Donnerstag, 21. September 2017

Präsentation des Energiemobils

Stadtwerke Weinheim kommen auf den Marktplatz

Hemsbach, 28. Mai 2014. (red/pm) Die Stadtwerke Weinheim werden zum Hemsbacher Bürgertag erstmals ein neues rollendes Servicebüro – das Energiemobil – präsentieren. Jeden ersten Donnerstag im Monat werden die Stadtwerke mit dem rollenden Kundenservice vor Ort sein. Eine Ausweitung auf andere Orte ist bereits in Planung. [Weiterlesen…]

Nach der Insolvenz von Billigstromanbieter Flexstrom erhalten Kunden nun Ersatzversorgung

Niemand sitzt im Dunkeln, aber die „Verbraucher sind die Dummen“

Flexstrom_flyer

Mit diesem Spruch warb FlexStrom. Jetzt ist der Billigstromanbieter pleite. (Quelle: flexstrom.de)

Rhein-Neckar, 30. April 2013. (red/aw/tegernseerstimme.de) Der Billigstromanbieter FlexStrom musste Insolvenz anmelden. Von der Zahlungsunfähigkeit sind deutschlandweit rund 500.000 Haushalte betroffen, auch in der Metropolregion. Allein im Netzgebiet der MVV sind es etwa 1.200 Kunden. Doch was passiert nun? Bleiben die Kunden auf ihren Kosten sitzen und stehen trotzdem bald ohne Strom da? [Weiterlesen…]

Strompreiserhöhung 2013: Auch Stadtwerke Weinheim müssen aufschlagen

„Wir haben gar keine andere Möglichkeit“

Peter Krämer, Geschäftsführer der Stadtwerke Weinheim, in der Leitwarte des Betriebs. Herr Krämer spart nicht mit Kritik an der Energiepolitik. Die Strompreispolitik vergleicht er mit planwirtschaftlichen Prozessen.

 

Weinheim/Rhein-Neckar, 17. November 2012. (red/aw) Die Strompreise sind seit Wochen in aller Munde. Jetzt haben auch die Stadtwerke Weinheim angekündigt, im nächsten Jahr den Strom teurer zu machen. Stadtwerke-Chef Peter Krämer ist darüber alles andere als glücklich. Nach seiner Auffassung sind staatliche Umlagen und Steuern der Energiewende dafür verantwortlich . Wir haben ihn im Interview über die Gründe seiner Kritik an der Energiepolitik und möglichen Folgen der Erhöhung befragt.

Interview: Alexandra Weichbrodt

Herr Krämer, die Stadtwerke erhöhen den Strompreis zum 1. Januar 2013 um etwa 10 Prozent, von 24,92 Cent pro Kilowattstunde auf 27,58 Cent. Haben Sie Sorge, dass Ihnen jetzt die Kunden davon laufen?

Peter Krämer: Unsere Kunden sind natürlich preissensibel, die meisten wissen aber auch, dass wir faire Preise haben und auf uns Verlass ist. Etliche Billiganbieter sind in den vergangenen Jahren Pleite gegangen. Das haben sich die Verbraucher gemerkt. Und ich bin auch überzeugt, dass die meisten unserer Kunden wissen, dass die aktuelle Preiserhöhung ausschließlich staatlich verordnete Preisbestandteile betrifft, die wir an den Gesetzgeber abführen müssen. Wir haben sie mit dem Anschreiben darüber ausführlich informiert. Die Preiszusammensetzung beim Strom sieht inzwischen so aus, dass wir 70 Prozent der Kostenbestandteile als Versorger überhaupt nicht mehr beeinflussen können: Das sind Steuern, diverse Umlagen für die Finanzierung der Energiewende sowie Abgaben Wir haben also gar keine andere Möglichkeit als unsere Preise daran anzupassen.

Welche Probleme treten bei der Weitergabe dieser Erhöhung an den Kunden auf? 

