Donnerstag, 23. November 2017

Eine Studie gibt Einblick, welche BĂŒrger protestieren und Beteiligung verlangen

Zeit, Wissen und eine gut gefĂŒllte Kriegskasse

Die BĂŒrgerinitiative zum Erhalt der Breitwiesen bei der Übergabe von mehr als 5.000 Überschriften. Der Lohn: Der BĂŒrgerentscheid am 22. September 2013. Ganz links: OB Bernhard, Mitte: Fritz Pfrang.

 

Weinheim/Heddesheim/Ilvesheim/Ladenburg/Rhein-Neckar, 07. MĂ€rz 2013. (red/zef/tegernseerstimme.de) Egal, ob die aktuellen Debatte um den Neubau der NeckarbrĂŒcke an der L597 oder die Proteste gegen den Bau eines Logistiklagers der Firma Pfenning in Heddesheim oder die Auseinandersetzung um die Weinheimer Breitwiesen. Schaut man sich die VerĂ€nderungen der letzten Jahre in der Lokalpolitik an, wird eines offensichtlich: Es gibt vermehrt Protest. Die spannende Frage, die sich dahinter verbirgt: Wer sind die BĂŒrger, die protestieren und was bezwecken sie? [Weiterlesen…]

Die Feuerwehr machte auf ihre schwierige Situation aufmerksam

Hemsbacher Delegation zu Gast im Landtag

Die Delegation rund um Stadtbrandmeister Pohl mit Innenminister Gall im Landtag (v.l.: Lukas Polzin, Thomas Pohl, Reinhold Gall, Joachim Steilen, Thorsten Rheinfrank)

 

Hemsbach, 24. Juli 2012. (red) Auf Einladung der SPD-Landtagsfraktion fuhr eine Delegation der Hemsbacher Feuerwehr in unsere Landeshauptstadt. Dort fand im Landtag der „Tag des Katastrophenschutzes“ statt.

Von Lukas Polzin

ErklĂ€rtes Ziel der Veranstaltung war, die Beteiligung der TrĂ€ger des Katastrophenschutzes (Feuerwehr und Rettungsdienstorganisationen), am kĂŒnftigen Katastrophenschutz-Konzept des Landes Baden-WĂŒrttemberg. Es sollten Ziele und Vorstellungen formuliert werden, um den Bereich Katastrophenschutz fĂŒr die ehrenamtlichen Helfer attraktiver zu gestalten. Neben interessanten FachvortrĂ€gen, bot der Tag vor allem Gelegenheit, mit den Verantwortlichen im Landtag Probleme des Katastrophenschutzes zu besprechen.

Dabei nutzte die Delegation die Gelegenheit, auf die schwierige Situation in der Feuerwehr Hemsbach hinzuweisen. Im Jahr 2000 erklĂ€rte sich die örtliche Feuerwehr bereit, neue Aufgaben im Katastrophenschutz zu ĂŒbernehmen. HierfĂŒr stationierte der Bund ein Dekontaminationsfahrzeug in Hemsbach.

Politik lobt Engagement der Hemsbacher

Mit Enthusiasmus engagierten sich die ehrenamtlichen Helfer in Hemsbach. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer absolvierten zeitaufwĂ€ndige und anspruchsvolle LehrgĂ€nge an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal. In vielen Stunden wurde, unter anderem, das Beladungskonzept angepasst und verfeinert. Mehrere Übungen im Jahr stellten sicher, dass im Ernstfall alles glatt lĂ€uft.

Der Ernstfall trat auch ein. WĂ€hrend der Maul und Klauenseuche waren die Hemsbacher Dekontaminationsprofis im Einsatz. Auch wĂ€hrend der Fußballweltmeisterschaft 2006 fuhr man zu jedem Spiel nach Stuttgart und stand dort fĂŒr einen Ernstfall bereit. Zahlreiche Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker lobten das hohe Engagement, mit dem sich die Feuerwehr in Hemsbach aktiv fĂŒr den Katastrophenschutz einsetzte.

