Montag, 25. September 2017

Saukopftunnel erneut au├čerplanm├Ą├čig gesperrt

„Never Ending ├ärger“ mit dem Saukopftunnel?

Tunnel zu – ├ärger gro├č. Das ist die einfache Formel f├╝r die 20.000 Autofahrer, die sich ├╝ber verstopfte Stra├čen qu├Ąlen m├╝ssen. Foto: Sebastian Singer

 

Weinheim/Rhein-Neckar/Bergstra├če, 22. November 2012. (red/aw) Es vergeht kaum ein Monat, in dem keine neuen Nachrichten ├╝ber Probleme des Saukopftunnels oder dessen neuen Fluchtstollen auf der B38 zwischen Weinheim und Birkenau bekannt werden. Seit der Er├Âffnung Ende 1999 ist die Fertigstellung des Tunnels eine „Never Ending ├ärger-Story“. Aktuell wurde er nun wieder „spontan“ gesperrt, da es zu Hard- und Softwareproblemen kam. F├╝r die Autofahrer ein absolutes ├ärgernis. Die Sperrung kostet Zeit, Geld und Nerven. Sind denn da nur Pfuscher auf dem Bau?

Kommentar: Alexandra Weichbrodt

Jeder Autofahrer der zur morgendlichen Berufszeit aus dem vorderen hessischen Odenwald in Richtung Weinheim unterwegs ist, nutzt f├╝r gew├Âhnlich den Saukopftunnel. Ist ja auch so herrlich bequem: Direkte Verbindung zur Autobahn, kaum Ampeln, angemessene Tempobeschr├Ąnkung. Das es sich hier hin und wieder mal staut, weil die dazusto├čenden Autofahrer aus Sulzbach nicht richtig in den Verkehr eingef├Ądelt werden, nimmt man gelassen in Kauf.

Doch, wenn der Tunnel zu ist, dann ist die Fahrt zur Arbeit alles andere als eine Freude. Denn die prim├Ąre Ausweichstrecke ├╝ber die alte B38 durch Birkenau ist total ├╝berlastet. Hin und wieder w├╝rden die Autofahrer diese Zusatzstrecke, den zus├Ątzlichen Verbrauch an Kraftstoff und vor allem den Zeitverlust vielleicht ohne ├ärger hinnehmen. In letzter Zeit allerdings h├Ąufen sich die Sperrungen des Tunnels. Besonders ├Ąrgerlich sind die nicht geplanten Vollsperrungen, wie aktuell seit gestern Abend.

Wird dieser Tunnel denn niemals fertig?

Die urspr├╝ngliche Idee hinter dem Bau des Tunnels war, dass der Verkehr nicht mehr durch die Stadt Weinheim, das sehr enge und windungsreiche Durchbruchstal der Weschnitz und durch Birkenau gef├╝hrt werden muss. Prinzipiell eine tolle Idee. Die Birkenauer waren begeistert, die M├Ârlenb├Ącher schnell ern├╝chtert. Denn das Problem hat sich nun, besonders im Feierabendverehr, in das hintere Weschnitztal nach M├Ârlenbach verlagert. Hier dr├Ąngen die B├╝rger nunmehr auf eine eigene Verkehrsumgehung. Aber das ist ein anderes Thema.

Am Morgen ist der Tunnel auch f├╝r die M├Ârlenb├Ącher ein wahrer Segen. Ist der Tunnel allerdings gesperrt, ist die Situation in Birkenau wieder so wie vor der Inbetriebnahme des Tunnels. Besonders bei spontanen Sperrungen reagieren die Autofahrer, beispielsweise bei Facebook, genervt:

Was ich, und 1000 andere, heute morgen erlebt und gesehen haben ist schlicht und ergreifend nicht hinnehmbar!

Solche Kommentare findet man heute zahlreich im sozialen Netz. Viele Autofahrer hatte die ungeplante Sperrung kalt erwischt.