Krämer: In erster Linie sehe ich das Problem, dass der Kunde die gesetzlichen Änderungen am Strompreis zum Jahreswechsel kaum noch nachvollziehen kann. Spricht man heute mit einem Kunden, dann kennt er vielleicht noch das EEG, das Erneuerbare Energien Gesetz. Eventuell auch die Stromsteuer. Aber bei den Begriffen Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, Konzessionsabgabe oder Offshore-Haftungsumlage wird es schon schwierig. Wir versuchen, das System für unsere Kunden transparent zu machen, indem wir sie über die einzelnen Umlagen und ihre Höhe informieren. Die sind aber so mannigfaltig, dass es selbst für uns, die Mitarbeiter der Stadtwerke, mittlerweile Broschüren gibt, damit wir noch den Überblick behalten. Der Verbraucher weiß inzwischen, dass das Thema insgesamt sehr komplex und schwierig geworden ist. Aber er hat kein Verständnis dafür, dass die Preise ins Unermessliche steigen – was ich gut verstehen kann. Wir stellen vermehrt fest, dass diese Erhöhungen beispielweise Rentner oder HartzIV-Empfänger drastisch treffen. Für diese Menschen sind 50 oder 70 Euro mehr im Jahr eine Menge Geld. Dieses Geld fehlt. Irgendwann können diese Menschen ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen. Und diese Klientel nimmt derzeit leider zu.

„Im Dreijahres-Vergleich sind wir meist der günstigste Anbieter.“

Da spielt der Preisunterschied bei der Wahl des Preisanbieters also oft eine Rolle. Nehmen Sie die Konkurrenz in der Region wahr?

Krämer: Die regionalen Anbieter mit vergleichbarer Größenordnung und Arbeitsweise wie wir sind alle auf einem ähnlichen Preisniveau. Was bei der beschriebenen Preis-Systematik auch logisch ist. Die Unternehmen, die sich im Preis stark differenzieren, sind oft Unternehmen, die mit unlauteren Methoden arbeiten – wie Vorauskasse oder Kostenerhöhungsmechanismen. Da muss man als Verbraucher bei der Wahl gut aufpassen. Zu Recht sind deshalb auch die Verbraucherverbände wach geworden und warnen vor solchen Produktanbietern. Wenn Anbieter dasselbe Produkt wie wir 100 Euro günstiger anbieten, kann ich mir das wirtschaftlich nicht erklären. Das geht gar nicht bei nur 30 Prozent beeinflussbaren Kostenanteilen. Ein solcher Preisunterschied ist allein mit Energieeinkauf und Vertriebsmarge nicht zu realisieren. Wir haben bei Untersuchungen festgestellt: Im Dreijahres-Vergleich sind wir meist der günstigste Anbieter. Weil wir keine so großen Erhöhungen in diesem Zeitrahmen durchführen wie beispielsweise die zunächst augenscheinlich günstigeren Anbieter, die mit attraktiven Wechselkonditionen locken. Wir können und wollen nicht spekulieren und versuchen dem Kunden auf der Basis unserer Möglichkeiten ein seriöses, langfristiges und möglichst günstiges Angebot zu machen.

Den Wettbewerb nehmen Sie also schon wahr?