Vertrauen zerstört

Dann allerdings, kam ein harter Schnitt. Das Katastrophenkonzept des Bundes sah nur noch eine Dekontaminationseinheit pro Landkreis vor. Die Einheit Hemsbach wurde disloziert. Dies war ein Schock fĂŒr alle, die unzĂ€hlige Stunden ihrer Freizeit investiert hatten. „Damit wird ehrenamtliches Engagement und Motivation fĂŒr’s Ehrenamt vernichtet und Vertrauen in die Konzepte zerstört.“, richtete Stadtbrandmeister Thomas Pohl am Samstag seinen Appell an den Landtagsabgeordneten Thomas Funk, Beauftragter fĂŒr Rettungsdienste und Katastrophenschutz.

Alle guten Argumente und auch Protest seitens der Feuerwehr Hemsbach, konnten die Verlegung der Einheit in den Neckar-Odenwald-Kreis nicht verhindern. Allerdings konnte man erreichen, dass eine Landeseinheit gleicher Bauweise, kĂŒnftig in Hemsbach stationiert wurde.

Reparaturen in Eigenregie

Der Freude ĂŒber die Stationierung, folgte die nĂ€chste herbe EnttĂ€uschung. Die ĂŒbernommene Einheit, war in nicht funktionstĂŒchtigem Zustand. In zahlreichen Aufstellungen, mit rund 40 Bildern, wurden die MĂ€ngel an die ĂŒbergeordneten Behörden gemeldet. Fahrzeug und Ausstattung waren fĂŒr den Soforteinsatz ungeeignet.

Trotz der EnttĂ€uschung machten sich die ehrenamtlichen Helfer der Feuerwehr, an die teils sehr komplexen Reparaturen. Es mussten zahlreiche Haushalts- und Beschaffungsvorschriften beachtet werden. Das hĂ€ufigste Problem war stets eine KostenĂŒbernahme zu erreichen. Dieser nervenaufreibende Prozess zog sich ĂŒber zwei Jahre hin. Nun war das Fahrzeug und seine Beladung wieder in einem einsatzbereiten Zustand.

Probleme mit der Schutzkleidung

Doch leider kam es noch schlimmer. Anfang des Jahres wurde die Feuerwehr angewiesen, die Schutzkleidung, welche seinerzeit mit dem Bundesfahrzeug ausgeliefert worden war, abzugeben. „Diese Ausstattung ist fĂŒr ein Landesfahrzeug nicht vorgesehen“ so die unverstĂ€ndliche, aber verbindliche Antwort des RegierungsprĂ€sidiums Karlsruhe.

Die Einsatzbereiche decken sich allerdings, sowohl fĂŒr Bundes- als auch fĂŒr Landeseinheiten. Im Umgang mit gefĂ€hrlichen Stoffen ist diese Schutzkleidung unbedingt erforderlich. Dies fĂŒhrte erneut zur unausvermeidlichen „außer Dienst Stellung“ der Dekontaminationseinheit in Hemsbach. Ohne adĂ€quate Schutzkleidung kann kein Feuerwehrangehöriger in einen Einsatz gehen. Da es sich um eine Katastrophenschutzeinheit des Landes handelt, ist es nicht möglich, die fehlende Ausstattung aus Haushaltsmitteln der Stadt Hemsbach zu finanzieren.

Innenminister verspricht „baldige Lösung“

Genau diese Problematik konnten die ehrenamtlichen Helfer aus Hemsbach direkt mit den Verantwortlichen besprechen. Das Problem war in der gesamten Dimension so nicht bekannt. Sowohl der Beauftragte fĂŒr Katastrophenschutz, als auch der Innenminister Reinhold Gall und Landesbranddirektor Schröder sicherten eine baldige Lösung der Problematik zu.

Insbesondere Innenminister Reinhold Gall, hatte als aktiver Feuerwehrangehörige VerstĂ€ndnis fĂŒr die „katastrophalen Auswirkungen“ der bisherigen Maßnahmen, auf die Motivation der Katastrophenschutzeinheit in Hemsbach.

In einem waren sich alle GesprĂ€chspartner einig – eine Beschaffung der Schutzkleidung in Hemsbach ist schnellstmöglich notwendig. Denn eine nicht einsatzbereite Einheit, kann man sich schon gar nicht leisten.

Mit vielen interessanten EindrĂŒcken aus den FachvortrĂ€gen und dem guten GefĂŒhl etwas erreicht zu haben, fuhr man zurĂŒck nach Hemsbach.

Anmerkung der Redaktion: Lukas Polzin macht die Öffentlichkeitsarbeit der Freiwilligen Feuerwehr Hemsbach