Dienstag, 23. Oktober 2018

Von Wurzeln und FlĂĽgeln

Es gibt viel Literatur zu diesem Thema. Quelle: Francke-Buchhandlung

Rhein-Neckar, 08. Oktober 2012. Gestern waren die Kinder noch im Kindergarten und heute ziehen sie aus. So kommt es zumindest Gabi und ihren Freundinnen vor. Das macht Kummer und birgt aber auch neue Möglichkeiten.

Okay, okay, wir haben es schon lange gewusst: Irgendwann ziehen sie aus. Und das kommt dann ganz plötzlich. Man hat das Gefühl erst vor Kurzem kamen sie in den Kindergarten, gestern in die Schule und und nur einen Augenblick später, ziehen sie aus.

Es gibt so einen netten, viel zitierten, ich glaube, indischen Spruch:

Solange Kinder klein sind, gib ihnen tiefe Wurzeln, wenn sie älter geworden sind, gib ihnen Flügel.

Das mit den Wurzeln, meine ich, haben wir ganz gut hingekriegt, aber das mit den Flügeln ist ganz schön schwer.

Das vergangene Jahr, raste nur so dahin und auf das Abi zu. Klar, war mir bewusst, danach wird sich mein Sohn um einen Studienplatz bewerben und ziemlich sicher ausziehen. Und das ist auch gut so. Für ihn und für mich. Das ist der Lauf der Dinge. Und dann ist es plötzlich so weit. Und aus der Distanz schien alles einfacher.

Jetzt ist es ja nicht so, dass mich das Schicksal „verwaiste Mutter“ allein betrifft, sondern dass ein Großteil meiner Freundinnen dies mit mir teilen. Ob die Kinder nun eine Ausbildung oder ein Studium machen.

Gemeinsam haben wir unsere Kinder in die Kindergärten geschickt, in die Grundschule, auf die weiterführenden Schulen. Wir hatten durchwachte Nächte als sie klein und krank waren und später, wenn sie zu spät oder nicht nach Hause kamen. Wir haben die Streitigkeiten mit Freunden mit durchlitten und ihr erster Liebesummer war der unsere. Es gab die Höhen und die Tiefen und jeder, der Kinder hat, weiß wie hoch und wie tief es gehen kann.

„Ich bin froh, wenn du mal ausgezogen bist und deine Wäsche selbst wäschst“, diesen Satz hat wohl jeder mal gesagt oder zumindest gedacht. Und dann steht der Umzugswagen vor der Tür, die Koffer sind gepackt – und man fühlt sich hundeelend.

Die Tochter einer Freundin hat einen Studienplatz in München bekommen, das ist ganz schön weit weg. Wir haben uns kennen gelernt, als wir die Kinderwagen unserer Erstgeborenen durch die Gegend schoben. Wir kamen ins Gespräch zwischen den Regalen im Drogeriemarkt, direkt vor den Windeln. Ihre Tochter war dreieinhalb, mein Sohn war zwei Wochen alt. Wir waren jung und leicht überfordert mit der neuen Lebensaufgabe. Jetzt 18 Jahre später, sind wir es wieder.

„Du musst den Schmerz zulassen“, hat sie zu mir gesagt, „ich habe tagelang immer wieder geheult, meine Tochter mit den Koffern am Bahnhof, das war ziemlich hart“.

Der Sohn einer anderen Freundin ist vor über einem Monat in die Nähe von Düsseldorf gezogen. Auch das ist sehr weit. „Er hat im Umzugswagen meine Hand bis Worms gehalten, das hat er schon seit Jahren nicht mehr gemacht“, erzählt sie.

Abschied und Neuanfang

„Mein Kind war am Wochenende da“, berichtet eine weitere Freundin und strahlt. „Plötzlich können wir wieder viel besser miteinander reden und meine Tochter ruft oft an und fragt nach meinem Rat, das war schon lange nicht mehr so“, erzählt sie glücklich.

Bei uns war es letzte Woche so weit. Mein Sohn hat einen Studienplatz an einer Uni bekommen, die keine 100 Kilometer entfernt liegt. „Du hast es gut“, sagten meine Freundinnen, „du kannst für einen Nachmittag dort vorbei fahren und er kann auch nur mal zum Mittagessen kommen“.

Doch Entfernung ist nicht alles. Denn hart sind die Umzugskartons, die im Zimmer stehen, die Bilder, die von der Wand genommen werden. Es ist ein Abschied nicht von dem Kind, sondern von einer Zeit. Es ist ein Abschnitt und es ist ein Neuanfang, für Eltern und Kinder. Es ist das Loslassen, das so schwer fällt.

