Donnerstag, 23. November 2017

Lokaljournalismus 2.0

Vier Jahre Heddesheimblog: Wie aus Zufall ein System wurde

moma_prothmann

Hardy Prothmann, Chefredakteur, in einem Beitrag von ARD-Morgenmagazin zur Krise des Journalismus.

Heddesheim/Rhein-Neckar, 12. Mai 2013. Das Heddesheimblog.de und die anderen Ortsblogs gibt es nun seit vier Jahren – wir freuen uns sehr, dass wir diese vier Jahre ├╝berstanden haben und uns vor Ort, in der Region und sogar dar├╝ber hinaus etablieren konnten. Ein Blick zur├╝ck ist immer auch einer nach vorne. [Weiterlesen…]

In eigener Sache: Lydia Dartsch startet im April ihr Redaktionsvolontariat

„Ich freu‘ mich wie ein Schnitzel“

Mannheim/Rhein-Neckar, 03. April 2013. (red/ld) Lydia Dartsch war seit vergangenem September als freie Mitarbeiterin f├╝r uns t├Ątig. In den kommenden 20 Monaten wird sie als Volont├Ąrin eine praxisnahe journalistische Ausbildung bei uns absolvieren und ├╝ber die vielen spannenden Themen der Region berichten. W├Ąhrend des Volontariats wird sie in verschiedenen Redaktionen im gesamten Bundesgebiet sowie im Ausland gastieren. Schon im Mai geht es f├╝r eine Woche nach Stra├čburg. Dort wird sie w├Ąhrend der Sitzungswoche am Europ├Ąischen Parlament die Abgeordnete der Gr├╝nen, Franziska Brantner, begleiten. Ihre Vorliebe f├╝r den Lokaljournalismus hat sie als freie Reporterin bereits entdeckt. Ihr Credo: Auch Kleintierzuchtvereine bieten Stoff f├╝r „G├Ąnsehaut“. [Weiterlesen…]

In eigener Sache

Besinnlichkeiten, Bescherungen, Botschaften

 

Rhein-Neckar, 24. Dezember 2012. (red) Wir w├╝nschen unseren Leserinnen und Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit, sch├Âne Bescherungen und frohe Botschaften. Auch wenn der „Wettergott“ es nun dieses Jahr gar nicht gut mit uns gemeint hat und uns sommerlich anmutende Temperaturen von 14┬░ Grad beschert hat. Immerhin ist die Welt nicht untergegangen – sie dreht sich weiter. Wir lassen das Jahr geruhsam ausklingen. Ab der zweiten Januarwoche sind wir wieder voll im Einsatz f├╝r Sie da.

Von Hardy Prothmann

Heute Abend wird es ├╝berall Bescherungen geben – sch├Âne Geschenke, die hoffentlich Freude machen. Es wird zusammen gelacht, gefeiert, auch gestritten und gebetet, zur├╝ck- und vorgeschaut, sich erinnert. Und nat├╝rlich gut gegessen und getrunken.

Bei uns ist das ganze Jahr Weihnachten. Wir bescheren Sie, unsere Leserinnen und Leser, fast t├Ąglich und kostenlos mit „Botschaften“. Die sind leider nicht immer „froh“, sondern geben wieder, was in unserer Welt passiert. Denn das haben wir uns zur Aufgabe gemacht und das erwarten Sie selbstverst├Ąndlich von uns.

Ist das aber so selbstverst├Ąndlich, wie es scheint? Das ist es nicht. Wir erbringen eine Dienstleistung f├╝r die Allgemeinheit, die tausende von Menschen kostenlos nutzen, die aber alles andere als kostenfrei ist. Wir haben in technische Ger├Ąte investiert, haben laufende Kosten f├╝r B├╝ror├Ąume, Arbeitsmaterialien, Fahrzeuge. Der gr├Â├čte Posten sind die Honorarkosten f├╝r unsere Mitarbeiter, die sehr engagiert Informationen zusammensuchen, sortieren, verarbeiten und aufbereiten.

