillionär zu werden, hat sich zu früh gefreut. Denn Erdöl gehört in Deutschland zu den bergfreien Rohstoffen: Sie gehören erstmal niemandem. Wer es fördern möchte, muss dafür eine Konzession von dem zuständigen Bergamt beantragen. Das kann im Prinzip jeder tun, der die Voraussetzung für die Förderung erfüllt.

Im Falle von Rhein Petroleum hätte das Unternehmen Vorrang. „Wer das Recht erworben hat auf einem festgelegten Claim nach Erdöl zu suchen, hat auch das Vorrecht die Förderkonzession zu erhalten“, sagt Holger Schick, Bergdirektor im Regierungspräsidium Freiburg.

Wenn also Rhein Petroleum im September auf Öl stößt, kann ihm kein Konkurrent die Förderung wegnehmen. Damit das Unternehmen fördern kann, muss es noch ein Genehmigungsverfahren durchlaufen. „Wenn das scheitern würde, wäre  das Erdöl wieder bergfrei“, erklärt Schick. Die Messdaten, die Rhein Petroleum dabei sammelt, muss das Unternehmen an das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau weitergeben. Diese Daten darf das Amt  jedoch nur für interne Studien verwenden, also nicht an andere verkaufen. Auch Studien, die von privaten Auftraggebern bezahlt werden, sind nicht erlaubt.

Das Land verdient an jedem Tropfen Öl mit

Wenn Rhein Petroleum die Förderkonzession erhält und die Vermarktung anläuft, verdient das Land an jedem verkauften Liter Erdöl  mit. Laut Bergbaugesetz beträgt „die Förderabgabe grundsätzlich zehn Prozent des Marktwertes, der für in Deutschland gewonnene Bodenschätze dieser Art im Jahr durchschnittlich erzielt wird.“

Diesen Satz kann das Bundesland anpassen. „Aktuell beträgt die Förderabgabe in Baden-Württemberg für Erdöl null Prozent“, sagt Schick. Allerdings wird im Land seit rund 20 Jahren kein Erdöl mehr gefördert. „Anfang der 1990er Jahre hat sich die Förderung immer weniger gelohnt und bald sind die letzten eingestellt worden.“ Die aktuelle grün-rote Landesregierung will jedoch den Förderzins demnächst wieder einführen.

Große Gewinne wird das jedoch nicht geben: „Bis zur Abschaffung der Abgabe betrugen die Einnahmen einige 100.000 D-Mark.“ Die Fördermengen Baden-Württemberg waren stets sehr gering. Ganz anderes sieht das in Niedersachsen aus. Hier betrug der Fördersatz für Erdöl im Jahr 2011 ganze 18 Prozent, für Erdgas sogar 36 Prozent. Noch 2009 verdiente das Land Niedersachsen bis zu einer Milliarde Euro an der Förderung dieser beiden Rohstoffe.

Rein rechtlich könnte der Staat die bergfreien Bodenschätze auch in Eigenregie fördern. „Heute geben die Förderrechte immer an Privatunternehmen“, sagt Schick. Für die wird Ölförderung auf dem deutschen Festlandsockel auch bei kleineren Mengen immer rentabler. „Je knapper das Erdöl wird, desto mehr lohnt es sich auch in tieferen Stockwerken nachzuforschen“, erklärt Schick.

Keine Enteignung bei Erdölförderung

Kann jedoch ein Grundstücksbesitzer enteignet werden, wenn Rhein Petroleum Erdöl darunter findet? „Bei Erdöl ist das kaum vorstellbar“, sagt Schick. „Die heutigen Fördertechniken sind heute so gut, dass dies nicht mehr notwendig ist.“ Man bohrt einfach von der Seite. Rein rechtlich sind Zwangsmaßnahmen noch möglich. Allerdings nur, wenn man das Grundstück „zu betrieblichen Zwecken braucht“. Das muss nicht nur eine Bohrung sein, sondern kann auch die Zwangsverpflichtung umfassen, dort notwendige Leitung zu verlegen oder Wege zu bauen und zu nutzen.

„Für eine völlige Enteignung müsste schon ein massives öffentliches Interesse gegeben sein“, sagt Schick. Bekannte Fälle sind die Umsiedlungen ganzer Dörfer in Nordrhein-Westfalen zur  Braunkohleförderung. Doch wegen ein wenig Erdöl würde  Schick zufolge niemand seinen Grund und Boden veräußern müssen. „Dazu sind die Fördermengen einfach zu klein, die rechtlichen Hürden zu hoch und der volkswirtschaftliche Nutzen beziehungsweise das Interesse aller Beteiligten einfach zu gering“, erklärt Schick.