Es ist der Alltag, der sich ändert: Man deckt für eine Person weniger den Tisch und im Supermarkt will man noch zu den Lieblingsspeisen greifen. Es ist eine Tür, die nicht mehr geöffnet und geschlossen wird. Es ist laute Musik, die nicht mehr durchs Haus halt. Es ist einfach mein Kind, das fehlt.

„Beim zweiten Kind, das auszieht, ist es schon leichter“, tröstet mich eine Freundin und sich selbst, deren Erstgeborener schon vor Jahren ausgezogen ist. Sie hat noch einen dritten Sohn, der noch zu Hause lebt, wenn er geht, wie ist es dann? Darüber will sie nicht nachdenken.

Die Tochter einer Freundin bleibt noch ein Jahr zu Hause, sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr. „Manchmal wäre ich froh“, sagt sie, „sie würde auch ausziehen“. Aber nur manchmal, gibt sie zu und ist froh, dass dies noch ein Jahr warten kann.

„So lange es ihm gut geht, ist es für mich auch gut“, sagt eine Freundin. Sie hat ihren Sohn über vier Wochen nicht gesehen. Jetzt habe er Heimweh, erzählt sie und fährt ihn besuchen.

Aktionismus ist gut gegen Kummer

Also letzte Woche war es nun so weit. Die Kartons waren gepackt, der Transporter gemietet. Schon in der Früh standen die Freunde meines Sohnes auf der Matte und packten Möbel und Umzugskisten ein. Und Aktionismus ist bekanntlich das beste Rezept gegen Kummer.

„Ich weiß im Moment nicht, wo ich hingehöre“, sagte mein Sohn dieser Tage:

Zuhause bin ich eigentlich schon weg und in meiner WG bin ich noch nicht angekommen.

„Du gehörst zu mir“, will ich sagen und weiß, dass es falsch ist. Denn, und hier bemühe ich den Spruch des libanesisch-amerikanischen Philosophen und Dichters Kahlil Gribran:

Deine Kinder sind nicht deine Kinder,
sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
(…)

„Das wird schon, das geht schneller als du denkst“, sage ich stattdessen und verspreche, ihn nächsten Sonntag zu besuchen.

Die Flügel sind schon da, aber jetzt müssen sie noch groß und kräftig werden. Für ihn und für mich.

(Das Buch Gib mir Wurzeln, schenk mir Flügel gibt es bei Amazon.)

Geprothmannt: Schulpolitik muss zukunftsorientiert debattiert werden

Die Ganztagesschule muss kommen – aber sie ist trotzdem ein Problem

Rhein-Neckar, 01. Oktober 2012. (red) Alles schön und gut. Die Forderung nach einer Ganztagesschule ist richtig, aber trotzdem problematisch. Aktuell wurde im Ladenburger Gemeinderat ĂĽber die EinfĂĽhrung der Ganztagesschule an der dortigen Werkrealschule diskutiert – aber die Debatte wird auch in anderen Gemeinden unseres Einzugsgebiet laufen. Und vermutlich StĂĽckwerk bleiben. Weil immer nur kurzfristig geplant wird und niemand den Mut aufbringt, mal zehn oder sogar 20 Jahre nach vorne zu schauen. Oder auch mal zurĂĽck.

Kommentar: Hardy Prothmann

Dieser Beitrag kommt ohne Zahlen aus, weil es nicht um Erbsen zählen gehen soll, sondern um einen Aufruf zu einer weitsichtigen Debatte, die leider nicht stattfindet.

Baden-Württemberg ist unbestritten ein guter Schulstandort. Aber die Zeiten ändern sich. Mit ihnen die Menschen und die Bedingungen, unter denen sie miteiander leben. Deswegen beginne ich auch mit einem Sprung zurück.

Ich bin 1966 geboren und bin nach der vierten Klasse in Frankenthal aufs Gymnasium gegangen. Mit ein paar Freunden. Andere Freunde wechselten auf die Reals- oder Hauptschule. Für die Freundschaften war das weitgehend unbedeutend. Um 13:00 Uhr läutete es, ich war um 14:00 Uhr mit Essen und meist auch mit Hausaufgaben fertig, spätestens um drei ging es raus: Kicken, Rad fahren, Schwimmen gehen, Blödsinn machen, Vereinstraining. Mit meinen Freunden und anderen Kindern. Beim Abendessen war ich oft todmüde, weil ausgepowert.