Krämer: Ja, natürlich. Die Wechselfreudigkeit nimmt deutlich zu, der Wettbewerb wird schärfer. Allerdings finde ich es kurios, wie der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen für Wettbewerb gestaltet. Die Bundesregierung hat 1998 den Wettbewerb in Energiebereichen ausgerufen. Der Stromvertrieb und die Netze mussten getrennt werden. Aber was ist seit damals passiert? Wir unterliegen einer Marktabgrenzung vom Bundeskartellamt, das heißt wir werden in unserem Marktgebiet als Monopolist geführt. Wir haben aber 100 Anbieter im Strom-Netzgebiet und 50 beim Gas. Da kann man also nicht davon sprechen, dass kein Wettbewerb existiert. Und trotzdem entstehen problematische Situationen, wie im Fall Teldafax. Eine Art Schneeballanbieter, der bewusst vom Kartellamt toleriert wird, und dann Insolvenz anmeldete. Neben den Kunden bleiben wir als Stadtwerke bei Insolvenzfällen unseriöser Anbieter auch auf unseren Kosten sitzen. Das ist eine absolute Ungerechtigkeit. Diese Meinung äußere ich auch gegenüber der Politik. Da jedoch Gehör zu finden, ist recht schwierig, weil dann oft die Aussage folgt: Gewöhnt euch an den Wettbewerb. Aber ein fairer Wettbewerb ist fast unmöglich, wenn 70 Prozent der Kosten nicht mehr zu beeinflussen sind. Das ist energiepolitische Planwirtschaft.

„Planwirtschaftliche“ Strompreise

Sie haben mit Ankündigung der Preiserhöhung auch die Energiepolitik heftig kritisiert. Was läuft Ihrer Meinung nach schief?

Krämer:  Ich bin ja Wirtschaftsingenieur und in meiner Natur liegt es, die Sachen zu analysieren, zu bewerten und daraufhin Konzepte zu erstellen. Genau das vermisse ich bei der Energiepolitik. Dort wird das Problem nicht analysiert, sondern es wird vorweg die Einzelentscheidung getroffen. Dann erleben alle ein heilloses Durcheinander und wundern sich darüber. Ich bin der Meinung, dass man sich spätestens nach dem Unglück in Fukushima hätte zusammen setzen sollen und überlegen sollen, wie das Konzept für die Energiewende aussehen soll. Das hat man aber nicht getan. Sondern man hat an vielen einzelnen Stellschrauben gedreht und erlebt jetzt einen Wust an Umlagen und Kostensteigerungen. Man hat kein Konzept entwickelt, in dem eben nicht nur Unweltverträglichkeit und Partikularinteressen, sondern auch der Kunde vorkommt. Ein Beispiel: Das Energiewirtschaftsgesetz. Der Begriff Kunde kommt darin noch nicht einmal vor. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Meine Kritik besteht also darin, dass wir einen riesigen Aufwand betreiben, planwirtschaftliche Strompreise zu kreieren, der nicht sinnvoll ist. Das ist keine Kritik an einzelnen Parteien. Dieses System ist über mehrere Wahlperioden hinweg aufgebaut worden. Egal ob rot-grün, schwarz-rot oder schwarz-gelb, es fehlte immer der Masterplan.

Wo könnte man diesen Masterplan besonders gebrauchen?

Krämer: Ganz klar beim Thema CO2-Reduzierung. Das wurde zum Anfang der Energiewende groß angekündigt. Doch jetzt sind wir von einer Lösung wieder weit entfernt. Das Thema Klimawandel ist nach wie vor die große Herausforderung, aber momentan wieder mal aus dem Fokus verschwunden. Würde dieses Ziel weiter verfolgt werden, müsste man sich Gedanken machen, wie der CO2-Ausstoß im Kosten-Nutzen-Verhältnis zu reduzieren ist. Das macht die Energiepolitik aber derzeit nicht. Was gemacht wird, ist eine einseitige Förderung regenerativer Projekte.

„Der Klimawandel betrifft uns alle – man kann die Industrie da nicht rausnehmen.“

Beispiel?

