Sonntag, 27. Mai 2018

Saukopftunnel erneut außerplanmäßig gesperrt

„Never Ending √Ąrger“ mit dem Saukopftunnel?

Tunnel zu – √Ąrger gro√ü. Das ist die einfache Formel f√ľr die 20.000 Autofahrer, die sich √ľber verstopfte Stra√üen qu√§len m√ľssen. Foto: Sebastian Singer

 

Weinheim/Rhein-Neckar/Bergstra√üe, 22. November 2012. (red/aw) Es vergeht kaum ein Monat, in dem keine neuen Nachrichten √ľber Probleme des Saukopftunnels oder dessen neuen Fluchtstollen auf der B38 zwischen Weinheim und Birkenau bekannt werden. Seit der Er√∂ffnung Ende 1999 ist die Fertigstellung des Tunnels eine „Never Ending √Ąrger-Story“. Aktuell wurde er nun wieder „spontan“ gesperrt, da es zu Hard- und Softwareproblemen kam. F√ľr die Autofahrer ein absolutes √Ąrgernis. Die Sperrung kostet Zeit, Geld und Nerven. Sind denn da nur Pfuscher auf dem Bau?

Kommentar: Alexandra Weichbrodt

Jeder Autofahrer der zur morgendlichen Berufszeit aus dem vorderen hessischen Odenwald in Richtung Weinheim unterwegs ist, nutzt f√ľr gew√∂hnlich den Saukopftunnel. Ist ja auch so herrlich bequem: Direkte Verbindung zur Autobahn, kaum Ampeln, angemessene Tempobeschr√§nkung. Das es sich hier hin und wieder mal staut, weil die dazusto√üenden Autofahrer aus Sulzbach nicht richtig in den Verkehr eingef√§delt werden, nimmt man gelassen in Kauf.

Doch, wenn der Tunnel zu ist, dann ist die Fahrt zur Arbeit alles andere als eine Freude. Denn die prim√§re Ausweichstrecke √ľber die alte B38 durch Birkenau ist total √ľberlastet. Hin und wieder w√ľrden die Autofahrer diese Zusatzstrecke, den zus√§tzlichen Verbrauch an Kraftstoff und vor allem den Zeitverlust vielleicht ohne √Ąrger hinnehmen. In letzter Zeit allerdings h√§ufen sich die Sperrungen des Tunnels. Besonders √§rgerlich sind die nicht geplanten Vollsperrungen, wie aktuell seit gestern Abend.

Wird dieser Tunnel denn niemals fertig?

Die urspr√ľngliche Idee hinter dem Bau des Tunnels war, dass der Verkehr nicht mehr durch die Stadt Weinheim, das sehr enge und windungsreiche Durchbruchstal der Weschnitz und durch Birkenau gef√ľhrt werden muss. Prinzipiell eine tolle Idee. Die Birkenauer waren begeistert, die M√∂rlenb√§cher schnell ern√ľchtert. Denn das Problem hat sich nun, besonders im Feierabendverehr, in das hintere Weschnitztal nach M√∂rlenbach verlagert. Hier dr√§ngen die B√ľrger nunmehr auf eine eigene Verkehrsumgehung. Aber das ist ein anderes Thema.

Am Morgen ist der Tunnel auch f√ľr die M√∂rlenb√§cher ein wahrer Segen. Ist der Tunnel allerdings gesperrt, ist die Situation in Birkenau wieder so wie vor der Inbetriebnahme des Tunnels. Besonders bei spontanen Sperrungen reagieren die Autofahrer, beispielsweise bei Facebook, genervt:

Was ich, und 1000 andere, heute morgen erlebt und gesehen haben ist schlicht und ergreifend nicht hinnehmbar!

Solche Kommentare findet man heute zahlreich im sozialen Netz. Viele Autofahrer hatte die ungeplante Sperrung kalt erwischt.

Der Kommentator Sven S. hat auf dem Rheinneckarblog seinem Frust ebenfalls freien Lauf gelassen:

Unfassbar, offenbar sind hier echte Profis am Werk. Richtig getestet werden die technischen √Ąnderungen also wohl erst am ‚Äúlebenden‚ÄĚ Objekt und das dann auch noch w√§hrend des Berufsverkehrs. Aber nicht genug damit, die komplette Aktion wird durchgef√ľhrt w√§hrend erhebliche Einschr√§nkungen an den Ausweichstrecken bestehen, die auch ohne dies bei einer Tunnelsperrung √ľberlastet sind, also auch massive Planungsm√§ngel.

Und Recht hat er. Wie kann es denn sein, dass fast genau 13 Jahre nach Er√∂ffnung immer noch eine akute Gefahr f√ľr die Nutzer des Tunnels besteht? Wer hat diesen Tunnel geplant? Amateuere? Studenten im Rahmen einer Projektarbeit?

Von Beginn an nur „ausreichend“

Die Liste der Sperrungen ist lang. Die Liste der Nachr√ľstungen auch. 2008 wurde der Saukopftunnel mehrere Monate gesperrt, aufgrund von Sicherheitsm√§ngeln.¬† Die Kosten der Nachr√ľstung beliefen sich auf 11 Millionen Euro.

