Mittwoch, 18. Oktober 2017

Gr├╝ne rufen zur freiwilligen Abgabe von Waffen auf

Rhein-Neckar, 12. M├Ąrz 2014. (red/pm) Der Mord in Birkenau ist noch kein Jahr her. Gut ein Jahr ist der Doppelmord von Eberbach her. In Dossenheim gab es im vergangenen Sommer drei Tote bei einer Schie├čerei. Damit sich Bluttaten, wie auch der Amoklauf in Winnenden nicht wiederholen, rufen die Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Sckerl und Charlotte Schneidewind-Hartnagel (B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen) zur freiwilligen Abgabe von Waffen auf. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: Weg mit den Waffen!

Kinder sind immer Opfer – nicht nur in Newtown

Rhein-Neckar, 17. Dezember 2012. (red/pro) Das Massaker von Newtown/Connecticut hat weltweit Entsetzen ausgel├Âst. Jeder mitf├╝hlende Mensch nimmt Anteil und verabscheut diese Bluttat. Nach dem ersten Schock ist aber k├╝hler Verstand gefragt, um dieses Drama und andere einzuordnen. Denn Newtown kann ├╝berall sein und ist es auch.

Von Hardy Prothmann

26 Tote – davon zwanzig Kinder. Wie das St├Ądtchen Newtown (25.000 Einwohner) dieses furchtbare Massaker verkraften kann, fragen sich ├╝berall auf der Welt die Menschen, nat├╝rlich auch hier bei uns vor Ort. Der amerikanische Pr├Ąsident versuchte vor Ort Trost zu Spenden – doch was n├╝tzt das? Die Medien berichten „neu“-gierig ├╝ber alles, was man vermeintlich ├╝ber den T├Ąter an Informationen finden kann. Berichten, hoffentlich einf├╝hlsam und sorgsam, ├╝ber die Familien und Freunde, ├╝ber deren Trauer und Schmerz. Anders als bei Spiegel Online, die ├╝ber ein Asperger-Syndrom des M├Ârders im Zusammenhang mit der Bluttat spekulierten. Weil sich Autisten zu Recht gegen diese Darstellung gewehrt hatten, erg├Ąnzte Spiegel-Online den Text.

Doch der Fokus ist mit dem Blick auf Newtown zu eng gew├Ąhlt. Ein bis zwei Dutzend Massaker finden j├Ąhrlich in den Vereinigten Staaten statt. Das Massaker von Newtown war schon das 20. in diesem Jahr. Rund 30.000 Menschen werden hier Jahr f├╝r Jahr durch den Einsatz von Schusswaffen get├Âtet: Davon sind 18.000 Selbstmorde und 12.000 Menschen werden Opfer von anderen, die – warum auch immer – mit meist gro├čkalibrigen Waffen auf andere Menschen schie├čen:

Auch Deutschland hat schon sechs „School-Shootings“ erlebt, darunter zwei besonders entsetzliche.┬á 2002 in Erfurt: Der 19-j├Ąhrige Robert Steinh├Ąuser t├Âtete 17 Menschen, bevor er sich selbst erschoss. Der 17-j├Ąhrige Tim Kretschmer t├Âtete 2009 in Winnenden insgesamt 15 Menschen, verletzte elf weitere Menschen, bevor er sich selbst erschoss. Beide hatten ├╝ber ihr pers├Ânliches Umfeld Zugang zu Waffen. Ob nun berechtigt oder nicht, spielt keine Rolle. Waffen waren teil ihrer Erfahrungswelt. Und beide konnten mit Waffen umgehen. (Uns bleibt hoffentlich eine Debatte ├╝ber vermeintlich verantwortliche „Killerspiele“ erspart: „Der M├Ârder, die Journalisten und ihre ├ľffentlichkeit„.)

Jung, m├Ąnnlich, verwirrt – mit Waffe t├Âdlich

Beim Amoklauf von Ansbach 2009 wurden zwei Sch├╝lerinnen schwer, sowie sieben Sch├╝ler/innen und eine Lehrerin leicht verletzt. Der 18-j├Ąhrige T├Ąter hatte „nur“ ein Beil, zwei Messer und Molotowcocktails. Nicht auszudenken, wieviele Todesopfer es durch den Einsatz von Schusswaffen m├Âglicherweise gegeben h├Ątte.