Krämer: Warum muss denn die Anschaffung einer Photovoltaikanlage mit acht bis zehn Prozent verzinst werden, wenn der Zinssatz einer zehnjährigen Bundesanleihe derzeit bei einem halben Prozent liegt? Hier wird übersubventioniert. Da fehlt einfach die Relation. Der größte Effekt, um CO2 einzusparen, ist laut Studien unter anderem der Austausch von alten Heizungsbrennern. Bis zu 20 Prozent Effizienzsteigerung kann man damit erreichen. Wenn ich das auf alle Haushalte multipliziere, komme ich auf gigantische Ergebnisse. Dämmung hingegen ist das teuerste, was man machen kann. Das Gegenargument mit der Vernichtung fossiler Brennstoffe wiegt natürlich schwer. Allerdings reden wir bei der Energiewende von einem Generationenprojekt. Ich habe manchmal den Eindruck, das muss innerhalb einer Wahlperiode erledigt werden. Meiner Meinung nach ist das ein fataler Trugschluss. Zudem werden bestimmte Aktivitäten und Gruppen aus der Verantwortung der Energiewende herausgenommen. Beispielsweise die Industrie. Da sagt man: Damit haben die nichts zu tun, die haben Wettbewerb, die schaffen Arbeitsplätze. Was ja auch richtig ist. Aber ich bin der Meinung, wenn die zentrale Herausforderung der Klimawandel ist, dann betrifft uns diese alle. Da kann man Teile der Gesellschaft nicht ausschließen. Wir müssen gemeinsam nach unseren Kräfteverhältnissen und wirtschaftlichen Möglichkeiten unseren Beitrag leisten. Eine gewisse Gerechtigkeit geht jetzt, so wie es derzeit gehandhabt wird, verloren.

Ist es in der Praxis tatsächlich so, dass von der Industrie absichtlich viel Strom verbraucht wird, um gewisse Umlagebefreiungen zu erhalten?

Krämer: Ja, es gibt Einzelfälle. Ist ja auch klar. Angenommen der Unternehmer hat eine Befreiungsgrenze bei 100 Einheiten. Verbraucht hat er aber nur 98. Die zwei fehlenden Einheiten kosten vielleicht 2.000 Euro. Überschreitet er aber die Schwelle der 100, werden ihm 10.000 Euro erstattet. So ist die Handlungsweise nachvollziehbar, Energie unter wirtschaftlichen Aspekten zu optimieren. Umweltpolitisch ist es jedoch eine Katastrophe.
Zu Recht sind die Verbraucherverbände mittlerweile wach geworden und warnen vor solchen Produktanbietern. Wenn Anbieter das selbe Produkt wie wir, 100 Euro günstiger anbieten, kann ich mir das unter normalen Umständen nicht erklären. Das geht gar nicht.

Und die Privatverbraucher sind die Zahlmeister?

Krämer: Richtig. Der normale Haushaltskunde zahlt irgendwann die ganze Zeche. Beim Thema regenerative Förderung haben wir zwar eine Mittelschicht, die beispielsweise durch den Betrieb von Photovoltaikanlagen von der aktuellen Energiepolitik profitiert. Aber es gibt ja ebenso viele Menschen, die gar nicht die Möglichkeit einer solchen Anschaffung haben. Weil ihnen zum Beispiel keine Dachfläche zur Verfügung steh – wie bei Mietern oder bei Besitzern von Eigentumswohnungen. Wir haben also auf der einen Seite eine Schicht, die davon profitiert und eine Allgemeinheit, die diese Förderung bezahlen darf. Und auch hier trifft es wieder besonders die unteren Einkommensgruppen. Ich glaube nicht, dass das gerecht ist. Und auch nicht, dass man so die Energiewende vorantreiben kann.

Sehen Sie in der Zukunft eine Entspannung am Energiemarkt? Könnten die Preise irgendwann auch wieder fallen?

Krämer: Ich bin ja grundsätzlich Optimist und mit meiner Lebenserfahrung kann ich sagen, am Ende siegt meist die Vernunft. Ich glaube, wir werden nach dieser Preiserhöhungsrunde eine Trendwende in den politischen Entscheidungen erleben, vielleicht nächstes Jahr nach der Wahl. Ich bin der festen Überzeugung, dass man das heutige Vorgehen nicht unendlich weiter treiben kann.

Mit Selbstkontrolle lässt sich Energie sparen.

Was raten Sie denn Ihren Kunden, um die jetzt schon hohe finanzielle Belastung so gering wie möglich zu halten?