Der Kommentator Sven S. hat auf dem Rheinneckarblog seinem Frust ebenfalls freien Lauf gelassen:

Unfassbar, offenbar sind hier echte Profis am Werk. Richtig getestet werden die technischen ├änderungen also wohl erst am ÔÇťlebendenÔÇŁ Objekt und das dann auch noch w├Ąhrend des Berufsverkehrs. Aber nicht genug damit, die komplette Aktion wird durchgef├╝hrt w├Ąhrend erhebliche Einschr├Ąnkungen an den Ausweichstrecken bestehen, die auch ohne dies bei einer Tunnelsperrung ├╝berlastet sind, also auch massive Planungsm├Ąngel.

Und Recht hat er. Wie kann es denn sein, dass fast genau 13 Jahre nach Er├Âffnung immer noch eine akute Gefahr f├╝r die Nutzer des Tunnels besteht? Wer hat diesen Tunnel geplant? Amateuere? Studenten im Rahmen einer Projektarbeit?

Von Beginn an nur „ausreichend“

Die Liste der Sperrungen ist lang. Die Liste der Nachr├╝stungen auch. 2008 wurde der Saukopftunnel mehrere Monate gesperrt, aufgrund von Sicherheitsm├Ąngeln.┬á Die Kosten der Nachr├╝stung beliefen sich auf 11 Millionen Euro.

Mitte 2009 begann man mit den Vorbereitungen f├╝r den Bau des Rettungsstollens. Ebenfalls mehrere Monate war die R├Âhre wiederum dicht, da erst der Hauptunnel verst├Ąrkt werden musste, bevor im Oktober 2009 ├╝berhaupt mit dem eigentlichen Fluchtstollen-Bau begonnen werden konnte. Geplante Baukosten: 30 Millionen Euro. Fertig ist er bis heute nicht.

Wie konnte man denn ├╝berhaupt einen Tunnel in den 90er Jahren bauen, ohne an einen Fluchtstollen zu denken? Kein Wunder, dass der ADAC in einem Tunneltest 2001 dem Saukopftunnel nur ein „ausreichend“ bescheinigte.

Immer wieder kommt es auch zu technischen St├Ârungen. So brannte es im November 2010 in einem Technikraum des Saukopftunnels. Die Folge: Tagelange Sperrung. Und auch bei der aktuellen Sperrung muss man sich fragen: Konnte keiner der Planungsherren absehen, dass die neuen Soft- und Hardware-Installationen mit dem bisherigen Betriebssystem nicht kompatibel sind? Da hat SvenS. schon vollkommen Recht, wenn er findet, dass manche Dinge erst am „lebenden“ Objekt durchgef├╝hrt werden. Wo k├Ąmen wir aber hin, wenn jeder Arzt erstmal operiert, bevor er eine Diagnose stellt und den Behandlungsplan entwirft?

20.000 ver├Ąrgerte Autofahrer t├Ąglich

Eigentlich ist egal, wie und warum der Tunnel dieser Tage mal wieder gesperrt ist. Fakt ist: ├ťber 20.000 Autofahrer m├╝ssen an Werktagen auf andere Strecken ausweichen. Ob diese denn ├╝berhaupt befahrbar sind, interessiert vom Planungsteam wohl niemanden. Denn sowohl die Zufahrt zur alten B38 in Weinheim ist durch Bauarbeiten an der B3 Bergstra├če/ Ecke Friedrichstra├če wegen Sanierungsarbeiten ander Fahrbahndecke eingeschr├Ąnkt, als auch die Ausweichm├Âglichkeit ├╝ber den Watzenhof in Hemsbach. Hier wird ebenfalls gebaut. Das Resultat: Die Autofahrer stehen sowohl in Weinheim als auch in Birkenau im Stau. Sie stehen und stehen und stehen.

Der ├ärger dauert mindestens bis Montagfr├╝h – vorausgesetzt, die Brandversuche am Wochenende verlaufen nach Plan. Hoffen wir, dass da nicht ebenfalls wieder neue Probleme auftauchen. Denn ansonsten beginnt auch die n├Ąchste Woche f├╝r viele Autofahrer im Stillstand!