Fast alle Schulmassaker werden von jungen M├Ąnnern ver├╝bt. H├Ąufig erf├Ąhrt man etwas ├╝ber „psychologische Probleme“ der T├Ąter. Die These, dass die Zahl der Massaker und die Zahl der Toten weniger mit einem „Lattenschuss“ als dem Zugang zu t├Âdlichen Schusswaffen zu tun hat, ist angesichts der F├Ąlle nicht von der Hand zu weisen.

Der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl forderte Anfang 2010 vollkommen zu Recht eine Versch├Ąrfung des Waffenrechts. Newtown mag manchen weit weg vorkommen: Erfurt ist von uns aus nur etwas mehr als 300 Kilometer entfernt, Winnenden nur noch 125 Kilometer. Und die Bedrohungslage ist bei uns Vort ganz real: In Mannheim gab es zwei Amok-Drohungen an Schulen, in Schriesheim eine. 2009 legte ein Mann aus Viernheim Bomben in Weinheim und verminte seine Wohnung. Er verf├╝gte ├╝ber ein be├Ąngstigendes Waffenarsenal.

So bitter das klingt: ├ťberall in Deutschland ist es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder zu einem ├Ąhnlichen Drama kommen kann. Zwischen April 2002 und September 2009 gab es sechs Amokl├Ąufe an Schulen. Dass seit drei Jahren „nichts“ passiert ist, darf man nicht glauben. Es passiert st├Ąndig in den K├Âpfen von verwirrten jungen Menschen – ohne t├Âdliche Waffen bleiben „Rachegel├╝ste“ aber nur Gedanken und verschwinden irgendwann hoffentlich wieder.

Kinder sind immer Opfer – egal in welchem Kriegsgebiet

Amerika wird von vielen immer noch als vorbildliches Land gesehen. Das ist es nicht. Dieses Land lebt im Dauerausnahmezustand – im Krieg mit sich selbst. Bis an den Hals bewaffnet. Mindestens 250 Millionen Waffen sollen dort in Privatbesitz sein – darunter viele Kriegswaffen. 30.000 zivile Opfer durch Schusswaffengebrauch – das ist eine Zahl von Toten, die in vielen „realen“ Kriegsgebieten nicht erreicht wird.

Nach Angaben von Unicef starben in den vergangengen zehn Jahren zwei Millionen Kinder in den Krisengebieten dieser Welt, in Afrika, Asien, S├╝damerika und den Randregionen Europas: Ob durch Schusswaffen oder durch Bomben. Sechs Millionen weitere wurden k├Ârperlich verletzt. Die seelischen Sch├Ąden kann niemand z├Ąhlen. Davon erf├Ąhrt man nur selten.

Ohne das Leid der Familien in Newtown zu missachten: Kinder und deren Familien, die in der dritten Welt Opfer von Waffengewalt werden, haben meist keinen Zugang zu einer medizinischen Versorgung, erhalten keine psychologische Betreuung und in aller Regel auch keine Anteilnahme in der Welt, denn meistens erf├Ąhrt man nichts davon.

Anmerkung der Redaktion: Im aktuell erschienenen R├╝stungsexportbericht der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) vom 10.12.2012 ist nachzulesen: „Kleine und leichte Waffen sowie Munition gingen erneut an Staaten im Nahen und Mittleren Osten sowie an L├Ąnder in Asien. Insgesamt gingen 8.158 Kleinwaffen an Drittstaaten. Wichtigste Abnehmer waren Saudi-Arabien (4.213 Sturmgewehre), Indonesien (242 Maschinenpistolen, 102 Sturmgewehre) und der Kosovo (900 Sturmgewehre). Gleichzeitig wurden 6.051 leichte Waffen aus Deutschland exportiert. Der Gro├čteil dieser Waffen ging an Singapur (r├╝cksto├čfreie Waffen). Die GKKE fordert die Bundesregierung dazu auf, den Export von kleinen und leichten Waffen sowie dazugeh├Âriger Munition deutlich restriktiver zu handhaben. Angesichts der Zahlen aus dem Berichtszeitraum 2011 verwundert der Vermerk, dass die Bundesregierung auch in Zukunft Kleinwaffenexporte in Entwicklungsl├Ąnder besonders restriktiv handhaben werde.“