Gemeinsamkeit

Mit einigen meiner Freunde bin ich unabhängig vom Schulabschluss und der späteren beruflichen „Laufbahn“ immer noch gut befreundet. Die einen arbeiten als Handwerker, andere in Heilberufen ohne Ă„rzte zu sein, es gibt Händler und Dienstleister unter ihnen. Alles feine Leute, die teils mal richtig ordentlich mehr Geld verdienen als ich. Und die oft um einiges weniger arrogant sind als die, die sich fĂĽr die Elite halten.

Überhaupt diese ganze leidige Elitendiskussion: Wenn ich einem Kumpel einen französischen Text übersetzt habe oder die Inschriften auf alten Denkmälern lesen und verstehen konnte, wusste ich, dass ich mehr weiß als mein Hauptschulfreund. Na und? Dafür konnte der flitzeflink später Maße und Winkel berechnen, wusste immer, wo gerade die besten Preise für was auch immer waren. Das ergänzt sich bis heute.

Zusammen, statt getrennt

Hardy Prothmann (45) fordert mehr Weitblick bei der Schulpolitik.

Damit bin ich beim Kern der Debatte: Vor meiner Zeit wurden Jungs und Mädchen getrennt. Auch zu meiner Zeit wurden wir Kinder getrennt. Gemeinsames Lernen gab es nicht. Aber wir hatten neben der Schule viel Zeit für Gemeinschaft. Heute werden die Kinder auch getrennt, aber durch die Lebenssituation vieler Eltern brauchen sie eine längere Betreuung. Sicher sind auch die Anforderungen in der Schule gestiegen, also auch länger Schule.

Ich habe zwei Kinder. Der Sohn hat gerade nach dem achtjährigen Gymnasium Abitur gemacht, die Tochter besucht die 8. Klasse. Die kennen keine Haupt- und RealschĂĽler mehr. Nicht wegen Elitegedanken – ich achte drauf, dass sie bewusst bescheiden bleiben -, sondern weil sie keine Zeit haben. Morgens um sechs Uhr aufstehen, Schule bis um 16-17:00 Uhr. Dann noch Hausaufgaben machen, lernen, etwas Sport und etwas Musik. Damit ist der Tag rum. Ab und an treffen sich „beste Freundinnen“ und das ist natĂĽrlich jemand aus der Klasse. Andere Kinder bekommen sie ja nicht zu Gesicht.

Diese Trennung der Kinder fĂĽhrt auch irgendwann zu einer Trennung der Gesellschaft. Gymnasiasten wissen nicht wie RealschĂĽler ticken und die nicht, wie HauptschĂĽler so als Menschen sind. Falsche Elitendebatten fĂĽhren zu falschen Selbstbildern bei den „Besten“ wie bei denen, die es „halt nicht geschafft haben“. Und vor allem CDU, SPD und FDP heiĂźen diese heillosen Debatten auch noch an. Christliche Verbundenheit, soziales Miteinander oder freies FĂĽreinander fällt diesen „politischen Eliten“ nicht mehr ein. Und umgekehrt kriegen die GrĂĽnen Pickel, wenn jemand Elite sagt, obwohl man die ganz sicher ebenso braucht wie den soliden Handwerker.

Der Schultyp der Zukunft, der auch den Gemeinsinn der Menschen stärkt und der gesellschaftlichen Situation Rechnung trägt ist die gemeinsame Ganztagsschule. Damit die nachwachsenden Generationen auch fähig sind, gemeinschaftlich zu denken. Und übereinander Bescheid wissen. Natürlich gehört auch Inklusion dazu.

Und man muss die Sportvereine in die Veränderungen ebenso mit einbeziehen wie Musikschulen. Wenn die Ganztags-Werkrealschule kommt, werden die Vereine erneut Kinder und Jugendliche verlieren. Ganz einfach aus dem Grund, dass nicht alle auf ein Mal im Zeitfenster 17:00-19:00 Uhr auf demselben Platz kicken oder diesselbe Halle belegen können.

Alle mĂĽssen zusammenrĂĽcken

FrĂĽher ging man nach der Schule in den Sportverein. „Nach der Schule“ ist heute später Nachmittag oder frĂĽher Abend. Also mĂĽssen die Vereine in die Schulen, ebenso die Musikschulen.

Das wird ein gewaltiger Umbau – denn dafĂĽr muss vieles neu gedacht werden. Von Gebäuden, ĂĽber Plätze, ĂĽber Mittel bis hin zur Organisation. In vielen Gemeinden reichen die Hallenkapazitäten nicht mehr aus. Nicht weil die von morgens bis abens belegt sind, sondern weil immer mehr Anspruch auf diesselben Zeitfenster erheben. Wo soll das hinfĂĽhren? Dass jeder 10.000-Einwohner Ort vier Hallen und zwei Kunstrasenplätze hat?