Krämer: Dass sie im ersten Ansatz natürlich immer Energie sparen. Das kann man mit vielen Verhaltensweisen und Kleinigkeiten im Haushalt. Auch beim Ersatz von Großgeräten ist es wichtig, auf den Stromverbrauch zu achten: Bei Kühlschrank, Fernseher oder Waschmaschine kann ich nur empfehlen, A+++ zu kaufen. Das ist zwar zunächst teurer, rechnet sich bei dem Strompreis aber recht schnell. Einfach sparen kann man sich auch die unnötige Stand-by-Schaltung bei vielen Geräten. Außerdem sollte die alte, kaputte Glühbirne grundsätzlich durch Energiesparlampen ersetzt werden. Und natürlich sollte man auch das Licht ausschalten, wenn man den Raum verlässt. Mit etwas Selbstkontrolle kann man da durchaus bemerkenswert Energie einsparen. Auch wenn ich befürchte, dass diese Einsparungen die Preiserhöhungen in der Zukunft nicht abfangen werden. Die finanzielle Belastung für die Haushalte durch Energiekosten wird weiter steigen – auch noch nach der Erhöhung vom 1.Januar 2013.

Worin sehen Sie als Geschäftsführer den Vorteil der Stadtwerke Weinheim gegenüber anderen Energieversorgern?

Krämer: Ich sehe uns als Teil der Infrastruktur in Weinheim. Wir beschäftigen viele Mitarbeiter und bilden junge Menschen aus. Während wir wachsen, bauen andere ab. Wir unterstützen Vereine und Kulturveranstaltungen. Das ist ein klarer Vorteil für die Weinheimer Bürgerinnen und Bürger. Wir sind letztendlich die größte Energiegenossenschaft in Weinheim, ein Thema, das auch immer wieder diskutiert wird. Einen Großteil des von uns erwirtschafteten Geldes behalten wir hier in Weinheim. Entweder fließt es in den Betrieb der Stadtwerke Weinheim oder wir führen es an die Stadt ab. Das Geld bleibt also in der Region. Bei einem Fremdanbieter ist das nicht der Fall. Darüber sollte sich jeder bei der Wahl des Energieversorgers bewusst sein.

Info:
Der Geschäftsführer der Stadtwerke Weinheim GmbH, Peter Krämer, ist Diplom-Ingenieur für Allgemeine Elektrotechnik mit der Zusatzqualifikation des Technischen Betriebswirts. Der gebürtige Rheinländer kam vor sechs Jahren nach Weinheim. Seit dem 1. Januar 2007 ist er Geschäftsführer der Stadtwerke.

Die Stadtwerke Weinheim GmbH musste 2011 einen Gewinnrückgang von 22,8 Prozent auf 2,064 Millionen Euro hinnehmen. Der Umsatz ging leicht um 1,6 Prozent auf 55,961 Millionen Euro zurück. Geschäftsführer Peter Krämer machte bereits in einem Interview im Juli 2012 eine “irrwitzige Bürokratie” und die damit verbundenen Kosten für das Ergebnis verantwortlich.

Gemeinsam mit den ebenfalls kommunal geführten Stadtwerken Schwetzingen haben die Stadtwerke Weinheim 2012 eine Vertriebsgesellschaft aufgebaut, die auch die Menschen außerhalb des eigenen Netzgebiets nutzen können. Im Umkreis von 80 Kilometern können Haushalte Strom und Gas über „Meine StadtEnergie“ beziehen. Diese „MeineStadtEnergie“ ist eine zusätzliche Marktoption, um eine weitere Schmälerung des Marktanteils abzuwenden.

Stadtwerke Weinheim

Umsatz und Gewinn rückläufig – Krämer kritisiert unsinnige Bürokratie

Geschäftsführer Peter Krämer (links) und Prokurist Helmut Röder stellen die Bilanz 2011 vor.