Umbruchszeit

W├Ąhrend wir diese journalistische Dienstleistung aufbauen und ausweiten, stellen andere diese ein. Sp├Ątestens im Jahr 2012 ist klar geworden, dass der Medienmarkt in einem entscheidenden Umbruch ist. Die Verlierer dieses Prozesses werden die gedruckten Zeitungen sein. Nur ein paar Beispiele: In Hamburg wurde die Financial Times Deutschland eingestellt, in N├╝rnberg die Abendzeitung und hier bei uns vor Ort das Stadtmagazin Meier. Diese Medien sind aus dem Meinungsmarkt verschwunden. Deren Informationen – egal, wie gut oder schlecht sie gewesen sein m├Âgen – werden fehlen.

Stabile Demokratien zeichnen sich aber durch Meinungsfreiheit aus. Bei uns ist diese grundgesetzlich durch Artikel 5 unserer Verfassung gesch├╝tzt. Um sich eine umfassende Meinung bilden zu k├Ânnen, brauchen wir alle verl├Ąssliche und umfassende Informationen, die wir gegeneinander abw├Ągen. Um eine Haltung zu entwickeln oder Entscheidungen zu treffen.

W├Ąhrend im Printbereich viele Angebote ersatzlos verschwinden, entstehen bundesweit seit einiger Zeit neue Angebote wie unseres oder von Kollegen. Einige Dutzend haben sich im Netzwerk istlokal.de zusammengefunden und suchen gemeinsam neue Wege, um einen guten, hintergr├╝ndigen Lokaljournalismus anbieten zu k├Ânnen.

Kritischer Journalismus bedroht

Wir gehen dabei jeden Tag ein hohes Risiko ein. Denn sobald jemand mit unseren Ver├Âffentlichungen nicht „einverstanden“ ist, drohen Abmahnungen und Klagen wie vor einem Jahr durch den Gr├╝nen-Politiker Hans-Christian Str├Âbele oder die vermeintliche „Tierschutz“-Organisation Peta oder der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler – in nur drei Jahren sind wir ├╝ber ein Dutzend Mal abgemahnt worden. Das finanzielle Risiko lag dabei immer zwischen 2.000-10.000 Euro. Insgesamt haben wir bereits ├╝ber 10.000 Euro an Anwalts- und Gerichtskosten bezahlen m├╝ssen. Wie heftig es dabei zugehen kann, zeigt das Beispiel Regensburg-Digital. Unser Kollege Stefan Aigner wurde von der katholischen Kirche verklagt, weil er Zahlungen der Kirche an ein Missbrauchsopfer als „Schweigegeld“ bezeichnet hatte. Durch Spendenzahlungen von Lesern hatte er die finanziellen Mittel, um sich juristisch zu wehren. Das Hamburger Landgericht untersagte dem engagierten Journalisten zun├Ąchst diese Behauptung, das Hamburger Oberlandesgericht hob das Urteil auf und die Di├Âzese Regensburg legte dagegen Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Die Karlsruher Richter lehnten die Beschwerde ab.

Ganz ├╝berwiegend wird kritische Berichterstattung aber anerkannt. An dieser Stelle m├Âchten wir alle die loben, die bereit sind, Kritik nicht nur auszuhalten, sondern anzunehmen und weiter den Austausch suchen. Wir stehen mit dutzenden von Beh├Ârden, mit hunderten von unseren Leserinnen und Lesern in gutem Kontakt, die uns immer wieder wertvolle Hinweise ├╝ber das Geschehen vor Ort geben, die uns Informationen zukommen lassen, die wir pr├╝fen, aufbereiten und ver├Âffentlichen.

Hochwertige Informationen sind wertvoll

├ťber dieses Engagement sind wir sehr dankbar. Ebenso ├╝ber das Vertrauen, dass uns unsere Werbekunden schenken. Die Einnahmen aus der Werbung bezahlen unsere Arbeit. Unsere Werbekunden wiederum nutzen die durch uns erzeugte Aufmerksamkeit gerne, weil sie den Medienwandel verstehen und feststellen, dass wir zwar immer wieder streitbare, aber insgesamt sehr hochwertige Informationen anbieten. Weil wir Informationen nicht langweilig verwalten, sondern einordnen und bewerten.