Man muss nicht nur gesellschaftlich die Schulen neu denken, sondern auch wirtschaftlich. Denn bekanntlich fehlt es an Geld zur Unterhaltun und es wird weniger Kinder geben. Ob man sich diesen Luxus, drei Schulsysteme mit entsprechenden Verwaltungen noch wird leisten können, ist heute schon fraglich. Hinzu kommt der Schülerverkehr, denn die wenigstens laufen nach der Grundschule in eine weiterführende Schule.

Was die HauptschĂĽler schon mitmachen mussten, Zusammenlegungen, Werkrealschulreform, erneute Zusammenlegung, jetzt Ganztagsschule wird auch auf die anderen Schultypen zukommen. Gymnasien fĂĽhren teils wieder die 9-jährigen ZĂĽge nach der G8-Reform ein oder bieten beide ZĂĽge an. Die Realschulen haben „Sorge“, dass ihre „Homogenität“ durch HauptschĂĽler gestört wird, da der Wegfall der Schulempfehlung nun Kindern die Realschule erlaubt, die sonst auf der Hauptschule gelandet wären. Und die Hauptschulen, neudeutsch Werkrealschulen, mĂĽssen bangen, ob sie ĂĽberleben können.

Man könnte das Durcheinander auch als „lebendig“ bezeichnen. Tatsächlich weiĂź ich aus vielen Gespräche mit Eltern und Kindern, dass es als chaotisch begriffen wird. Eine „neue Ordnung“ kann nicht mehr Schaden anrichten als das verkorkste Herumexperimentieren der vergangenen Jahre.

Zehn „Themenpakete Studienbeginn“ zu gewinnen

Rhein-Neckar, 09. August 2012. (red) Mit dem Studienanfang beginnt fĂĽr jeden jungen Schulabgänger eine neue Zeit. Um den Start in den Hochschuldschungel finanziell gut vorzubereiten, hat uns die Zeitschrift Finanztest zehn Exemplare des aktuellen „Themenpaket Studienbeginn“ als PDF zur Verlosung zur VerfĂĽgung gestellt.

Um eines der zehn PDF zu gewinnen, mĂĽssen Sie folgende Frage beantworten:

Zu welcher Stiftung gehört die Zeitschrift „Finanztest“?

Schicken Sie die Antwort bis zum 17. August 2012 um 12 Uhr per email an redaktion@rheinneckarblog.de. Neben der Antwort sollte die email auch Ihren Namen und Ihre Anschrift enthalten. Diese Daten werden von uns ausschlieĂźlich zur Kenntnisnahme an „Finanztest“ ĂĽbermittelt. Die Gewinner werden per email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


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Eine Studienbeginnerin testet das "Themenpaket Studienbeginn"

Viele gute Tipps fĂĽr „nicht Gepuderte“

Viele nĂĽtzliche Tipps bietet das „Themenpaket Studienbeginn“ aus dem Haus Finanztest.
Quelle: Finanztest

Rhein-Neckar, 09. August 2012. (red/ei) Viele Abiturienten wissen nicht, ob sie sofort studieren können. Der Andrang an den Universitäten ist durch die doppelten Jahrgänge und dem Ausfall von Wehr- und Zivildienst extrem hoch. Als Schulabgängerin kann ich ein Lied davon singen. Es gibt so viele offene Fragen. Bei den finanziellen hilft das aktuelle Finanztest-Sonderheft „Themenpaket Studienbeginn“.

Von Alina Eisenhardt

Mein erster Eindruck: Wow! Ganz schön viele gute Tipps, an was man alles denken kann oder muss. Spätestens jetzt ist mir klar: Die Schule war ein anderes Leben. Mit dem Studium beginnt der Ernst des Lebens und dabei geht es natürlich oft um Geld.

Von „Jobben nach dem Schulabschluss“ bis zu „Wartezeit ĂĽberbrĂĽcken“ beschreibt das Heft alle Themen, die relevant fĂĽr jene Studienanfänger sind, die sich selbst kĂĽmmern mĂĽssen und nicht von „Papi“ gepudert werden.

Studieren kostet Geld

Ich bin frisch immatrikuliert, muss mich selbst finanzieren und bin froh ĂĽber diesen Ratgeber. „Themenpaket Studienbeginn“ geht auf viele Alternativen ein, die es ermöglichen, das Studium zu bezahlen. Ich dachte bislang immer, dass Stipendien nur an die Spitzenreiter in der Notenskala vergeben werden. Falsch gedacht. Auch soziales und politisches Engagement kann von Kirchen, Stiftungen und anderen Institutionen mit Stipendien belohnt werden.