Weinheim, 27. Juni 2012. (red/pro) Die Stadtwerke Weinheim GmbH muss 2011 einen Gewinnrückgang von 22,8 Prozent auf 2,064 Millionen Euro hinnehmen. Der Umsatz ging leicht um 1,6 Prozent auf 55,961 Millionen Euro zurück. Geschäftsführer Peter Krämer macht eine „irrwitzige Bürokratie“ und hohe damit verbundene Kosten für das Ergebnis verantwortlich. Zudem habe der warme Winter den Absatz geschmälert.

Von Hardy Prothmann

Die Stadtwerke Weinheim müssen nach den uns vorliegenden Bilanzzahlen das dritte Jahr in Folge Rückgänge bei Umsatz und Gewinn hinnehmen. Geschäftsführer Peter Krämer macht dafür den milden Winter verantwortlich, hier sei es zu deutlichen Absatzrückgängen gekommen. Dementsprechend habe sich bei Gas (-9 Prozent) und Wärme (-15,3 Prozent) der Umsatz negativ entwickelt. Umgekehrt sei der Wasserverbrauch um 6,9 Prozent gestiegen. Der Stromumsatz ist mit 0,9 Prozent leicht gestiegen.

Mit 94.126 Besuchern sei das Hallenbad (Hawei) gut besucht gewesen. Das Hallenbad ist ein Zuschussbetrieb mit gut 750.000 Euro Kosten – hier muss nach Abszug der Einnahmen gut eine halbe Million Euro ausgeglichen werden.

4,9 Millionen Euro in Lützelsachsen Ebene investiert

Größte Investitionsleistung ist die Erschließung des Neubaugebiets Lützelsachsen Ebene. Hier wurden 2011 insgesamt 4,9 Millionen Euro investiert. Um die Kosten stemmen zu können, wurden ein Grundstück an der Viernheimer Straße verkauft sowie EnBw-Aktien veräußert. Insgesamt konnten hier rund 750.000 Euro außerordentliche Erträge erzielt werden. Anfang 2012 habe man wegen günstiger Zinsen zudem einen Kredit aufgenommen. Der Rest sei über Eigenmittel finanziert worden.

Die Eigenkapitalquote des Unternehmens ist mit 43,5 Prozent solide. 61 Prozent hält die Stadt Weinheim, 39 Prozent EnBw. Insgesamt beschäftigen die Stadtwerke 123 Angestellte, darunter acht in Ausbildung und zwölf Menschen mit einem Behindergrad zwischen 30 und 50 Prozent: „Die leisten Top-Arbeit.“

Energiewende: Unsinnige Bürokratie

Beim Thema Energiewandel wird der sonst eher ausgeglichene Peter Krämer richtig fuchsig:

Wir ertrinken in unsinniger Bürokratie.

Er habe deshalb Gespräche mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten aufgenommen, die häufig zwar die Gesetze zumindest können würden, aber nicht die Auswirkungen:

Ein Gesetz ist vielleicht fünfzig Seiten lang – innerhalb kurzer Zeit werden da mehrere hundert draus. Voll mit Urteilen, Vorschriften, Kommentaren. Und jährlich gibt es ein Dutzend solcher Gesetze.

Gerade kleine Gesellschaften wie die Stadtwerke Weinheim litten extrem unter der Verordnungsflut, die zudem nicht zur Vereinfachung des Alltagsgeschäfts führe, sondern zur extremen Behinderung. Weil auch konzeptionell viele Lücken bei der Energiewende beständen, habe er große Zweifel, dass diese erfolgreich zu meistern sei:

Bislang ist das Flickwerk – es gibt keine zusammenhängende Planung. Dabei ist das Thema so wichtig, dass hier parteiübergreifend an einem Strang gezogen werden muss.