Mitte 2009 begann man mit den Vorbereitungen f√ľr den Bau des Rettungsstollens. Ebenfalls mehrere Monate war die R√∂hre wiederum dicht, da erst der Hauptunnel verst√§rkt werden musste, bevor im Oktober 2009 √ľberhaupt mit dem eigentlichen Fluchtstollen-Bau begonnen werden konnte. Geplante Baukosten: 30 Millionen Euro. Fertig ist er bis heute nicht.

Wie konnte man denn √ľberhaupt einen Tunnel in den 90er Jahren bauen, ohne an einen Fluchtstollen zu denken? Kein Wunder, dass der ADAC in einem Tunneltest 2001 dem Saukopftunnel nur ein „ausreichend“ bescheinigte.

Immer wieder kommt es auch zu technischen St√∂rungen. So brannte es im November 2010 in einem Technikraum des Saukopftunnels. Die Folge: Tagelange Sperrung. Und auch bei der aktuellen Sperrung muss man sich fragen: Konnte keiner der Planungsherren absehen, dass die neuen Soft- und Hardware-Installationen mit dem bisherigen Betriebssystem nicht kompatibel sind? Da hat SvenS. schon vollkommen Recht, wenn er findet, dass manche Dinge erst am „lebenden“ Objekt durchgef√ľhrt werden. Wo k√§men wir aber hin, wenn jeder Arzt erstmal operiert, bevor er eine Diagnose stellt und den Behandlungsplan entwirft?

20.000 verärgerte Autofahrer täglich

Eigentlich ist egal, wie und warum der Tunnel dieser Tage mal wieder gesperrt ist. Fakt ist: √úber 20.000 Autofahrer m√ľssen an Werktagen auf andere Strecken ausweichen. Ob diese denn √ľberhaupt befahrbar sind, interessiert vom Planungsteam wohl niemanden. Denn sowohl die Zufahrt zur alten B38 in Weinheim ist durch Bauarbeiten an der B3 Bergstra√üe/ Ecke Friedrichstra√üe wegen Sanierungsarbeiten ander Fahrbahndecke eingeschr√§nkt, als auch die Ausweichm√∂glichkeit √ľber den Watzenhof in Hemsbach. Hier wird ebenfalls gebaut. Das Resultat: Die Autofahrer stehen sowohl in Weinheim als auch in Birkenau im Stau. Sie stehen und stehen und stehen.

Der √Ąrger dauert mindestens bis Montagfr√ľh – vorausgesetzt, die Brandversuche am Wochenende verlaufen nach Plan. Hoffen wir, dass da nicht ebenfalls wieder neue Probleme auftauchen. Denn ansonsten beginnt auch die n√§chste Woche f√ľr viele Autofahrer im Stillstand!

Saukopftunnel bleibt bis Montag fr√ľh zu

Eine au√üerpl√§nm√§√üige Sperrung des Saukopftunnels f√ľhrt zu erheblichem Verkehrsaufkommen zwischen Weinheim und Birkenau. (Foto: Wikipedia/Ak84)

 

Weinheim, 22. November 2012. (red/aw) Am fr√ľhen Mittwochabend wurde der Saukopftunnel zwischen Weinheim und Birkenau au√üerplanm√§√üig gesperrt. Soft- und Hardware-Probleme konnten die Sicherheit der Autofahrer nicht mehr gew√§hrleisten. Die Vollsperrung dauert in jedem Fall bis Montag, den 26. November, 05:00 Uhr an.

W√§hrend der Inbetriebnahme neuer Anlageteile im Haupt- und Fluchtstollen wurde die vorhandene betriebstechnische Anlage durch Software-und Hardwarekomponenten erweitert.¬†Bei der Programmierung dieser neuen Anlagenteilen entstanden allerdings erhebliche Schwierigkeiten mit dem bestehenden Betriebssystem. Diese veranlassten das Regierungspr√§sidium in Karlsruhe am fr√ľhen Mittwochabend den Tunnel auf der B38 zwischen Weinheim und Birkenau sofort zu schlie√üen. Wie das Regierungspr√§sidium mitteilte, sei die Sicherheit der Autofahrer nicht mehr gew√§hrleistet und die Sperrung daher unumg√§nglich.

Die bereits angek√ľndigte Vollsperrung am Wochenende vom 23.11. bis 26.11.2012, von 20:00 Uhr bis 05:00 Uhr, findet zudem planm√§√üig statt. Die Autofahrer m√ľssen daher bis mindestens Montagmorgen, 05:00 Uhr, auf die alte B38 ausweichen.

Allerdings kann es dadurch auch im Weinheimer-Stadtbereich zu erheblichen Behinderungen kommen, da im Bereich der Bundesstraße B3 Bergstraße/ Ecke Friedrichstraße die Fahrbahndecke saniert wird. Zeitweise wird die Friedrichstraße sogar ganz gesperrt.

Die beliebte Ausweichstrecke √ľber den Watzenhof in Hemsbach ist ebenfalls durch Bauarbeiten eingeschr√§nkt. Die Autofahrer sollten heute und morgen in jedem Fall mehr Zeit einplanen.