Eine Alternative zu „Papa wird das schon zahlen“ sind Studienkredite. NatĂĽrlich will Schulden machen wohl ĂĽberlegt sein. Ich werde mich mit der Frage beschäftigen, was mehr Sinn ergibt: Geld aufnehmen, zĂĽgig studieren und dann zurĂĽckzahlen oder neben dem Studium jobben und daher wahrscheinlich länger studieren. Die Lösung wird schwer zu finden sein.

Das Bafög-Amt ist eine der wichtigsten und ersten Anlaufstellen für den finanziell klammen Studenten. Nur blöd, dass man einen Antrag erst dann stellen kann, wenn man die Immatrikulationsbescheinigung besitzt. Das erschwert die Organisation.

Trotzdem ist das Bafög das natürlich ein Fördertopf, den man genau prüfen sollte. Das Amt vergibt immerhin bis zu 670 Euro pro Monat. Die eine Hälfte gibt es als Zuschss, die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen, dass ab dem fünften Jahr nach Ende der Förderungshöchstdauer zurückgezahlt werden muss.

Geld sparen leicht gemacht

Als Studentin bekomme ich viele Vergünstigungen. Wie Reinhard Lask in seinem Text schon hervorgehoben hat, ist der Tipp mit der Bank echt Geld wert – ich hätte da nicht dran gedacht. Was, wenn die günstige Online-Bank keinen Automat in meiner Nähe hat? Dann müsste ich an denen anderer Banken mit teuren Gebühren abheben. Also: Vorher  erstmal checken, an welchen Bankautomaten man zu welchen Gebühren (oder sogar kostenlos) abheben kann.

Versicherungen? Gar nicht so kompliziert!

Eine der verwirrendsten Angelegenheiten nach dem Abitur ist wohl die Versicherung, denn das war frĂĽher schlieĂźlich immer komplizierter Elternkram, mit dem man nichts zu tun hatte.

Wenn plötzlich ein Brief von der Krankenkasse kommt, denken sich viele: „Papa/Mama regelt das schon.“

Doch auch die sind oft ĂĽberfordert, weil sich die Bedingungen ändern, wenn „das Kind“ selbst arbeitet. Kann das Kind noch familienversichert sein? Mein Anruf bei der Krankenkasse ergibt: Bis ungefähr 600 Euro darf ich dazuverdienen. Die Mitarbeiterin sagt aber auch: „So genau weiĂź ich das nicht.“

Im Themenpaket erfahre ich, dass ich monatlich beispielsweise 375 Euro verdienen darf (als Minijobber sogar 400 Euro), darĂĽber muss ich mich selbst gesetzlich versichern.

Die Freiheit der Wahl fängt bei der Krankenkasse an

Alina Eisenhardt, 19, (hat sich nach dem Abitur immatrikuliert und arbeitet seit kurzem in unserer Redaktion mit)

Dann darf man sich aber die Krankenkasse aussuchen, die individuell zu einem passt. Denn nicht jede Krankenkasse bietet die gleichen Leistungen an. So übernehmen einige Krankenkassen bis 500 Euro für Gesundheitskurse, andere nicht. Für mich sind das alles neue und gute Infos – jetzt, wo ich mich ohne Eltern selbst um mein Leben kümmere.

Das Kapitel Haftpflichtversicherung habe ich auch aufmerksam gelesen und bin enttäuscht: Diese Versicherung muss zwar jeder haben – aber ich bin bis zum Ende meiner Ausbildung über meine Eltern mitversichert. Also – so what? Diese Infos habe ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht gebraucht. Bis auf die Frage: Haben meine Eltern eine Haftpflichtversicherung? Muss ich checken. Lustig, jetzt muss ich mich um die Eltern kümmern und nicht umgekehrt.

Die Sache mit der Auslandsreise-Krankenversicherung habe ich nur überflogen – die Frage stellt sich für mich gerade nicht. Sollte ich aber ein Auslandssemester planen, weiß ich, wo ich die nötigen Infos finde.

Sehr mager fallen die Infos zur Hausratsversicherung aus – ist die wirklich unnötig, wie Finanztest schreibt?

Die Sache mit der Berufsunfähigkeitsversicherung ist interessant und kommt auf meine To-Do-Liste. Jetzt muss erstmal alles zu jobben und Versicherung geklärt werden – das hat zur Zeit oberste Priorität. Dann checke ich, welche Bank ich nehme, schaue nach einem günstigen Telefonvertrag und prüfe, wie ich beim ÖPNV am besten wegkomme.

Und die vielen Sachen muss ich jetzt flott angehen – in zwei Monaten beginnt das Studium und ich will gut vorbereitet sein.