Hierbei müssten auch die Regionen bei ihrer Bemühung der autarken Versorgung gestärkt werden. Immerhin ist der Umsatz mit Öko-Produkten bei Bio-Erdgas um 36 Prozent auf 1.028 Megawattstunden gestiegen, bei Strom um 22 Prozent auf 4.934 Megawattstunden. Und Lützelsachsen Ebene sei ein positives Beispiel für den „ökologischen Weg“, da die Wärme über eine nahelegende Biogas-Anlage geliefert werde. Nur bei harten Wintern müsse man in der Spitze mit Gasbrennern „aushelfen“, die aber vorsorglich installiert sind.

HaWei feiert im Oktober Jubiläum

Ein Kostentreiber sei das Energieeinspeisegesetz. So gebe es in der Stadt 650 Einspeiser mit 3.800 „Auszahlungstatbeständen“, sagte Prokurist Helmut Röder:

Wir erhalten für die Abrechnungsleistung keinen Cent – das geht alles zu unseren Lasten.

Zusammen mit den Stadtwerken Schwetzingen wurde die Urbania GmbH gegründet. Die Vertriebsgesellschaft soll die Marke „Meine Stadt Energie“ vermarkten.

Die Stadtwerke selbst kaufen Gas und Strom über die entsprechenden Börsen ein. Trotz eines schwierigen Umfelds sei es gelungen, die Preise stabil zu halten. Erfreulich sei, dass Hemsbach, Laudenbach und Hüttenfeld die Stadtwerke für die kommenden 20 Jahre als Netzbetreiber ausgewählt hätten. Größter Kunde der Stadtwerke ist die Stadt selbst. Die Naturin sei der größte Gas-Abnehmer.

Im Jahr 2013 soll die Attraktivität der Tochterfirma WeBU (Weinheim-Bus) durch ein neues Konzept verbessert werden.

Vom 26.-28. Oktober feiert das HaWei sein 50-jähriges Jubiläum. Einzelheiten zu den Programmpunkten werden noch bekannt gegeben

 

Wasserzweckverband Badische Bergstraße

Achter Brunnen sprudelt

Weinheim-Hemsbach, 22. Juni 2012. (red/pm) Wasserzweckverband Badische Bergstraße: Neuer Brunnen fördert Trinkwasser. Acht Brunnen sorgen für die Trinkwasserversorgung in der Region.

Information der Stadtwerke Weinheim:

„Leise und völlig unspektakulär hat er seine wichtige Aufgabe übernommen: Der achte Trinkwasserbrunnen des Wasserwerks Hemsbach. Er arbeitet jetzt im Verbund mit seinen sieben Kollegen für die Trinkwasserversorgung von rund 80.000 Menschen in der Region.

Der neue Brunnen ist nach seiner Fertigstellung Anfang Juni ausgiebig gespült worden und hat danach alle Prüfungen und Wasseranalysen nach den Richtlinien der Trinkwasserverordnung ordnungsgemäß bestanden.

Seither fördert er rund 230 Kubikmeter bestes Trinkwasser pro Stunde – und das etwa acht Stunden am Tag.

Der Wasserzweckverband Badische Bergstraße (WZV), dem das Wasserwerk Hemsbach gehört, hat mit diesem Brunnen in die Trinkwasservorsorgung investiert: Er hat 300.000 Euro gekostet, sein Bau hat rund acht Monate gedauert – länger als geplant.

„Die strengen Spätfröste haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Peter Krämer, Geschäftsführer des WZV. „Alles war gefroren und das Grundwasser stand höher als üblich.“

Umso mehr freue er sich jetzt über die einwandfreie Funktion des Brunnens. „Durch den zusätzlichen Brunnen sind auch künftige Generationen sicher mit ausreichend Trinkwasser versorgt“, ist sich Peter Krämer sicher. „Sollte irgendwann ein Brunnen ausfallen oder altersbedingt abgeschaltet werden müssen, ist die Versorgung der Bürger weiterhin garantiert.“

In Vorsorge investiert

Die Filterstrecke des Brunnens befindet sich in einer Tiefe von 59 bis 100 Metern unter der Erdoberfläche. Von dort fördert der neue Brunnen Trinkwasser nach oben in den Tagesbehälter des Wasserwerks. Im Werk wird das Wasser von Eisen und Mangan befreit, bevor es ins Leitungsnetz fließt. Zwischen den Bohrungen der acht Brunnen liegen jeweils rund 150 Meter Luftlinie.