Im kommenden Jahr werden wir ├Ąhnlich wie unser Berliner Kooperationspartner Prenzlauerberg-Nachrichten einen Freundeskreis schaffen und eine finanzielle Unterst├╝tzung bei Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, einwerben. Wir wissen, dass der ├╝berwiegende Teil unserer Leserinnen und Leser unsere Arbeit wertsch├Ątzt und lassen uns ├╝berraschen, inwieweit das „honoriert“ wird. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, k├Ânnen also selbst ihren Teil beitragen, um unseren kritischen Journalismus, den wir nicht aus Selbstzweck, sondern f├╝r Sie machen, zu unterst├╝tzen. In Stuttgart hat „Kontext – Die Wochenzeitung“ ├╝ber 1.000 Unterst├╝tzer gefunden, die zehn Euro und mehr im Monat (ohne Abo-Bindung) zahlen, um deren journalistische Arbeit zu finanzieren. Sicher aus der ├ťberzeugung heraus, dass kritischer Journalismus absolut notwendig ist, damit die Demokratie lebendig bleibt.

W├Ąhrend Gro├čverlage Teile ihrer Angebote einfach einstellen, wenn sie nicht genug abwerfen, bauen wir auf und investieren. Die Gesch├Ąfte entwickeln sich positiv – Ihre Unterst├╝tzung k├Ânnen wir trotzdem gut brauchen. Und die ist gut angelegt, weil wir im Gegensatz zu anderen Medien tats├Ąchlich unabh├Ąngig arbeiten.

Schlechte Nachrichten vs. positive Entwicklungen

Wir nutzen zum Jahresende die „besinnliche“ Zeit, um ├╝ber das zu Ende gehende Jahr nachzudenken und das kommende Jahr vorauszudenken. Wir ziehen Bilanz, was uns gut gelungen ist, was weniger, was wir besser machen k├Ânnen. Sie unterst├╝tzen uns dabei fortw├Ąhrend, durch Kommentare, Postings auf Facebook, emails, Anfrufe und pers├Ânliche Gespr├Ąche. Daf├╝r danken wir ebenfalls sehr herzlich.

Leider besteht unsere Arbeit oft nicht aus „frohen Botschaften“ – denn wir m├╝ssen ├╝ber Missst├Ąnde berichten, damit diese bekannt und hoffentlich beseitigt werden. Wir freuen uns aber immer, wenn wir positive Nachrichten oder zufriedenstellende L├Âsungen verbreiten k├Ânnen. Und manchmal kommt beides zusammen: Die Aktivit├Ąten der rechtsradikalen NPD sind schlechte Nachrichten, der Widerstand von Gegendemonstranten dagegen sind sehr gute Nachrichten. Die Katastrophe von Fukushima war eine besonders schlechte Entwicklung, das daraus entwickelte Umdenken in Richtung Energiewende ist eine positive Wendung. Dass wir privaten Energieverbraucher geschr├Âpft werden, w├Ąhrend Stromfresserbetriebe von der Bundesregierung verschont werden, ist eine doppelt schlechte Nachricht. Wir informieren Sie ├╝ber all das und helfen Ihnen, sich ein Bild zu machen und sich eine m├Âglichst differenzierte Meinung bilden zu k├Ânnen.

Eine sehr sch├Âne Nachricht ist, dass unser Flashmob-Video, das wir im vergangenen Jahr in Weinheim produziert haben, mittlerweile fast 50.000 Menschen gesehen haben. In einer sch├Ânen, friedlichen Atmosph├Ąre singen Menschen zusammen und erfreuen sich und andere an sch├Âner Musik. In diesem Sinne w├╝nschen ich Ihnen stellvertretend f├╝r die gesamte Redaktion Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

Ihr

Hardy Prothmann
Chefredakteur

P.S. Bei aktuell wichtigen Ereignissen finden Sie selbstverst├Ąndlich auch in der Ferienzeit Informationen bei uns.