Die acht Brunnen fördern pro Jahr insgesamt rund vier Millionen Kubikmeter Wasser; sie sind wechselseitig im Einsatz, jeder im Durchschnitt etwa acht Stunden pro Tag. „Der achte Brunnen macht den Betrieb der Wasserversorgung langfristig noch sicherer und komfortabler. Wir können problemlos einen für längere Wartungs- oder andere Arbeiten aus dem Betriebsverbund nehmen“, erklärt der Geschäftsführer.

„Eine sichere Trinkwasserversorgung ist ein hohes Gut. Da muss man verantwortungsbewusst und nachhaltig investieren.“

Seit Jahrhunderten unberührt

Die Brunnen des Wasserwerks Hemsbach fördern Wasser, das dort im Untergrund seit 500 bis 800 Jahren gut abgeschirmt ruht. Eine bis zu zehn Meter dicke Tonschicht in 40 Metern Tiefe deckt die Grundwasserschicht, aus der das Trinkwasser stammt, ab. Die Tonschicht verhindert, dass Dünger von den Feldern in das Trinkwasser gelangt.

„Die Nitratwerte unseres Wassers sind sehr niedrig und messtechnisch kaum erfassbar“, meint Wasserwerksleiter Michael Seßler dazu, „wir versorgen unsere Bürgerinnen und Bürger mit bester Qualität.“

Gut gespült in Betrieb

Als der achte Brunnen fertig war, wurde er in das Leitungsnetz im Wasserwerk eingebunden und auch elektrisch angeschlossen. Danach folgten zunächst umfangreiche Spülungen und Qualitätskontrollen. „

Mehrere Tage lang wurde das geförderte Wasser in den Graben gespült und untersucht. Es muss sicher sein, dass der neue Brunnen selbst keimfrei ist, bevor das Wasser als Trinkwasser verwendet werden darf“, berichtet Michel Seßler. „Wir arbeiten da Hand in Hand mit dem Gesundheitsamt.“

Am 8. Juni wurde der neue Brunnen in die Versorgung eingebunden.

Bestens kontrolliert

„Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland“, weiß Michael Seßler. Von der Förderung bis zum Wasserhahn sorgen zahlreiche Kontrollen stets für gesunde Qualität und Frische.

Allein im Wasserwerk nimmt ein geprüftes Fachlabor pro Jahr 50 mikrobiologische und drei physikalisch-chemische Proben – letztere mit 200 verschiedenen Parametern.

Die Werte werden vom Labor jeweils automatisch an das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises übermittelt. „In den vergangenen 40 Jahren war immer alles in Ordnung. Das Trinkwasser unserer Region ist gut geschützt.“, sagt Michael Seßler. So musste das Trinkwasser bisher aus mikrobiologischer Sicht noch nie gechlort werden.

Sicher versorgt

Michael Seßler und seine drei Kollegen sind für den Betrieb des Wasserwerks Hemsbach des Wasserzweckverbands Badische Bergstraße verantwortlich.

Dazu gehören auch die acht Brunnen. Die Versorgungsleitungen zu den Städten betreuen die einzelnen Verbandsmitglieder des Wasserzweckverbandes – die Stadtwerke Weinheim, die Stadt Hemsbach und die Gemeinde Laudenbach.

Die Stadtwerke Weinheim versorgen mit Trinkwasser des WZV die Stadt Weinheim, den Zweckverband Gruppenwasserversorgung Eichelberg und die Gemeinde Gorxheimertal. Im Gorxheimertal betreuen die Stadtwerke auch das Leitungsnetz.